Ein Jahr später

Nach der Flut in Wuppertal: Noch immer sind einige Häuser unbewohnbar

Der Tag nach der Flutnacht: Noch immer stand das Wasser hoch im historischen Ortskern.
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Der Tag nach der Flutnacht: Noch immer stand das Wasser hoch im historischen Ortskern.

Caritas hilft den Bewohnern Beyenburgs – es fehlen dringend benötigte Baumaterialien.

Von Anne Palka

Wuppertal. Auch wenn die Häuser nah beieinander stehen, sind sie unterschiedlich stark vom Wasser beschädigt worden, sagt Andrea Hepp ein Jahr nach der schweren Überflutung Beyenburgs. Entsprechend unterschiedlich weit vorangeschritten ist auch die Sanierung. „Das ist ganz individuell. Genauso individuell versuchen wir, zu helfen“, sagt die Koordinatorin der Fluthilfe beim Caritasverband Wuppertal/Beyenburg.

In vielen Häusern werde die erste Etage bewohnt, während die Arbeiten im restlichen Haus weitergehen. „Es gibt aber auch Betroffene, die immer noch in Übergangswohnungen sind und bisher nicht zurückkehren konnten. Gerade für Menschen, die ihr ganzes Leben lang in Beyenburg gewohnt haben, ist das eine seelische Katastrophe.“

Ohne die Hilfe vieler Freiwilliger hätten die Beyenburger nicht so schnell an den Wiederaufbau denken können.

Bei manchen Häusern zögen sich die Arbeiten aus unterschiedlichen Gründen in die Länge, berichtet Andrea Hepp: Bei einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus müssen alle Balken ausgetauscht werden, bei anderen brauchen die Lehmwände Zeit, zu trocknen. Die Lieferzeiten beidringend benötigten Materialien sind lang. „Und das Handwerk arbeitet Hand in Hand. Wenn ein Gewerk nicht fertig ist, können andere nicht weitermachen.“ Bei einigen Gebäuden sei es durchaus realistisch, dass die Arbeiten noch Monate dauern werden, bis zum nächsten Sommer. Bis dahin will die Caritas weiter unterstützen, der Container am Untergraben wird jedoch voraussichtlich im Herbst abgebaut.

Stark getroffen hat es auch das Restaurant Landhaus Bilstein. Bis heute wird dort nur vor dem Haus gekocht.

Seit Beginn ist Anja Hütten in der Caritas-Fluthilfe aktiv. Am Tag nach dem Hochwasser wurde besprochen, wo Hilfe nötig ist. Zunächst war die Caritas in Solingen-Unterburg. „In Beyenburg haben viele Dinge funktioniert, die Menschen sind gut vernetzt und es kamen viele freiwillige Helfer. Eine Woche später sind wir auf Bitte der Stadt dann nach Beyenburg gekommen.“ Es gab einen Flut-Bus und Bänke am Schützenplatz. Dort konnten Betroffene und Helfer Getränke bekommen, sich hinsetzen und kurz ausruhen.

Das Wichtigste seien am Anfang Bescheinigungen gewesen, dass die Menschen vom Hochwasser betroffen sind, sagt Anja Hütten. „Für vergünstigte Einkäufe bei Supermärkten und Baumärkten, für die Versicherung und für den Arbeitgeber, um Sonderurlaub zu bekommen.“

Das THW Remscheid musste Treibgut abtransportieren, dass sich unter zwei Brücken verfangen hatte.

Es gab viele verschiedene Töpfe für finanzielle Hilfe, die ähnlich hießen, aber unterschiedliche Verfahren für die Anträge hatten. Über die Unterstützung dabei seien die Mitarbeiter der Caritas mit den Menschen ins Gespräch gekommen. „Sie haben uns viele psychosoziale Sorgen mitgeteilt. Eltern wollten vor ihren Kindern stark sein, obwohl ihnen nur zum Weinen war. Es gab Sorgen um Nachbarn und Verwandte“, erzählt Anja Hütten. Einige Betroffene haben seit der traumatisierenden Erfahrung Angst vor Wasser, Kinder wollten nicht beim Schwimmunterricht mitmachen, Erwachsene im Urlaub nicht mit den Füßen ins Meer.

Landhaus Bilstein

-lho/pal- Betreiberin Christiane Schneider kocht immer noch vor statt in ihrem Landhaus Bilstein. Ein Jahr nach der Flut haben immer noch Handwerker im Inneren zu tun. Derweil gibt es in einem Imbisswagen der Fluthilfe Remscheid Bratwurst, Pommes und mehr. Am Imbisswagen hängt ein Zettel, der die Gäste darauf hinweist, das Flut-Thema bitte nicht anzusprechen. „Das tut mir nicht gut“, sagt Christiane Schneider. „So können wir nicht damit abschließen. Wir müssen jetzt nach vorne gucken.“ Geöffnet ist donnerstags bis sonntags von 11.30 bis 21 Uhr.

Bergische Museumsbahnen

-lho- An einen Fahrbetrieb können die Mitglieder des Vereins Bergische Museumsbahnen in der Wuppertaler Kohlfurth noch nicht wieder denken. Zu stark war die Fahrzeughalle bei dem Hochwasser überschwemmt worden. Wenn alles gut läuft, könnten die ersten Bahnen jedoch im dritten Quartal des Jahres das Depot wieder verlassen. Genaue Termine dafür gibt es noch nicht. Geöffnet ist derzeit nur der Museumsshop, die Bücherstraßenbahn. Bis Oktober kann dort jeden Samstag in der Zeit von 11 bis 17 Uhr gestöbert werden.

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