Sleep-Stop-Bänke

Künstlerin gibt Obdachlosen eine Stimme

Künstlerin Carmen Meiswinkel auf einer der Bänke, auf denen kleine Metallspitzen ein Hinlegen verhindern: Diese Bänke müssten unbedingt komplett aus dem Stadtbild verschwinden, findet sie.
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Künstlerin Carmen Meiswinkel auf einer der Bänke, auf denen kleine Metallspitzen ein Hinlegen verhindern: Diese Bänke müssten unbedingt komplett aus dem Stadtbild verschwinden, findet sie.

Wuppertal. Carmen Meiswinkel protestiert gegen Wuppertaler Bänke, die ein Hinlegen unmöglich machen.

Von Maike Kotthaus

Der Stift fliegt über das Zeichenpapier. Langsam nimmt das Gesicht einer Person auf dem Papier Gestalt an. Carmen Meiswinkel sitzt auf dem Boden, während sie die Gesichtsformen des Mannes aufs Papier bringt, der vor ihr auf einem Stuhl Platz genommen hat.

Mit einer Aktion machte die katholische Citykirche Wuppertal auf die Problematik der sogenannten „Sleep-Stop-Bänke“ aufmerksam. Von 12 bis 14 Uhr fertigte die Wuppertaler Künstlerin Carmen Meiswinkel auf dem Von-der-Heydt-Platz live Portraits an, um so auf die Diskriminierung aufmerksam zu machen, die mit den „Sleep-Stops“ einhergeht.

„Beim Zeichnen entstehen besondere Momente der Begegnung auf Augenhöhe.“

Carmen Meiswinkel, Künstlerin

Gemeint sind mit den „Sleep-Stop-Bänken“ jene, die an den Kopflehnen Knubbel aufweisen, so dass Menschen ohne Obdach diese nicht zum Schlafen nutzen können. Schon vor einigen Jahren seien diese Bänke in Barmen aufgetaucht, nun habe jemand sie auch in Elberfeld aufgestellt, erzählt der Pastoralreferent der Katholischen Citykirche, Werner Kleine. „Die Botschaft, die dadurch vermittelt wird, ist ziemlich eindeutig: Obdachlose sind hier nicht willkommen. Durch die Aktion soll den Menschen, die in entwürdigen Verhältnissen leben, wieder Würde gegeben werden.“

Um einen „Bewusstseinswandel in der Bevölkerung anzustoßen“ und auf die Problematik der „Sleep-Stops“ hinzuweisen, sei die Idee entstanden, eine Kampagne mit Carmen Meiswinkel zu starten, so Kleine.

Künstlerin porträtiert seit über zehn Jahren Obdachlose

Beide Parteien hätten gemerkt, dass sie die gleiche Intention verfolgen, nämlich Wuppertal wieder zu einem Ort zu machen, an dem sich „alle Menschen respektiert und akzeptiert“ fühlen, so Carmen Meiswinkel. „Den Menschen anzusehen, gibt ihm Ansehen. Wir hoffen, mit unserem Projekt einen kleinen Teil dazu beitragen zu können.“

Die Künstlerin porträtiert seit rund zwölf Jahren Obdachlose auf Holzdrucken, beschäftigt sich in ihren Werken mit den Themen Gerechtigkeit, Menschenrechte und Ausgrenzung. „Die Menschen reagieren natürlich immer unterschiedlich, wenn ich sie frage, ob ich sie zeichnen darf. Aber oftmals sind dabei sehr besondere Momente der Begegnung auf Augenhöhe entstanden.“ Natürlich sei es auch ein Portrait der Gesellschaft, dass sie da oftmals abbilde. Auf einer der Holzgrafiken, die Carmen Meiswinkel auf dem Platz ausgestellt hat, ist eine Gruppe Menschen zu sehen, die miteinander reden oder an ihrem Handy sind. Im Vordergrund des Bildes ist ein Mann zu sehen, der neben einer Bank liegt und schläft, von den übrigen Passanten aber vollkommen missachtet wird.

„Wir wollen mit der Aktion auch zu einer gewissen ethischen Grundhaltung der Menschen aufrufen und auf den Missstand in unserer Gesellschaft aufmerksam machen“, so Kleine. Er hofft, dass durch die Zusammenarbeit Bewusstsein für die Problematik der Bänke geschaffen wird. Gerade Wuppertal habe im 19. Jahrhundert die soziale Bewegung sehr geprägt, weswegen die Bänke nicht zu der Stadtgeschichte passen würden.

„Wir wollen einen Teil dazu beitragen, dass die „Sleep-Stops“ wieder vollkommen aus dem Stadtbild verschwinden und die Aktion zeigt, dass alle Menschen in Wuppertal willkommen sind.“

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