Streit eskaliert

Mauer-Schäden: Wuppertal bereitet Klage gegen Baufirmen vor

Die Sicherheitsnetze vor der Natursteinmauer sind nur in der seitlichen Ansicht auffällig. Archivfoto: Stefan Fries
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Die Sicherheitsnetze vor der Natursteinmauer sind nur in der seitlichen Ansicht auffällig. (Archivfoto)

Streit eskaliert, weil die verantwortlichen Unternehmen laut Verwaltung keine Schuldzugeständnisse machen.

Von Daniel Neukirchen

Wuppertal. Jetzt macht Wuppertal ernst: Mit einer Klage will die Stadt von den zuständigen Baufirmen Schadenersatz einfordern. Rechtsanwälte würden diese aktuell vorbereiten, sagte Stadtsprecher Thomas Eiting. Lange hatte die Verwaltung bei der Frage um eine finanzielle Entschädigung für die fehlerhaft eingebaute Fassade der Döppersberg-Mauer auf eine außergerichtliche Einigung gehofft. Doch dazu wird es jetzt wohl nicht mehr kommen. Eiting sagt: „Eine Einigung scheint nicht mehr möglich. Jeder besteht auf seinem Standpunkt.“

Nach einem Gutachten steht für die Stadt fest, dass bei der Natursteinfassade „ungeeignetes Material nicht fachgerecht eingebaut wurde“. Die Verwaltung hat diesen Mangel sowohl bei der Baufirma als auch beim Planer angezeigt.

Die Arbeiten wurden von der Arge Wittfeld/MBN, dem Zusammenschluss zweier Baufirmen für das Projekt Döppersberg, ausgeführt. Unsere Zeitung hatte bereits im August 2019 von dem Naturstein-Experten Thomas Lange die Mauer untersuchen lassen, aus der sich schon damals Splitter lösten. Wasser dringe ein und sprenge den Stein, weil das Material falsch gesägt worden sei, sagte Lange. Damals berief sich die Stadt noch auf die Prüfung des TÜV Rheinland und stufte das Material als geeignet ein. Doch ein Gutachten brachte schnell den Sinneswandel.

Laut Thomas Eiting steht noch nicht fest, von welchem Schadensvolumen die Stadt in der Klage ausgehen wird. Klar ist: Es geht um Millionen von Euro. Damals ließ sich die Stadt die Natursteinfassade rund drei Millionen Euro kosten. Eine Demontage der Steine würde laut Verwaltung mit 1,2 Millionen Euro zu Buche schlagen. Weitere 20 000 Euro steckte die Stadt in das Mauer-Gutachten. Ein Anhaltspunkt: Im Juni 2020 antwortete die Verwaltung auf eine Große Anfrage der Wuppertaler Fraktion Die Linke, dass der komplette Rückbau der Mauer und der Neubau im laufenden Betrieb mit geeigneten Steinen sechs bis sieben Millionen Euro kosten würde.

Fangnetze für die Mauer kosteten 40 000 Euro

Noch mehr Kosten (40 000 Euro) verursachten die Sicherheitsnetze, mit der die Mauer seit Sommer 2020 abgesichert wird. Auf einer Gesamtfläche von rund 600 Quadratmetern sorgen diese dafür, dass die kleinen Steinfragmente, die regelmäßig aus der Wand bröckeln, keine Menschen treffen. Die optische Beeinträchtigung hält sich in Grenzen. „Die Netze sieht man doch fast gar nicht“, sagt Passantin Ina Martens (51). Und Ulf Becker (69) winkt lachend ab: „Sollen die einfach so lassen. So schön war diese Mauer ja vorher auch nicht.“

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