Serie „Messiah“

Netflix-Plakat soll Geld für Sanierung bringen

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Für die Netflix-Serie „Messiah“ werben Plakate am Turm der Kirche am Kolk. Die Gemeinde nimmt damit Geld ein, das sie für die Sanierung des Turms braucht. 

WUPPERTAL An der Kirche am Kolk, deren Turmfassade erneuert wird, wirbt ein Poster für die Serie „Messiah“. Die Einnahmen werden gebraucht.

Von Katharina Rüth

Was wäre, wenn . . . Jesus heute auf die Welt käme? Dieses Gedankenspiel greift die Fernsehserie „Messiah“ des Streamingdienstes Netflix auf. Werbung dafür hängt jetzt an der Kirche am Kolk in Elberfeld: Seit einigen Tagen prangen zwei große Plakate zur Serie am Gerüst um den Turm. Die Miete dafür soll helfen, dessen Sanierung zu finanzieren. Sie könnte im März beginnen.

„Wir stehen schon seit längerem in Kontakt zu Plakat-Agenturen“, berichtet Pfarrer Andreas Bollengraben. „Denn das Gerüst kostet.“ Die Gemeinde will den Turm sanieren, da sein Mauerwerk starke Schäden aufweist. Das kostet viel Geld, aber alle sind sich einig, dass die stadtbildprägende Kirche erhalten werden soll. Zur Untersuchung der Schäden gab es Probebohrungen und Tests. Dann erstellte die Gemeinde ein Konzept für die Mammutaufgabe.

Gemeinde befand: Das kann man mal machen

Dann ging es ans Geldsammeln. Es gibt viele Spenden, bei Konzerten wird gesammelt, die Stadt hilft, es gibt Geld von Bund und Land, doch das Stellen der Anträge für Fördergelder ist kompliziert. „Es sind mindestens sechs Behörden beteiligt“, seufzt Bollengraben. Er hofft, dass die Arbeiten im März beginnen können.

Während der ganzen Zeit ist der Turm eingerüstet, denn es war günstiger, das Gerüst stehen zu lassen, als es für die verschiedenen Arbeitsschritte auf- und abzubauen. Doch auch dafür ist Miete fällig. Und deshalb will die Gemeinde jetzt mit dem Vermieten als Plakatwand die Kasse aufbessern. Immer wieder hätten die Agenturen abgewunken. „Die Morianstraße schien ihnen nicht interessant genug“, berichtet Bollengraben. Jetzt endlich habe sich eine Agentur mit dem Vorschlag für die Netflix-Serie gemeldet – das passe doch für eine Kirche. Die Gemeinde beriet darüber und befand, das könne man mal machen. Die beiden Plakate – eines Richtung Platz am Kolk, eines Richtung Schöne Gasse – weisen auf den Start der Serie hin.

1500 Euro verdient die Gemeinde damit pro Woche. „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, stellt der Pfarrer mit Bedauern fest. Sie hätten lieber ein Plakat, das länger hängt. „Aber wir sind über jeden Euro froh.“

Aldi warb schon am Münster, Huawei an der Gedächtniskirche

Andere Kirchen sind schon ähnlich vorgegangen. So zierte das Münster in Bonn ein großes Plakat des Discounters Aldi. Das gefiel so manchem nicht. Aber es hieß: „Wir brauchen die Werbeeinnahmen, um die Sanierung finanzieren zu können. Solange die Werbemotive wie vereinbart mit unseren Richtlinien übereinstimmen, ist das eine vertretbare Abwägung.“

SORGENKIND KIRCHEN

HISTORIE Die barocke Kirche am Kolk wurde 1752 eingeweiht, erhielt 1774 die Zwiebelturmhaube. 1943 brannte die Kirche aus, 1951 wurde sie wieder eingeweiht. 1973 schädigte sie eine Explosion in der Nachbarschaft schwer, 1974 gab es eine Brandstiftung. 1975 war die Kirche wieder hergestellt. Bei Vorbereitungen zur Sanierung der Turmhaube fand man 2016 schwere Schäden an den Turm-Mauern.

KIRCHENSANIERUNGEN Überall im Bergischen stehen Gemeinden vor enormen Sanierungsarbeiten, um Gotteshäuser zu erhalten – häufig sind Mauerschäden zu beheben. Fast überall ist dies nur mithilfe umfangreicher Spenden möglich. Einige Beispiele: In Solingen ist die Stadtkirche Ohligs einsturzgefährdet und soll bis Sommer 2020 gesichert werden. An der Solinger Lutherkirche sollen Mitte 2020 die Außenarbeiten abgeschlossen werden - dann geht es innen weiter. Die Sanierung der Dorper Kirche geht weiter, ebenso die der Merscheider Kirche für rund 127 000 Euro. In Remscheid hat im vergangenen Jahr die Sanierung der Kirche der Stiftung Tannenhof für 1,5 Millionen Euro begonnen. Gerade abgeschlossen sind die Arbeiten an der Lutherkirche und St. Suitbertus. In Radevormwald bittet aktuell die reformierte Gemeinde um Spenden – nach umfangreichen Sanierungsarbeiten am Gebäude ist die Instandsetzung des Glockengeläuts aus eigener Kraft nicht stemmbar.

Und den sechseckigen Turm der berühmten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin durfte das chinesische Unternehmen Huawei einhüllen, um für Handys zu werben – ebenfalls, um Geld für die Sanierung des Glockenturms einzunehmen. Pfarrer Bollengraben hat bisher noch keine Kritik gehört. Sondern sogar positive Kommentare, insbesondere zu der Beleuchtung nachts: „Das macht was her“, habe es zum Beispiel geheißen.

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