Betrugsmasche

Mühsame Suche nach den falschen Polizisten

Dietmar Kneib ist Leiter der Wuppertaler Kriminalpolizei. Foto: Stefan Fries
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Dietmar Kneib ist Leiter der Wuppertaler Kriminalpolizei.

Der Wuppertaler Kripo-Chef Dietmar Kneib über die Täter hinter der Betrugsmasche.

Von Katharina Rüth

Wuppertal. Sie bringen vorwiegend ältere Menschen um viel Geld: Betrüger, die sich als Polizisten ausgeben, können am Telefon die Angerufenen mit psychologischen Geschick überzeugen, ihnen Geld und Wertsachen auszuhändigen. Diese glauben, dass sie ihre Wertsachen in die Hände der Polizei geben. In Wirklichkeit ist das Geld damit verloren. Wie die Polizei die Täter verfolgt, erklärt Dietmar Kneip, Leiter der Wuppertaler Kriminalpolizei, auch für Remscheid und Solingen zuständig.

Er erklärt: „Die Ursprünge liegen in Callcentern in der Türkei.“ Beim Enkeltrick früher hätten die Täter hauptsächlich aus Osteuropa gearbeitet, inzwischen habe sich die kriminelle Aktivität mit dieser Masche mehr und mehr Richtung Türkei und Arabien verschoben. „In den Callcentern sitzen Leute, die mal aus Deutschland abgeschoben wurden, sehr gut Deutsch sprechen und noch gute Kontakte nach Deutschland haben“, erklärt er. Denn die Täter arbeiteten in „richtigen Firmenkonstruktionen“, mit mehreren Hierarchie-Ebenen.

Während die Opfer von den Callcenter-Mitarbeitern aus dem Ausland angerufen werden, werden die Mittäter vor Ort wohl von Deutschland aus gesteuert. Die Boten, die das Geld abholen, wissen nicht viel, haben keinen Einblick in die Strukturen und erhielten nur einen kleinen Obolus für ihre Tätigkeit. „Es ist schwierig, über die Abholer an mehr Informationen zu kommen.“

Ansätze der Polizei seien zum Beispiel, wenn sie von mehreren Opfern hören, dass sich ein vermeintlicher Polizist mit einem bestimmten Namen vorstellt. „Wenn es immer wieder ein Kommissar Krause ist, dann gehören die Fälle wahrscheinlich zusammen“, so Kneib.

Oft falle ihnen auf, dass sich in einer bestimmten Region die Fälle häufen. „Die teilen offenbar die Gebiete auf, arbeiten dann das Telefonbuch ab“, so der Kripochef. Hinweis auf das Alter der Angerufenen biete der Vorname. Daher sein Tipp: Besser den Vornamen nicht ins Telefonbuch eintragen lassen oder den Eintrag ganz streichen lassen.

Bei einer Häufung von Fällen könnten sie einerseits die Bevölkerung vor der Betrugsmasche warnen, andererseits versuchen, den Tätern auf die Spur zu kommen. Das sei jedoch „ein mühsames Geschäft – das sind international organisierte Strukturen“. Mehrere Polizeibehörden arbeiteten zusammen, auch mit dem Landeskriminalamt. Kontakte ins Ausland werden über das Bundeskriminalamt organisiert.

Im Dezember wurde ein Callcenter in Izmir aufgelöst

Kneib freut sich, dass es inzwischen bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf eine Zentralstelle für Ermittlungen zur Organisierten Kriminalität gibt. Ansätze für Ermittlungen gebe es manchmal, wenn sie Abholer fassen. Doch diese kennen höchstens die nächsthöhere Ebene. In ihren Handys seien auch nur die Nummern dieser nächsthöheren Ebene zu finden. Und bei diesen Personen kämen die Ermittlungen oft nicht weiter. Auch die Rückverfolgung der Telefonanrufe bei den Anrufern gelinge nur selten. Manchmal könnten dann weitere Anrufe abgehört, Stimmen mit Stimmproben einer Datenbank verglichen werden. „Das ist kriminalistische Feinarbeit“, so Kneib.

Einen großen Erfolg hat es im vergangenen Dezember gegeben. Nach jahrelanger Arbeit der Ermittler in NRW und München führten im vergangenen Dezember dazu, dass die türkische Polizei zwei Callcenter in Izmir hochnehmen konnte. Mehrere Objekte wurden durchsucht, gefunden wurden 1,5 Millionen Euro und 200 000 Dollar, fünf Kilo Gold und hochwertige Uhren. Mehr als 30 Personen wurden festgenommen, Fahrzeuge und Immobilien beschlagnahmt.

„Das war ein Musterbeispiel, bei dem alle zusammengearbeitet haben“, erklärt Kneib. Das zeige, dass kriminalistische Arbeit, flexibel strukturiert, zum Ziel führt. Das brauche Personal, das auch über Abteilungs- und Behördengrenzen hinweg zusammenarbeitet. Das Ziel müsse sein, immer wieder die Strukturen zu zerstören. Solche Betrugstaten gebe es überall in Europa. Seine Erklärung: „Hier gibt es viele ältere Menschen, die wohlhabend sind.“ Und in Osteuropa, der Türkei und Arabien viele Menschen, die weniger Geld haben.

Verhaltenstipps

Menschen, bei denen ein Anruf der Betrüger ankommt, rät der Ermittler: „Gar nicht erst in ein Gespräch hineinziehen lassen, sondern einfach auflegen.“ Dann sofort unter 110 die Polizei anrufen. „Nur dann können wir erkennen, wo wieder eine Tatserie abläuft.“

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