Urteil

Nackter Hintern bringt Prügel ein

Einer der Angeklagten erhielt eine Haftstrafe.
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Einer der Angeklagten erhielt eine Haftstrafe.

Wipperfürth/Radevormwald. Nach einem Fußballspiel in Wipperfürth kam es zur Schlägerei.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Dass bei Fußballfans die Emotionen manchmal hochkochen, ist bekannt. Auseinandersetzungen zwischen Anhängern verschiedener Clubs gibt es aber eher bei sogenannten Problemspielen, selten beim Freundschaftsspiel zweier Vereine, die nicht in einer Liga spielen.

So geschehen aber bei der Partie des SC 08 Radevormwald gegen den VfL Wipperfürth im August des Vorjahres. Zwei Spieler des SC 08 aus Radevormwald und Schwelm mussten sich jetzt wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsrichter in Wipperfürth verantworten.

Zunächst war es nach dem Spiel zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen den 27- und 25-jährigen Angeklagten und einer Gruppe Wipperfürther Zuschauer gekommen. Nachdem später einer der Wipperfürther der Radevormwalder Gruppe den nackten Hintern präsentiert hatte, als diese schon auf dem Heimweg waren, seien die Angeklagten umgekehrt und hätten eine Prügelei angezettelt. Ergebnis: mehrere gebrochene Nasenbeine und eine Schädelverletzung bei den Wipperfürthern. 

Die Anwälte der Angeklagten leugneten nicht die Auseinandersetzung, ihre Mandanten hätten sich aber entschuldigt. Man habe sich zuvor nie gesehen, scheinbar habe das Leverkusen-T-Shirt des 25-Jährigen für Spannung bei den Wipperfürthern gesorgt. „Wir wollten deeskalierend wirken, aber bevor das gegangen wäre, habe ich schon die Faust im Gesicht gehabt“, sagte der 27-Jährige.

Überwachungskameras haben Vorfall gefilmt

Am Vereinsheim in Wipperfürth waren Überwachungskameras angebracht, die den Vorfall mehr oder weniger detailreich gefilmt hatten. Während der Verhandlung wurden diese Bilder gezeigt. „Das ist keine Abwehrreaktion“, sagte anschließend der Richter zu dem 27-Jährigen, den man mit seinem weißen Oberteil gut identifizieren konnte.

Vier Wipperfürther, die allesamt Verletzungen davongetragen hatten, waren als Zeugen geladen – und konnten sich an den genauen Hergang nicht wirklich erinnern. Zwar war der Tenor, dass die Aggression von den Angeklagten ausgegangen sei. Wer konkret zugeschlagen habe, konnte aber auch keiner angeben.

Der Staatsanwalt zeigte sich in seinem Plädoyer von der Schuld der Angeklagten überzeugt. Er forderte für den bereits einschlägig vorbestraften 27-Jährigen ein Jahr Haft auf Bewährung, für den 25-Jährigen, der noch nicht vorbestraft war, lautete die Forderung sechs Monate Haft auf Bewährung.

Das sahen die beiden Rechtsanwälte anders: Geprägt sei die Situation vom Deeskalationswunsch der beiden Angeklagten. Der Anwalt des 27-Jährigen sagte, dass es „eine Riesenklopperei“ gegeben habe, in deren Verlauf sein Mandant eine „gewisse Wirkung“ habe erzielen können. „Ich beantrage eine milde Strafe“, sagte er, seine Kollegin beantragte eine Geldstrafe von unter 50 Tagessätzen.

Tatsächlich bekam er eine Geldstrafe, allerdings in Höhe von 80 Tagessätzen zu je 50 Euro. Der 27-Jährige wurde allerdings – vor allem wegen seiner einschlägigen Vorstrafen – zu sechs Monaten Haft auf Bewährung sowie jeweils 500 Euro Geldzahlung an jeden der vier Geschädigten verurteilt. „Das war keine Verteidigung oder Notwehr“, bekräftigte der Richter noch einmal.

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