Ehrung

Notfall: 15-jähriger Solinger tut das einzig Richtige

Entlang dieses Weges fiel die Dame in einen Graben. Ohne Leon Kellers Hilfe hätte sie wohl noch länger dort gelegen.
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Entlang dieses Weges fiel die Dame in einen Graben. Ohne Leon Kellers Hilfe hätte sie wohl noch länger dort gelegen.

Hilflose Seniorin stürzte und fiel in einen Graben, Leon Keller half – und wurde dafür nun geehrt.

Von Jonathan Hamm

Solingen. Eine ältere Dame lief Anfang April orientierungslos auf einem Feldweg am Birkendahl in Aufderhöhe. Ein Jugendlicher sprach sie an und fragte, ob sie Hilfe bräuchte. Sie lehnte ab, ging weiter – und brach entkräftet einige Meter weiter zusammen. Die Seniorin rutschte einen kleinen Abhang hinunter und blieb auf der nassen Weide liegen.

Doch die Dame hatte Glück im Unglück, denn der Jugendliche Leon Keller hatte die Situation weiterhin aufmerksam beobachtet und war ihr gefolgt. Telefonisch fragte er dabei seinen Vater um Rat, der ihm sagte, dass er die Polizei rufen solle. Als er die Frau stürzen sah, zögerte der damals Vierzehnjährige keine Sekunde und lief zu der Seniorin, die sich zwar nicht ernsthaft verletzt hatte, aber dennoch hilflos am Boden lag.

OB Tim Kurzbach und Polizeichefin Claudia Schepanski lobten das Engagement des 15-Jährigen.

Sie sei völlig desorientiert gewesen und habe die Situation gar nicht realisiert. Die Dame habe eine dreckige Hose und geschwollene Knie gehabt, erinnert sich Leon Keller. Er vermutet, dass sie vielleicht schon vorher einmal gestürzt sei.

Frau wurde mit Unterkühlung ins Krankenhaus gebracht

Viele Menschen kommen nicht am Birkendahl vorbei – besonders nicht zur Mittagszeit. „Sie wäre da wahrscheinlich noch lange liegen geblieben.“ Nach dem Eintreffen der Beamten, die die Erstversorgung übernahmen, lief Leon Keller los und holte einen Stuhl, damit die entkräftete Seniorin sich setzen konnte. Die Frau sei der Polizei bekannt gewesen. Mit einer Unterkühlung wurde sie in die St. Lukas Klinik gebracht und behandelt. Danach hatte er keinen Kontakt mehr zu der Dame.

Wie es mit ihr weiterging und wie es ihr heute geht, weiß er nicht. Stattdessen kontaktierte ihn jemand anderes: der Oberbürgermeister. „Du hast die Frau durch dein couragiertes Handeln vor einer möglicherweise lebensbedrohlichen Situation bewahrt“, lobte Tim Kurzbach (SPD) den Jugendlichen und ermutigte ihn dazu, seinen Mut und offenen Blick beizubehalten. Gemeinsam mit der Solinger Polizeichefin Claudia Schepanski zeichnete er den Jugendlichen für sein entschlossenes Handeln aus und überreichte ihm die Anstecknadel „Solidarität kommt von Solingen“ sowie eine Urkunde für Zivilcourage.

„Wenn das meine Oma wäre, würde ich mir wünschen, das ihr geholfen wird.“

Leon Keller wurde von Stadt und Polizei für Zivilcourage ausgezeichnet

„Das ist bei uns ganz normal, das geholfen wird“, erklärt Vater André, der seinen Sohn am Telefon unterstützte. Aufgrund der örtlichen Nähe zum Krankenhaus Bethanien sei diese Situation keine neue. „Bei uns laufen öfters mal alte Leute vorbei, die irgendwann die Kräfte verlassen“, weiß er.

Dass Leon einem Menschen in Not geholfen hat, sei nicht das erste Mal gewesen. Im vergangenen Jahr habe er auf dem Schulweg einen Mann gesehen, der gestürzt war. Zwar seien bereits Helfer vor Ort gewesen, dennoch sei er hingegangen und habe sich erkundigt, ob er etwas tun könne.

Ein Mann ist einfach weitergegangen

Doch als die Dame Anfang April den Abhang hinunterfiel, war er ganz auf sich allein gestellt. „Ich dachte, wenn ich ihr nicht helfe, hilft ihr vielleicht keiner“, erklärt er. Eine Vermutung, die gar nicht abwegig erscheint, denn: Während er der Frau aufhalf und sie stützte, kam ein Mann vorbei, sah die beiden – und lief weiter. „Der ist einfach weitergegangen“, obwohl er die Situation erkannt haben müsste, stellt Leon Keller fassungslos fest. Dass er geholfen hat, sei für ihn selbstverständlich gewesen.

Die Ehrung habe ihn natürlich gefreut, aber: „Ich habe das nicht gemacht, weil ich geehrt werden will“, stellt er klar. Darüber habe er gar nicht nachgedacht. „Ich habe das gemacht, weil ich der Frau helfen wollte. Ich habe gedacht, wenn das meine Oma ist, würde ich mir wünschen, dass ihr geholfen wird.“

Im Notfall helfen

Wirkt eine Person orientierungslos, sollte man sie ansprechen und fragen, ob sie Hilfe braucht. „Kann sie eine klare Antwort geben? Achten Sie auch auf das Erscheinungsbild der Person. Wie ist sie gekleidet? Trägt sie dem Wetter entsprechende Kleidung?“, rät die Polizei. Habe man den Eindruck, dass etwas nicht stimmt, sollte der Notruf 110 gewählt werden. „Machen Sie deutlich, dass es sich um eine orientierungslose Person handelt.“ Die Polizei bittet, vor Ort zu bleiben, bis die Beamten dort eintreffen.

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