Landwirte sehen sich als Buhmänner

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Auch der Flächendruck wird immer mehr zum Problem. Symbolfoto: dpa

Dürre und Konkurrenz lassen Höfe sterben.

Von Alexandra Rüttgen

Mettmann. Das Getreide wurde bereits Ende Juni eingebracht, früher als sonst. Aktuell werden auf den Feldern in der Region Kartoffeln und Mais geerntet – die Landwirte rechnen mit einer „miesen Ernte“.

Überhaupt: Der Frust sitzt tief. Zur Ernte-Pressekonferenz hatte die Kreisbauernschaft nach Wülfrath geladen. Doch Thema waren nicht allein die Feldfrüchte und ihre Vermarktung: Der Termin bot den Anwesenden auch Gelegenheit, ihrem Ärger Luft zu machen. „Es wird auf den Landwirt von allen Seiten eingedroschen. Er wird als Buhmann dargestellt“ – so empfindet es Josef Aschenbroich dar. Der Langenfelder Landwirt ist Vize-Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann. Er ist erster Ansprechpartner, wenn ein Berufskollege in existenzielle Nöte gerät. Und das ist immer häufiger der Fall: Heute sind es vier bis fünf Prozent jährlich. Bei Milchviehbetrieben sind es sogar bis zu zehn Prozent.

Bauern sehen sich weltweiter Konkurrenz ausgeliefert

Zwei Stunden Pressegespräch reichten da gerade mal aus, um die wichtigsten Punkte zu streifen – eine seit zwei Jahren andauernde Dürre, die Diskussion um Glyphosat, zunehmende Reglementierungen wie durch die Düngemittelverordnung, der über Natur- und Tierschützer wachsende Rechtfertigungsdruck und eine Marktlage, in der sich der lokal, höchstens regional agierende Bauer weltweiter Konkurrenz ausgeliefert sieht.

Neu hinzu kommt nun der Flächendruck: Die laufende Änderung des Regionalplans, der zufolge zusätzliche Wohnflächen rund um Düsseldorf erschlossen werden sollen, betrifft auch die Landwirte. Die Eigentümer von Flächen erzielen höhere Rendite, wenn sie ihren Grund und Boden als Wohnbau- oder Erwartungsland verkaufen, statt sie an Landwirte zu verpachten. Auch Ausgleichsflächen gehen für die Bauern verloren.

„Geht der Flächenverbrauch, wie er sich in den letzten 26 Jahren im Kreis Mettmann darstellt, so weiter, gibt es ab 2080 keine landwirtschaftlichen Flächen mehr“, gibt der Wülfrather Kreislandwirt Bernd Kneer zu bedenken. Längst machen seine erwachsenen Kinder daher bei der Protestaktion „Grüne Kreuze“ mit. Mit grünen Holzkreuzen auf den Feldern setzen sie ein Zeichen gegen das Höfesterben. Wer da durchhalten will, muss Ideen entwickeln, wie regionale Vermarktung.

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