Polizei greift nicht ein

Nackter Reiter fühlt sich wie „Adam im Paradies“

Schon seit vier Jahren ist der Mann mit seiner Fuchsstute im Wald unterwegs. Häufig reitet er dieselbe Strecke im Bereich der Sengbachtalsperre. Foto: Uli Preuss
+
Schon seit vier Jahren ist der Mann mit seiner Fuchsstute im Wald unterwegs. Häufig reitet er dieselbe Strecke im Bereich der Sengbachtalsperre. 

SOLINGEN 28-Jähriger wird öfter mit Pferd im Wald gesichtet.

Von Stefan Prinz und Hans-Peter Meurer

Ein nackter Mann auf einem Pferd im Wald an der Talsperre sorgt derzeit für heftige Diskussionen: Als die Polizei von seinem jüngsten Ausritt erfuhr, suchten die Solinger Beamten auf Motorrädern in den Wupperbergen nach ihm, konnten ihn aber zunächst nicht finden. Inzwischen ist der ungewöhnliche Reiter ermittelt. Es handelt sich um einen 28-Jährigen.

Nach einem Gespräch mit dem Mann gibt die Polizei Entwarnung: „Wir sind davon überzeugt, dass er nicht aus sexueller Motivation handelt.“ Er wolle lediglich seine Liebe zur Natur ausleben. Der Mann versuche dabei, Spaziergängern aus dem Weg zu gehen, sagt der Polizeisprecher: „Er reitet bekleidet los und zieht sich erst im Wald aus. Er möchte niemanden erschrecken“, ist Polizeisprecher Stefan Weiand überzeugt.

Spaziergänger dürfen sich nicht belästigt fühlen

Die Polizei sieht deshalb derzeit keinen Grund, einzugreifen. Unter einer Bedingung: Spaziergänger dürften sich nicht belästigt fühlen. Sollten sich allerdings Waldbesucher vom Anblick des nackten Reiters ängstigen, will die Polizei erneut das Gespräch mit dem 28-Jährigen suchen und seine Nackt-Ausritte im Wald stoppen.

Für den Solinger Strafvertreteider Jochen Ohliger handelt es sich bei den ungewöhnlichen Ausritten um keine Straftat. Juristisch könne man diesen Fall höchstens als Ordnungswidrigkeit auslegen, ist der Jurist überzeugt. Offenbar sei es ein Mann, der intensiv Freikörperkultur im Grünen auslebe. Anders würde es sich verhalten, „wenn er während des Kindergottesdienstes nackt um die Kirche reitet“.

Ähnliche Vorfälle seien vor Gericht selten. Es liege Jahre zurück, dass er als Rechtsanwalt einen vergleichbaren Fall behandelt habe, so Ohliger.

Im Gespräch mit unserer Zeitung schilderte der NacktReiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, seine Beweggründe: Er reite nach eigenem Bekunden bereits seit vier Jahren bis zu drei Mal wöchentlich mit seiner 13-jährigen Fuchsstute, einem Großpferd, durch die Waldgebiete der Wupperberge zwischen Oberburg, Höhrath und Wermelskirchen, „Meist ist es aber stets dieselbe Strecke im Bereich der Sengbachtalsperre“, erklärt er gegenüber dem Tageblatt. „Ich benutze dabei meist vorgegebene Reitwege, aber auch normale Wanderwege.“

Bis zu vier Stunden dauere ein solcher Ausritt. Seine Bekleidung lege er aber erst nach einer Stunde ab, wenn er sein Zielgebiet erreicht habe. Das Wetter spiele dabei keine Rolle, nur allzu kühl und regnerisch dürfe es nicht sein. „Im Frühjahr, wenn die ersten wärmenden Sonnenstrahlen ihren Weg durch die Baumwipfel finden, starte ich die ersten Nackt-Ausritte des Jahres. Und mein Pferd ist dann eine angenehme Sitzheizung“, fügt er hinzu.

Reiten sei kein außergewöhnliches Hobby – Nackt-Reiten jedoch schon, räumt der 28-Jährige ein. Dass er die Hüllen beim Ausritt fallen lasse, habe keinen sexuellen Hintergrund, bekräftigt er. Vielmehr sei er bekennender Nudist und Naturist. Nackt-Reiten sei ein „großartiges Erlebnis, ein einmaliges Gefühl. Es hat etwas von Adam im Paradies. Ich spüre und empfinde die Natur viel direkter. Ich fühle mich dann total frei und in engster Harmonie mit meinem Pferd und der Natur.“ Für ihn sei das die Ausübung seines Sports im Bereich der Freikörperkultur.

„Ich grüße freundlich alle Spaziergänger. Und die meisten grüßen zurück.“
Nackt-Reiter

FREIKÖRPERKULTUR

DEFINITION Der Solinger Nackt-Reiter bezeichnet sich selbst als Nudist und Naturist. Diese Menschen leben Freikörperkultur (FKK) aus. Das bezeichnet die gemeinschaftliche Nacktheit, vielfach im Freien, aber auch in Gebäuden. 

ANGEBOTE Nackt-Reiten wird inzwischen europaweit in Nudisten-Ferien-Camps angeboten. Dort finden die Ausritte meist an Stränden statt, an denen Freikörperkultur erlaubt ist.

Probleme habe es bislang mit Spaziergängern und Wanderern nicht gegeben, betont der Mann. „Im Gegenteil. Ich grüße freundlich alle Spaziergänger, die mir entgegenkommen, Und die meisten grüßen auch freundlich zurück. Nur wenige wenden sich kommentarlos oder verschämt ab.“ Ärger oder Anfeindungen habe es bislang noch nicht gegeben, erklärt der Reiter.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Ein neuer Schnabel für Papagei Rio
Ein neuer Schnabel für Papagei Rio
Ein neuer Schnabel für Papagei Rio
Helios: Ab Montag keine Besuche mehr
Helios: Ab Montag keine Besuche mehr
Helios: Ab Montag keine Besuche mehr
Corona-Kirmes auf dem Carnaper Platz
Corona-Kirmes auf dem Carnaper Platz
Psychologe erklärt: Hamsterkäufe drücken Verunsicherung aus
Psychologe erklärt: Hamsterkäufe drücken Verunsicherung aus
Psychologe erklärt: Hamsterkäufe drücken Verunsicherung aus

Kommentare