Ehrung

Land ehrt den Pionier der Notfallseelsorge

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Er bringt Jugendliche zum Nachdenken und steht Menschen in den schwierigsten Situationen bei. Dafür zeichnete Innenminister Herbert Reul nun Michael Clauß aus. 

WUPPERTAL Michael Clauß hat 1995 die Notfallseelsorge mit aufgebaut. Er hilft Polizei und Schulen.

Von Tanja Heil

Die Unfallzahlen sind deutlich gesunken: 2018 starben in NRW nur noch halb so viele Menschen zwischen 18 und 24 Jahren an den Folgen eines Verkehrsunfalls wie 2007. Ein Grund dafür dürfte das Programm „Crash Kurs NRW“ sein: Polizisten, Sanitäter und Seelsorger sowie Angehörige und Opfer von Verkehrsunfällen berichten in Schulen sehr persönlich von einer Unfallsituation.

Michael Clauß, Berufsschulpfarrer und Notfallseelsorger aus Wuppertal, hat sich von Anfang an stark in dem Projekt engagiert. „Die Schüler sind erst sehr cool, dann werden sie ganz ruhig. Oft müssen auch einzelne Schüler rausgehen, weil sie an etwas erinnert werden“, sagt der 65-Jährige. Die Beteiligten erzählen nicht nur sehr emotional, was die Folgen solcher Unfälle für sie bedeuten, sondern es werden auch Fotos oder Filme von Unfällen gezeigt. Das soll die jungen Erwachsenen davon abhalten, unter Alkohol oder Drogeneinfluss Auto zu fahren.

Manchmal fährt der Seelsorger auch im Streifenwagen mit

CRASH KURS NRW

KURS Der Crash Kurs NRW richtet sich an Schüler ab Klasse 10 in allen Schulen und Berufskollegs. Dabei wird den Schülern vermittelt, dass Verkehrsunfälle nicht einfach passieren, sondern verursacht werden, weil von Verkehrsteilnehmenden Regeln missachtet wurden. Damit sind sie vermeidbar. Eindringlich erleben die Schüler, dass sie selbst für ihre Sicherheit verantwortlich sind. Mit dem Kurs werden die jungen Menschen sehr emotional angesprochen.

ANMELDUNG Kontakt für Schulen: crashkurs@polizei.nrw.de.

Michael Clauß hat viel Erfahrung mit solchen Situationen. Er hat 1995 die Notfallseelsorge in Wuppertal mit aufgebaut und betreut außerdem Polizisten als Seelsorger. Die Notdienstleiterin der Feuerwehr hatte damals die Notfallseelsorge angeregt. Rund 40 ausgebildete Experten übernehmen jetzt meist im wöchentlichen Wechsel den Dienst. „Es gibt Wochen, da bekommt man gar keinen Anruf, dann wieder hat man sieben“, berichtet Michael Clauß. Oft sind es Fälle, wenn ein Mensch relativ plötzlich zu Hause gestorben ist. Dann setzt sich der Pfarrer zu den Angehörigen, hört ihnen zu, spricht mit ihnen, überlegt, wer aus dem sozialen Netz zu Hilfe kommen könnte. „Das ist ganz simpel, aber auch ganz schwer“, sagt Michael Clauß.

Sehr viele Todesnachrichten musste er in seinem Leben auch schon überbringen, wenn Angehörige bei Unfällen ums Leben kamen. „Besonders schwer ist das, wenn es Kinder oder Jugendliche betrifft“, sagt der Vater von vier erwachsenen Kindern. In der ersten Januarwoche versieht er wieder die Notfallseelsorge. Da er während der Schulzeit vormittags gebunden ist, kann er diese Dienste nur in den Ferien übernehmen.

Ehrenamtlich kümmert er sich zusätzlich um Polizisten. Wenn der Nachwuchs bei der Polizei anfängt, fährt der Pfarrer im Streifenwagen mit, damit die Neuen ihn kennenlernen. Wenn sie dann Situationen erleben, die sie nicht loslassen, wissen die Polizisten, wen sie anrufen können. „Oft ist das bei Schusswaffengebrauch der Fall. Aber auch kleine Sachen können belastend sein“, weiß Clauß. „Gerade junge Menschen werden immer aggressiver.“

Für sein ehrenamtliches Engagement im Rahmen von Crash Kurs NRW wurde Michael Clauß jetzt im Innenministerium mit dem Ehrenamtstaler und einer Urkunde ausgezeichnet. „Mit Ihrem Engagement helfen Sie Menschen nicht nur, Sie retten Leben. Das ist gar nicht hoch genug zu würdigen“, sagte Innenminister Herbert Reul.

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