Naturdenkmal

Linde verursacht 200 000 Euro Mehrkosten

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Die Schnittform als Dachlinde macht den rund 120 Jahre alten Baum im Hof von Schloss Burg besonders schützenswert. 

Schloss Burg soll eine neue Heizungsanlage bekommen. Diesem Vorhaben steht ein Baum im Weg.

Von Stefan Prinz

Die alte Ölheizung auf Schloss Burg wird demnächst durch eine moderne Pellet-Heizung ersetzt. Architekten haben dazu einen Plan erstellt, den der Schlossbauverein unter technischen und finanziellen Aspekten als die bestmögliche Lösung bezeichnet. Demnach soll die Terrasse im Innenhof komplett unterkellert werden, erklärt Gregor Ahlmann vom Schlossbauverein. Dort sollte eigentlich ein Lager für Holzpellets eingebaut werden, mit denen die Heizungsanlage befeuert wird.

Eigentlich. Denn diese Lösung ist nun im Rathaus verworfen worden. Das Problem: Um das Pelletlager unter der Terrasse einzubauen, müsste eine gut 120-jährige Linde gefällt werden. Der Baum ist als Naturdenkmal ausgewiesen und damit besonders geschützt. Bereits auf alten Fotografien aus dem Jahr 1900 ist der junge Baum zu sehen. In den folgenden Jahrzehnten wurden seine Äste künstlich gebogen, so dass seine Blätter nun einen großen Sonnenschirm bilden.

SCHLOSS BURG UND DIE LINDE

SCHLOSS BURG Das Gebäude ist neben den Messern vielleicht das bekannteste Solinger Wahrzeichen. Die rekonstruierte Höhenburg war seit dem 12. Jahrhundert die Stammburg der Grafen und späteren Herzöge von Berg. 1887 waren von der ehemals großen Burganlage nur noch einige wenige Reste erhalten. Daraufhin gründete sich der Schlossbauverein, der sich dem Wiederaufbau verschrieben hat.

LINDE Bei den Germanen und den Slawen galt die Linde als heiliger Baum. Nach Kriegen gab es den Brauch, sogenannte Friedenslinden zu pflanzen. Die meisten erhaltenen Exemplare erinnern an den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Linden können ein Alter von bis zu 1000 Jahren erreichen. Der erreichbare Stammdurchmesser variiert von Art zu Art. Er liegt in der Regel zwischen 1 und 1,8 Meter.

Die genauen Kosten für den Bau der Pellet-Heizungsanlage stünden bisher noch nicht genau fest, sagt Gregor Ahlmann. Architekten haben allerdings ermittelt, dass die Verlagerung des Pelletlagers und die damit verbundenen Verlängerung der Heizleitungen etwa 200 000 Euro betragen werden. Dafür kann die alte Linde auf der Terrasse erhalten bleiben. Über die Lebenserwartung dieses Baumes gibt es derzeit keine konkreten Angaben. Gerüchte, die auch an den Schlossbauverein herangetragen wurden und nach denen der Baum nur noch eine Lebenserwartung von etwas mehr als zehn Jahren haben soll, konnten bislang aber nicht bestätigt werden.

Das sagt die Stadtverwaltung: Der Bau wird aus dem Gesamtfördertopf von Land und Bund für Schloss Burg finanziert, erklärt Stadtsprecher Thomas Kraft. „Und es wird keine Mehrausgaben geben. Die Fördersumme ist gedeckelt. Das, was an Mehrkosten durch die Linde entsteht, muss innerhalb des Gesamtprojektes wieder an anderer Stelle ausgeglichen werden.“ Der Schutz des Baumes liegt in der kulturhistorischen Bedeutung und in der Seltenheit des Baumes begründet (Schnittform als Dachlinde). Daher sei die Planung der Heizungsanlage so vorgesehen, dass der besonders geschützte Baum erhalten werden kann. Im Falle einer Beseitigung der Linde wären auch die Kosten für eine Fällung sowie für die notwendige Ersatzpflanzung zu berücksichtigen. Denn diese wäre verpflichtend, so Kraft.

„Positiv bewerten wir, dass das Projekt finanziell gedeckelt ist.“ 

Bärbel Hildebrand Steuerzahlerbund NRW

Das sagt der Bund der Steuerzahler NRW: Für den Bund der Steuerzahler stelle sich immer die Frage nach der Wirtschaftlichkeit „und nach der Nutzen-Kosten-Relation“. Wenn die Linde tatsächlich nahezu das Ende ihrer natürlichen Lebensdauer erreicht haben sollte und die Heizungsanlage am Standort der Linde wirtschaftlich am günstigsten errichtet werden könne, spreche finanziell alles dafür, den Baum nicht zu erhalten. „Uns ist klar, dass dies keine populäre Entscheidung wäre, und die Tatsache, dass die Linde ein Naturdenkmal ist, zeigt deutlich, wie wichtig ihr Erhalt ist“, erklärt Bärbel Hildebrand, Pressesprecherin des Steuerzahlerbundes NRW. „Positiv bewerten wir, dass das Projekt finanziell gedeckelt ist.“ Bleibe die Linde stehen und werde deshalb eine teurere Variante für die Heizungsanlage nötig, würden die Steuerzahler zumindest insgesamt nicht stärker zur Kasse gebeten.

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