Nackter Protest gegen Kommerz

Im Stadion am Zoo soll erstes „Nacktfußball-Länderspiel“ stattfinden

Gegen Körperkult und die Kommerzialisierung im Fußball richtet sich das Nackfußballspiel im Stadion am Zoo. Ein Protestfilm wird gedreht. Foto: Starczewski
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Gegen Körperkult und die Kommerzialisierung im Fußball richtet sich das Nackfußballspiel im Stadion am Zoo. Ein Protestfilm wird gedreht.

Wenn der Wuppertaler SV am kommenden Samstag zum Regionalliga-Auftakt Rot-Weiß Ahlen empfängt, beginnt für den Traditionsklub sozusagen der nackte Kampf ums Überleben in Deutschlands vierthöchster Spielklasse, was nicht nur sportlich vor allem finanziell gemeint ist.

Von Günter Hiege

Wuppertal. Sozusagen zum (blanken) Nabel der Fußballwelt wird das Stadion am Zoo dann einen Tag später, denn am 6. September (Anstoß 15.30 Uhr) soll dort das erste „Nacktionalmannschaftsspiel“ der Geschichte stattfinden.

Angekündigt wird eine Partie zwischen Deutschland und den Niederlanden, die ohne Zuschauer stattfinden wird. Organisiert hat die Kunst- und Protest-Aktion der Bochumer Künstler Gerrit Starczewski, der seit zehn Jahren mit Nackt-Projekten gegen den Körperkult in der Gesellschaft protestiert und mit dieser Aktion auch auf das Finanzgebaren im Profifußball hinweisen will. Das Spiel wird komplett aufgezeichnet und dürfte auch wieder überregional großes Interesse erzeugen. Ziel ist ein einzigartiger Kunstfilm. Mit sieben Kameras will Starczewski die Partie begleiten.

Ein auch international beachtetes Projekt

Neben dem Fußball-Magazin 11Freunde und dem WDR haben über ähnliche Nacktfußballspiele, die Starzewski bereits inszeniert hat, sogar die New York Post in den USA und die Daily Mail in England berichtet. „Die Bildzeitung hat abgelehnt, als sie gehört haben, dass keine Frauen – am besten mit den Maßen 90-60-90 – mitspielen“, sagt Starczewski. Das Thema Sexualität möchte er am liebsten ausklammern, auch wenn die Spieler nur Stutzen und Fußballschuhe zu einer auf den Rücken aufgemalten „Trikot“-Nummer tragen werden. „Wenn jemand das mit Voyeurismus verbindet, muss er sich vielleicht selbst hinterfragen“, sagt Starczewski, der aber auch solche Reaktionen spannend findet.

Auf das Stadion am Zoo, das der Weseler selbst vor 20 Jahren als klassischer Groundhopper schon einmal besucht hat, ist er durch Eins-Live-Radio-Moderator Klaus Fiehe gekommen, als er dem nach der jüngsten Partie in Erkenschwick – dem ersten Nacktfußballspiel seit vier Jahren – offenbart hatte, dass er gerne in diesem Jahr noch ein Spiel austragen würde. Starczewski: „Klaus Fiehe ist mit WSV-Vorstand Thomas Richter gut bekannt. Der hat sich dann bei der Stadt Wuppertal für mein Projekt eingesetzt.“

Es werden noch zwei, drei Mitspieler gesucht

Die stellt dem Independent-Filmer das Stadion zur Verfügung. „Die Stadt Wuppertal unterstützt diese Aktion, weil wir finden, dass das gut zu Wuppertal und zum Wuppertaler SV passt. Der Regionalligist kämpft finanziell ums Überleben, während in der 1. und 2. Liga die Kommerzialisierung überhandnimmt. Gerade jetzt in der Corona-Zeit kann der WSV nicht mit TV-Geldern fehlende Einnahmen kompensieren, wie es die Bundesligisten können“, sagt Sportamtsleiterin Alexandra Szlagowski. „Gefahrenreporter“ Daniel Danger von 1Live soll die Partie als Schiedsrichter leiten.

Der Film, der daraus entstehen soll, könnte, so hofft Starczewski, auf Filmfesten wie der Berlinale gezeigt werden. Das Netzwerk, dass er inzwischen durch seine Nacktfilmprojekte besitze, werde auf jeden Fall helfen, dass er auch international Beachtung finde. Für das Stadion am Zoo, die Stadt Wuppertal und vielleicht auch den WSV ein Werbeeffekt, auch wenn der Verein nicht direkt beteiligt ist. „Wenn sie wollen, können wir ja mit dem deutschen Team in WSV-Stutzen auflaufen“, sagt Starczewski. Die Niederländer, die er durch seine Projekte ebenfalls für dieses erste Länderspiel werben konnte, werden auf jeden Fall Oranje tragen.

Für das deutsche Team können sich laut Gerrit Starczewski gerne noch zwei, drei Mitspieler melden. Anfragen nimmt er per E-Mail entgegen: gerrit.starczewski@gmail.com

Regionalliga

Absage: Das Spiel Wegberg-Beeck gegen Rot-Weiß Oberhausen zum Regionalliga-Auftakt ist abgesagt und muss später nachgeholt werden. Grund ist laut RWO ein bestätigter Covid-19-Fall im Umfeld des Teams.

Zuschauer: Das WSV-Spiel gegen Ahlen wird voraussichtlich vor maximal 300 Zuschauern stattfinden, wie sie die bis Montag gültige Coronaschutzverordnung NRW erlaubt – es werden diejenigen sein, die ihre Dauerkarte bereits abgeholt hatten, bevor der WSV den Vorverkauf gestoppt hat. Sollte sich an der Verordnung kurzfristig noch etwas ändern, hat der WSV ein Schutzkonzept in der Schublade, nach dem bis zu 1020 Menschen im Stadion zuschauen dürften – wobei auch die persönlichen Daten erfasst werden müssten.

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