Gericht

Vorwurf: Import von 1000 Kilo Kokain geplant

Das Landgericht Duisburg verhandelt gegen die Mafia im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Düsseldorf. Foto: pm
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Das Landgericht Duisburg verhandelt gegen die Mafia im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Düsseldorf.
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Das Landgericht Duisburg vernahm heute im Düsseldorfer Hochsicherheitstrakt einen Kronzeugen aus Italien per Videozuschaltung.

Von Philipp Müller

Solingen. Seit Oktober 2020 verhandelt das Landgericht Duisburg bereits im Düsseldorfer Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Düsseldorf gegen 14 Angeklagte wegen Drogenhandels. Einer der Angeklagten stammt aus Solingen, und der wurde am Montag durch einen Kronzeugen aus Italien schwer belastet. So soll er im Januar 2015 durch den Zeugen unterrichtet worden sein, rund 1000 Kilogramm Kokain kämen aus Kolumbien in mehreren Containern nach Düsseldorf. Dort sollte der Solinger mit italienischen Wurzeln zusammen mit einem weiteren Angeklagten eine Firma als Zieladresse gründen. Das tat er auch.

Der Kronzeuge erklärte, der Solinger habe 2000 Euro im Monat dafür erhalten, die Firma zu betreuen. Und „wenn die Arbeit ankommt“, also ein Container entladen werden kann, dann sollte der Angeklagte 100.000 Euro Erfolgsprämie bekommen – und zwar für jeden Container. Doch in der Vernehmung durch den vorsitzenden Richter Dr. Jens Luge wurde deutlich, dass nie ein Container die Firma direkt erreichte. Es blieb beim Plan.

Der Kronzeuge war aus Italien von einem „unbekannten Ort“ per Video in den Hochsicherheitstrakt zugeschaltet. Der Zeuge selbst war nur von hinten zu sehen und wurde simultan übersetzt. Er zeichnete für die Zeit von Ende 2014 bis April 2015 ein Bild der ‘Ndrangheta, dass an eine unorganisierte Truppe und nicht an eine international agierende Bande erinnerte.

Misstrauen und Familienbande prägen ‘Ndrangheta

Und doch bekam man mit, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Der Italiener berichtete, dass für das an die Import- und Exportfirma in Düsseldorf zu liefernde Kokain rund 2 Millionen Euro als Anzahlung in Kolumbien geflossen waren. Er sei dazu selbst vor Ort gewesen. Geld sei nach Südamerika geschmuggelt worden, in dem es verschluckt wurde, andere Beträge gab es bar in Mailand und Rom. In Rom habe der Kokshandel floriert. Er sprach von Tageseinnahmen von bis zu 3 Millionen Euro.

Doch dem deutschen Arm wurde nicht vertraut. Der Solinger Geschäftsführer durfte nach Angaben des Kronzeugen nicht allein zur Bank gehen, er hatte immer einen Aufpasser dabei. Denn der Solinger sei selbst Koks-Nutzer gewesen. Dann kam auch noch Pech dazu. Mehrere „Arbeiten“ gingen schief, kurz: Die Polizei griff zu. Zudem wurde ein Container, der als Test ohne Drogen nach Düsseldorf geschickt worden war behördlich untersucht und die ‘Ndrangheta entschied, eine Reservefirma in den Niederlanden als Endstation auszuprobieren.

Rechtsanwalt Patrick Lauterbach vertritt den Solinger. Er war mit der Vernehmung, die fortgesetzt wird, nicht zufrieden. So zweifelte er an der Erzählung des Kronzeugen, das Kokain hätte in Kohle eingearbeitet, dann per Container verschifft und mittels Chemie und Mikrowellenherden im Keller einer Wohnung wieder extrahiert werden sollen.

Vorabmeldung von 15.08 Uhr

Mafia-Prozess: Solinger sollte den Import von einer Tonne Kokain unterstützen

Landgericht Duisburg vernahm heute im Düsseldorfer Hochsicherheitstrakt einen Kronzeugen aus Italien per Videozuschaltung.

Von Philipp Müller

Unter anderem Rechtsanwalt Patrick Lauterbach vertritt den Solinger Angeklagten im Mafia-Prozess. 

Solingen/ Düsseldorf. Seit Oktober verhandelt das Landgericht Duisburg bereits im Düsseldorfer Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Düsseldorf gegen 14 Angeklagte wegen Drogenhandels. Einer der Angeklagten stammt aus Solingen und der wurde heute durch einen Kronzeugen aus Italien schwer belastet. So soll er im Januar 2015 durch den Zeugen unterrichtet worden sein, rund 1000 Kilogramm Kokain kämen aus Kolumbien in mehreren Containern nach Düsseldorf. Dort sollte der Solinger mit italienischen Wurzeln zusammen mit einem weiteren Angeklagten eine Firma als Zieladresse gründen. Das tat er auch.

Der Kronzeuge erklärte, der Solinger habe 2000 Euro im Monat dafür erhalten, die Firma zu betreuen. Und „wenn die Arbeit ankommt“, also ein Container in der Landeshauptstadt entladen werden kann, dann sollte der in Ohligs verhaftete Solinger 100.000 Euro Erfolgsprämie bekommen – und zwar für jeden Container. Doch in der Vernehmung durch den vorsitzenden Richter Dr. Jens Luge wurde auch deutlich, dass nie ein Container die Firma direkt erreicht hatte.

Die Vernehmung des Kronzeugen wird fortgesetzt. Der Solinger wird außerdem wegen des Schmuggels von mehreren Kilogramm Kokain zu späterer Zeit beschuldigt.

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