Verkehrsversuch

Laurentiusplatz ist ab sofort autofrei

Uwe Schneidewind (l.) und Thomas Kring enthüllten am Samstag die Schilder für die neue Fußgängerzone in der Elberfelder City. Foto: Andreas Fischer
+
Uwe Schneidewind (l.) und Thomas Kring enthüllten am Samstag die Schilder für die neue Fußgängerzone in der Elberfelder City.

Abschnitt der Friedrich-Ebert-Straße darf für zunächst ein Jahr nicht mehr befahren werden

Von Manuel Praest

Wuppertal. Der Verkehrsversuch „Autofreier Laurentiusplatz“ ist gestartet: Oberbürgermeister Uwe Schneidewind (Grüne) und Bezirksbürgermeister Thomas Kring (SPD) haben am Samstagmittag die Schilder enthüllt. Damit ist ein gut 85 Meter langer Abschnitt der Friedrich-Ebert-Straße zwischen Laurentius- und Auer Schulstraße für Autos und Lastwagen gesperrt, der Laurentiusplatz wird durch die neue Fußgängerzone nun praktisch größer. Ausnahmen von dem Durchfahrverbot gibt es nur für den Lieferverkehr und Fahrradfahrer.

Der Test wird erst einmal ein Jahr lang laufen. Parallel wird es dazu eine Bürgerbeteiligung geben. Das erste Wochenende verlief aber noch nicht ganz nach Plan. Im Internet berichteten viele Wuppertaler, dass sich Autofahrer nicht an das Durchfahrverbot hielten – und forderten Kontrollen. Kurzerhand hatten Fußgänger selbst Autos an der Einfahrt gehindert.

Ein Piktogram wies bereits seit Ende vergangener Woche auf die Neuregelung an der Friedrich-Ebert-Straße hin, aber erst mit den Schildern trat sie am Samstag offiziell in Kraft. Verbunden mit der Sperrung des Straßenabschnitts ist auch eine Umkehrung von Einbahnstraßenregelungen rund um den Laurentiusplatz. Diese galt bereits seit Donnerstag. Es habe aber doch den ein oder anderen Autofahrer gegeben, der noch falsch abgebogen sei. Man hoffe, dass sich die neue Verkehrsführung schnell rumspreche, hieß es am Samstag. Das gelte auch für das Einfahrverbot in die Friedrich-Ebert-Straße.

„Es fühlt sich schon ein bisschen verrückt an.“

Oberbürgermeister Uwe Schneidewind

Schon kurz nach Ende des offiziellen Aktes am Samstag musste ein Autofahrer jedenfalls etwas vehementer darauf hingewiesen werden, dass auch für ihn jetzt die neuen Schilder gelten. So richtig begeistert schien er aber nicht – und ließ nach dem Abbiegen in die Laurentiusstraße noch einmal demonstrativ den Motor seines getunten Autos kräftig aufheulen.

Der Herr wirkte wie bestellt, hatten doch genau Fahrer wie er das Thema auf die politische Agenda gebracht. Gerade rund um den Laurentiusplatz gab es zuletzt ziemlich viel Missmut über die Poser. Die sind zwar schon lange unterwegs – das „Laurentius-Cruisen“, wie es einige ältere Anlieger vermutlich leicht romantisch verklärt beschreiben – sei bekannt, so Schneidewind. Mit den Posern von heute habe das nichts zu tun, hieß es von vielen Anwesenden am Samstag. Tenor: „Die brauchen wir hier nicht.“

„Der Platz hat auch mit Autos funktioniert.“

Hartmut Leetink, Boutique-Inhaber

Wie die neu gewonnene Fläche nun anders genutzt werden könnte, machte Ratsherr Ulrich T. Christen dann schon am Samstag klar – und lud spontan zu einer Partie Mikado ein. Auch viele Besucher des Luisenviertels holten sich die neuen Freiräume, aber auch die Fußgänger müssen sich umstellen. Ein älteres Paar mit Kind lief zum Beispiel auf der ehemaligen Fahrbahn, blieb aber skeptisch: „Das ist ja ganz schön, aber ob das wirklich was bringt?“ Andere, gerade die, die in den angrenzenden Cafés saßen, freuten sich dagegen über den neuen Ausblick – ohne Autos. „Ich finde das super“, sagte Wendy Gutt: „So richtig idyllisch.“ Jetzt hoffe sie, dass die neue Fläche auch bespielt werde.

