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Litfaßsäulen sind nicht wegzudenken aus Wuppertal

Es gibt noch viel analogen Charme.
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Es gibt noch viel analogen Charme.

Wuppertal. 180 Stück der Werbesäulen stehen noch in der Stadt.

Von Bernhard Romanowski

Wenn früher von einem „Anschlag“ die Rede war, so war damit nicht immer gleich ein zerstörerischer Angriff mit womöglich fatalen Folgen gemeint. Oft ging es einfach nur um eine Bekanntmachung, die jemand irgendwo „angeschlagen“ hatte – etwa an einem Schwarzen Brett oder einer Mauer. Litfaßsäulen sind eigens dafür gebaut. Mit Plakaten bestückt sind sie sozusagen eine analoge Form von Online-Diensten wie Facebook und anderen, die heute gang und gäbe sind. Aber eine ausgestorbene Spezies sind die Litfaßsäulen deshalb noch längst nicht.

Die Ströer-Gruppe ist ein sogenannter Außenwerber mit Sitz in Köln. Er vermarktet und betreibt Webseiten sowie Werbeträger im Bereich der Außenwerbung vor allem im deutschsprachigen Raum. Ströer besitzt in Wuppertal rund 180 Litfaßsäulen, wie das Unternehmen mitteilt. „Werbung auf Litfaßsäulen ist vor allem für Kunden aus dem kulturellen Bereich und aus der Veranstaltungswerbung sowie für lokale Kunden von Interesse“, erläutert die Pressestelle der Firma. Der Tagespreis für ein Din-A1-Plakat auf einer Litfaßsäule liegt durchschnittlich bei 93 Cent. „Litfaßsäulen sind Netzmedien, das heißt, dass sie nicht einzeln buchbar sind.“

Liegen die Preise in Wuppertal möglicherweise über oder unter anderen Städten?, wollte die WZ wissen. „Nein“, so die knappe, aber auch klare Antwort des Werbeunternehmens. Und wie bedeutsam schätzt man bei Ströer diese Werbeform in immer digitaleren Zeiten ein? „Litfaßsäulen sind Kult. Der analoge Charme macht sie beliebt und glaubwürdig. Die bunte Vielfalt, meist ein Mix aus Kultur, Sport, Freizeit und Marken, bringt die nötige Aufmerksamkeit und macht sie für Kunden zu einem gefragten Kommunikationsmedium.“ Also wird Ströer diese Werbemittel weiter betreiben? „Ja, wir sind zufrieden. Auch die Veranstaltungs- und Kulturwerbung nimmt nach den Einschränkungen durch Lockdowns wieder zu. Eine Reduzierung des Bestands ist derzeit nicht geplant“, teilt Ströer mit.

Für Ralf Geisendörfer ein Dorn im Auge

Es gibt aber auch Zeitgenossen, denen die runden Werbeobjekte eher ein Dorn im Auge sind: Ralf Geisendörfer etwa, der seit vielen Jahren in Wuppertal lebt und sich für die Freien Wähler in der Stadtpolitik engagiert. Das ästhetische Empfinden des gebürtigen Würzburgers ist offenbar wieder gereizt: Nun entzündet sich sein Zorn an den Litfaßsäulen im Stadtgebiet. „Die sehen fürchterlich aus. Da hängen alte Plakate dran. Die braucht keiner mehr“, meint er. Lieber solle man den Platz für einen Baum zur Verfügung stellen, so der Stadtverordnete. Marion Meyer vom Von der Heydt-Museum setzt indessen weiterhin auf die werberische Strahlkraft der Litfaßsäulen, um die Angebote der Wuppertaler Bildungseinrichtung in Elberfeld anzupreisen.

„Das machen wir in Wuppertal sowie darüber hinaus etwa in Solingen und Remscheid – und das funktioniert überall gut.“ Gerade für kulturelle Angebote eigne sich dieses Werbemittel, sagt sie. „Das merke ich immer wieder an der Reaktion der Menschen auf unsere Plakate.“ Dass die Plakate auf einer Litfaßsäule starr sind und nicht abwechseln wie auf einer digitalen Werbetafel, sei ein Vorteil. Dass die digitale Werbung immer mehr zunimmt, ist freilich auch an Marion Meyer nicht vorbeigegangen. Meyer: „Die Litfaßsäulen stehen – noch – an jeder Ecke. Dort werden die Plakate dann auch von entsprechend vielen Leuten wahrgenommen.“

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