Ausstellung

Künstlerin Oksana Tytenko: „Der Krieg endet, Kunst ist ewig“

Künstlerin Oksana Tytenko kam aus der Ukraine nach Wuppertal.
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Künstlerin Oksana Tytenko kam aus der Ukraine nach Wuppertal.

Wuppertal. Oksana Tytenko floh aus der Ukraine nach Wuppertal, dort nimmt sie nun an einer Ausstellung teil.

Von Monika Werner-Staude

Auf einen Stil festlegen möchte sie sich nicht. Wer ihre Bilder anschaut, erkennt die geschulte Hand und die Freude am Malen und Zeichnen. Entdeckt Tradition und Moderne, Figuratives, Dekoratives, wenig Abstraktes, Anklänge an Impressionismus und Expressionismus, Farbe, auch grafische Elemente. Oksana Tytenko, 37-jährige Künstlerin aus Kiew, mit Mutter und Tochter ist sie vor dem Krieg in der Heimat geflohen. Seit dem 10. März leben die drei in Wuppertal. Nun nimmt die Ukrainerin am Projekt „OAA #8 – Vom Sein und von dem, was sein könnte“ teil. Eine gemeinsame Ausstellung wird am 10. September bei „Art Fam 7“ in der Wuppertaler Rathaus-Galerie eröffnet.

Die Künstlerin wuchs in einem Künstlerhaushalt in Kiew auf. Ihre Eltern, vor allem der Großvater, seien bekannte Künstler, erzählt sie. Mit 20 Jahren entschied sie sich, aus dem Spaß am Malen einen Beruf zu machen, sich ausbilden zu lassen. Sie studierte Kunst, schloss 2009 mit dem Master an der National Academy of Fine Arts and Architecture ab. Sie arbeitete als freie Künstlerin, bestritt viele Ausstellungen, war in der Lehre tätig. Ein ganz normales Leben, zu dem auch ihr Mann, der Musiker ist, und die kleine Tochter gehören.

Der Krieg veränderte alles: Das sei sehr gefährlich gewesen, erzählt sie. Die Sorge um ihr Kind wuchs täglich. Schutz vor der russischen Armee, die sie am Himmel sahen und die sie hörten, wurde im Keller des kleinen Hauses gesucht. Wenige Tage nach Kriegsbeginn war es so weit. Die Information über anrückende Soldaten führte am 1. März zur spontanen Flucht der Familie. Eine anstrengende Reise begann, die Familie fuhr mit dem Auto bis Lwiw. Von dort kehrten Mann und Vater wieder zurück, um den Widerstand der Ukraine zu unterstützen, Notleidenden zu helfen. Während die Frauen den Bus nach Warschau bestiegen. Der Kontakt ist seither auf das Smartphone beschränkt, die Tochter wolle immer mit dem Papa sprechen, sagt Oksana und bricht ab. Wie unerträglich das alles für sie ist, lässt sich nur erahnen.

Dass die Flucht nach weiteren Stationen in Berlin und Dortmund schließlich am 10. März in Wuppertal endete, hat einen einfachen Grund: Ihr Onkel lebt hier. Dennoch sucht die Ukrainerin eine Wohnung für sich, ihre 60-jährige Mutter und die zweieinhalbjährige Tochter. Außerdem lernt sie intensiv Deutsch. Und absolviert eine Vielzahl an Behördengängen. Sie will natürlich als Künstlerin arbeiten, vielleicht auch wieder junge Menschen unterrichten.

„Ich suche immer nach Neuem, will mich nicht wiederholen, sondern in Bewegung bleiben.“

Oksana Tytenko

Über einen Zeitungsartikel erfuhr die Künstlerin vom Out and about Projekt #8, für das Frank N ukrainische Künstler suchte. Zwar funktionierte die ursprüngliche Idee einer Beteiligung am Solar Decathlon nicht, aber die Ukrainerin und der Deutsche kamen dennoch zusammen. Ihr erstes Treffen fand in der Ausstellung „Von draußen nach drinnen“ statt, die OAA zum Jubiläum des Geldinstituts in dessen Glashalle am Johannisberg gestaltete. „So konnte ich ihr direkt zeigen, was wir machen“, sagt Frank N. Oksana Tytenko war beeindruckt von den vielen verschiedenen Kunstwerken und der Idee von OAA, in der Pandemie die Kunst zu den Menschen zu bringen.

Mittlerweile ist eine weitere Künstlerin aus der Ukraine, Irina Sinkevych, hinzugekommen, so dass das aktuelle Projekt von fünf Kunstschaffenden (Frank, Birgit Pardun, Georg Janthur, Oksana Tytenko und Irina Sinkevych) getragen wird. Sie alle setzen sich mit dem Thema „Vom Sein und von dem, was sein könnte“ auseinander. Was nahe liegender Weise mit dem Krieg zu tun haben kann, aber nicht muss. Die Ukrainerin jedenfalls hat bereits die ersten Skizzen gefertigt, sucht jetzt nach der passenden Form.

Dabei wird sicherlich Farbe wichtig sein, durch die sie als Ukrainerin schließlich fühlt, und die Prägung der ukrainischen Ausbildung mit ihren Vorbildern Mihaylo Boychuk, Oleksandr Muraschko, Fedir Krychevski und Maria Primachenko. Ihr Beitrag müsse aber kein Bild sein, er könne auch eine interaktive Installation sein: „Ich suche immer nach Neuem, will mich nicht wiederholen, sondern in Bewegung bleiben“, sagt sie.

Vor kurzem hat sie gemeinsam mit Frank N und Christian Ischebeck von „Art Fam 7“ Malutensilien gekauft, nächste Woche wollen sie in der Galerie in der Rathaus-Galerie vorbeischauen. Dort könnte sie auch arbeiten, im Moment malt sie am Tisch oder draußen.

Sie fühlt sich in Wuppertal wohl, vor allem weil hier die Sirenen nicht andauernd heulen, sie in Sicherheit ist. Die Landschaft mit Hügeln, Tal und Fluss gefällt ihr, erinnert sie ab und an die Ukraine. Denkt sie an Rückkehr? Die sei erst möglich, wenn der Krieg zu Ende sei. Derzeit aber sei man nirgendwo in der Ukraine völlig sicher. Eine Freundin, die in Berlin untergekommen sei und sich nicht wohlfühlte, plante die Rückkehr, als zu Hause Bomben fielen. Aber, das weiß Tytenko auch: „Der Krieg endet, Kunst ist ewig.“

Ausstellung

Out and about entstand im März 2020 als Reaktion auf den Lockdown in der Pandemie. Initiatoren waren Birgit Pardun und Frank N. „OAA #8 Vom Sein und von dem, was sein könnte“ gibt es nun ab 10. September. Zur Vernissage in der Galerie in der Rathaus-Galerie, Klotzbahn 5, gibt es eine Einführung von Bodo Bergheide und ein Musikprogramm mit der ukrainischen Akkordeonspielerin Tetiana Muchychka. Die Ausstellung dauert bis zum 8. Oktober. Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, jeweils 16 bis 19 Uhr.

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