Handel

Kunden sorgen für Umsatz – mit D-Mark

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Die Modekette C&A akzeptiert wieder D-Mark als Zahlungsmittel – mit großem Erfolg. 

DÜSSELDORF Mehr als 12 Milliarden Mark gibt es noch in deutschen Haushalten. C&A macht sich das zunutze – auch in Düsseldorf.

Von Nadine Diab-Heinz

Es wird ein wenig nostalgisch und ein Hauch von Wehmut liegt in der Luft. Hach, das waren noch Zeiten, als die gute, alte Mark die Währung in Deutschland war. Ein kleiner Rückblick: Ein Kaffee kostete rund 1,40 DM, eine Pizza Margherita einen Heiermann (5 DM) und die Tüte Gummibärchen 1,30 DM. Benzin oder gar Zigaretten und Kaffee werden an dieser Stelle ausgespart, wir wollen das Herz ja nicht ganz weh stimmen.

Oma und Opa haben es immer schon gesagt und zeit ihres Lebens wie ein Mantra wiederholt: „Früher war eh alles besser.“ Ob das nun so ist, das kann jeder selbst entscheiden. Fakt ist jedoch: Es gibt unter den Deutschen anscheinend noch viele Nostalgiker, zumindest wenn man nach den Zahlen der Bundesbank geht.

Ende Oktober waren noch 12,6 Milliarden DM in Umlauf. 5,9 Milliarden machen davon die Banknoten aus und circa 6,7 Milliarden die Münzen. Sie allein haben wohl schon ein Gewicht von 87 000 Tonnen. Die gute Mark hat nun mal Gewicht.

Dass sich daraus nicht nur eine findige PR-Aktion, sondern auch ein gutes, gewichtiges Geschäft machen lässt, beweist die Modekette C&A (von Oma und Opa immer Brenninkmeijer genannt). Denn sie akzeptiert wieder D-Mark als Zahlungsmittel. So auch in den Filialen an der Schadowstraße und an der Friedrichstraße (Düsseldorf Arcaden).

70 000 Mark Umsatz an einem Samstag

Wie das funktioniert? Die Kassen sind an D-Mark angepasst, der Wechselkurs wird umgerechnet, das Rückgeld ist Euro. Bundesweit nehme C&A derzeit täglich rund 30 000 bis 50 000 D-Mark ein, verrät Unternehmenssprecher Thorsten Rolfes. An einem Samstag seien es sogar einmal 70 000 Mark gewesen. Das Unternehmen bietet die Aktion bereits seit 2003 immer wieder an. Mit großem Erfolg. Rolfes Fazit: „Wir bekommen ein sehr positives Feedback von den Kunden und die Gespräche mit ihnen sorgen bei allen für gute Stimmung.“

Und das nicht nur bei C&A, sondern auch bei der Bundesbank, wie Uwe Deichert von der Düsseldorfer Niederlassung an der Berliner Allee berichtet. Denn viele Kunden bringen nicht nur ihre alten Markstücke und Banknoten vorbei, sondern haben Geschichten dazu. Und einige davon hat Uwe Deichert uns verraten. Hier sind die Lieblinge der Redaktion:

Als Oma und Opa eines Kunden gestorben waren, wunderten sich die Hinterbliebenen darüber, dass der Arzneischrank vollgestopft war mit Tabletten-Röhrchen. Als sie beim Ausräumen zufällig ein Röhrchen öffneten, stellten sie fest, dass sich in allen fein säuberlich eingerollt Banknoten befanden.

Bei einer anderen Haushaltsauflösung einer verstorbenen Dame wunderte sich deren Tochter beim Abnehmen der Vorhänge, wie seltsam sich eine der Stoffbahnen anfühlte. Eine Überprüfung ergab, dass in den ganzen Vorhang von oben bis unten 1000-DM-Scheine eingenäht waren.

Und dann gab es noch diese Geschichte: Enkelin räumt Wohnung der verstorbenen Großmutter aus. Dabei wirft sie die verwelkten Geranien einschließlich Übertopf weg und nimmt nur die guten mit nach Hause. Einige Wochen später topft sie die mitgenommenen Geranien um und bemerkt dabei, dass in jedem Topf zuunterst ein 100-DM-Schein in Plastik eingepackt liegt. Die nun nicht mehr zu beantwortende Frage: War dies auch bei den zuvor entsorgten Töpfen so?

BUNDESBANK

D-MARK Was passiert bei der Bundesbank eigentlich mit unserer guten, alten Mark? Kommt sie gar in einen Schrein? Leider nein, sagt Uwe Deichert. Die Banknoten werden nach der Prüfung geschreddert und teils zu handlichen Briketts gepresst. Anschließend wird das Schreddermaterial aufbereitet und in die Herstellung einfacherer Papierqualitäten eingebracht oder es wird „thermisch verwertet“, beispielsweise als Ersatzbrennstoff in der Zementindustrie. Die Münzen werden entwertet, eingeschmolzen und einer Marktverwertung zugeführt.

Es gibt zahlreiche solcher Anekdoten. „In Nordrhein-Westfalen kommen im Durchschnitt rund 120 Kunden pro Tag zum DM-Tausch in eine der sieben Filialen. In den großen Filialen Düsseldorf und Köln sind es täglich mehr als 30 Kunden“, sagt Uwe Deichert von der Bundesbank.

Sollten Sie jetzt auf die Idee kommen, heute mit einem prall gefüllten Portemonnaie voller Mark überall in der Landeshauptstadt einkaufen zu wollen, müssen wir Sie jedoch enttäuschen. Denn grundsätzlich spielt die Mark in den hiesigen Geschäften keine Rolle (mehr). „Uns ist nichts bekannt. Die D-Mark ist für den Handel nicht relevant“, sagt Carina Peretzke, Referentin beim Handelsverband NRW. Das bekräftigt auch Peter Franzen vom Familienunternehmen Franzen an der Königsallee: „Bei uns kann man nicht mit Mark zahlen. Das Thema ist durch. Die Mark ist keine aktuelle Währung mehr. Wer will, der kann zur Bundesbank gehen.“

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