„Es fühlt sich schon ein bisschen verrückt an“, blickte Schneidewind auf die freie Straße hinter sich. Die Umnutzung des öffentlichen Raums „ist einfach wichtig“, so der Oberbürgermeister. Die Stadt hatte mit der Neuregelung eine einstimmige Entscheidung der Bezirksvertretung Elberfeld umgesetzt. Der waren einige Diskussionen vorangegangen. Es gab unter anderem eine öffentliche Sprechstunde am Laurentiusplatz und eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer.

Zusammen mit der Sperrung des Straßenabschnitts wurden auch Einbahnstraßenregelungen im Elberfelder Luisenviertel geändert.

Während viele Bürger die Idee von Beginn an positiv sahen, hegen einige Händler immer noch Bedenken. Auch beim Voting der IHK gab es nur eine knappe Mehrheit für die Sperrung. Als Kompromiss hatten die Händler vorgeschlagen, die Durchfahrt für Autos nur nach 19 Uhr und an den Wochenenden zu verbieten. Die Politik sprach sich aber dagegen aus.

Nachvollziehen kann Hartmut Leetink, der seit Jahrzehnten eine Boutique im nicht-gesperrten Teil der Friedrich-Ebert-Straße betreibt, diese Entscheidung nicht. Die B 7-Sperrung habe den Geschäftsleuten schon wehgetan. „Und dann kam Corona.“ Leetink ist überzeugt: „Der Platz hat auch mit Autos funktioniert.“

Sowohl Schneidewind als auch Kring betonten mehrfach, dass es sich um einen Versuch handele. „Elberfeld hat Mut bewiesen“, sagte Kring. Es sei nichts zerredet worden, „sondern es wurde einfach mal gemacht. Ich hoffe, dass die neue Fläche gut genutzt wird“.

Er habe weitere Ideen, berichtete Kring. Mit der katholischen Citykirche soll zum Beispiel vereinbart werden, dass auf die Zufahrt vor die Laurentiuskirche ein Auge mehr geworfen wird – damit diejenigen, die die Sperrung umfahren, sich keine Alternative suchen können. Auch entwickelten bereits am Samstag Anwesende und Soziale Netzwerke weiterführende Ideen. Dass der Fahrradverkehr in der Einbahnstraße zwar erlaubt sei, aber nur in einer Richtung, wurde ebenso zur Diskussion gestellt, wie der Wunsch, dass Stadt und Polizei die Neuregelung konsequent überwachen.

Bürgerbeteiligung

Im November startet die Bürgerbeteiligung unter dem Motto „Los geht’s“ mit einer Veranstaltung auf dem Laurentiusplatz. Zwei Befragungen im Januar und im Juni sollen die Erfahrungen mit der neuen Regelung klären. Die Ergebnisse werden online veröffentlicht. Am Ende des Probe-Jahres stehen eine Abschlussveranstaltung und schließlich der Beschluss der Bezirksvertretung, ob der Verkehrsversuch beendet oder in eine dauerhafte Regelung umgewandelt wird.

www.wuppertal.de/laurentiusplatz

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Schloss Lüntenbeck erstrahlt in neuem Licht
Schloss Lüntenbeck erstrahlt in neuem Licht
Schloss Lüntenbeck erstrahlt in neuem Licht
Keine Impfstoffproduktion mehr in Wuppertal
Keine Impfstoffproduktion mehr in Wuppertal
Keine Impfstoffproduktion mehr in Wuppertal

Kommentare