Elberfeld

Krankenhaus bleibt eine Problemimmobilie

Der Standort an der Gartenstraße ist eine Dauerbaustelle.
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Der Standort an der Gartenstraße ist eine Dauerbaustelle.

Markantes Gebäude des ehemaligen Marienheims in Wuppertal steht seit 2003 leer.

Von Alina Komorek

Wuppertal. Das Gebäude des ehemaligen Marienheims hat im Laufe seiner Geschichte viele Schicksale, Glücksmomente und Schrecken gesehen. Hier wurde operiert, geheilt, geboren und gestorben. Und nachdem das Gebäude durch den Verkauf an einen Investor zur Baustelle wurde, legten Jugendlichen im Marienheim Feuer. Die Geschichte des ehemaligen Marienheims bis zum Jahr 1910 wurde im Buch „Gesundheits- und Wohlfahrtspflege der Stadt Elberfeld“ zusammengefasst.

Eröffnet wurde es 1897 in der Schlieperstraße 3 als Niederlassung der Dominikanerinnen – es war eine Wohlfahrtseinrichtung. Man nahm Kinder auf, Schülerinnen erhielten in der Handarbeitsschule eine Ausbildung, „kränkliche und gefährdete Mädchen“ wurden beschäftigt, manche der Schwestern waren damals schon in der Krankenpflege tätig. „Am 1. Juli 1909 wurde die Privatkrankenanstalt ‚St. Marienheim‘ in der Schlieperstraße 3 eröffnet“, erklärt Markus Teubert, der im Stadtarchiv arbeitet und sich mit der Geschichte des Gebäudes gut auskennt, weil er dazu bereits früher recherchiert hat.

Im Juni 2011 legtenJugendliche ein Feuer

Damals schliefen die Schwestern selbst noch im Marienheim, im Mansardengeschoss befanden sich ihre Schlafräume. Im Erdgeschoss lagen Sprechzimmer und Leichenkammer, dazwischen die Krankenzimmer, Badezimmer und der „Abort“. Im Neubau befanden sich außerdem ein „septisches“ und ein „aseptisches“ Operationszimmer. Was die Patientinnen und Patienten damals, und eines Tages, wenn der aktuelle Umbau des Marienheims zu einem Wohnhaus fertiggestellt ist, sicher auch die Bewohnerinnen und Bewohner freuen wird: „Bei der Architektur wurde Wert darauf gelegt, eine freundliche Wirkung zu erzielen und der Anstalt einen familiären Charakter zu geben“, steht in dem alten Geschichtsband.

Im Jahr 1930 dann wurde angebaut und das Haus, in dem vor allem chirurgische und gynäkologische Fälle behandelt wurden, sollte den „Charakter eines allgemeinen Krankenhauses erhalten“, steht in der Bergisch-Märkischen Zeitung vom 11. Februar 1930. Durch den Erweiterungsbau wurde die Zahl der Betten von etwa 100 auf 160 erhöht, und weil er direkt unterhalb der Parkanlage Hardt lag – und noch immer liegt – habe er sich schon damals bestens geeignet, auch die Freiluft- und Sonnenbehandlung zu ermöglichen.

Wichtig für das Marienheim als Krankenhaus war die Leitung durch Dr. Otto Butzengeiger, erklärt Markus Teubert vom Stadtarchiv: Schon im Januar 1940 feierte er 25 Jahre als Chefarzt, an seinem 75. Geburtstag im Jahr 1960 leitete er das Marienheim immer noch. Er starb 1968, nachdem er lange zum Narkosemittel Avertin geforscht und als Professor gelehrt hatte.

1976 erhielt das Marienheim eine moderne Intensivstation für 1,2 Millionen Mark mit zwölf Betten. 1986 war das Marienheim sogar in einen Mordfall verwickelt: Es wurde gegen eine Schwester ermittelt, die auf der Intensivstation im Petrus-Krankenhaus mindestens drei Patienten eine tödliche Spritze gegeben haben soll. Die Krankenhäuser Petrus, das Marienheim und das Elisabeth-Krankenhaus in Neviges wurden in den 70er Jahren zum dreigliedrigen Klinikverbund St. Antonius zusammengeschlossen, das Marienheim bereits 1971 von den Kliniken St. Antonius übernommen.

1998 erhielt das Marienheim noch eine Geriatrische Klinik – und 2008 wurde das Gebäude, das bereits seit fünf Jahren leer steht, an einen Investor verkauft. Für das Gebäude beginnen schwere Zeiten: Im Mai 2010 gab es ein Feuer im Haus, die Polizei ermittelte gegen Jugendliche. Drei Monate später wurde Kupferklau verzeichnet, im Juni 2011 suchten wieder Jugendliche das Gebäude auf, sie sahen darin wohl eine Art Abenteuerspielplatz samt Gruselfaktor. Fahrlässig legten sie ein Feuer – der Dachstuhl brannte, die Flammen griffen auf das Nachbargebäude über.

Verletzt wurde damals zwar niemand – doch der Schaden des Feuers wird auf insgesamt 100 000 Euro beziffert. Auch, nachdem der Investor berichtet, dass in dem Gebäude Eigentumswohnungen entstehen sollen, wird das Gebäude immer wieder von Menschen aufgesucht, die den Nervenkitzel suchen – oder Metall klauen wollen.

Thomas Kring, der Bezirksbürgermeister im Stadtteil Elberfeld, „würde schon sagen, dass es sich an dieser Stelle um eine Problemimmobilie handelt, wenn auch nicht um eine Schrottimmobilie.“ Dass das Marienheim schon seit langem eine Baustelle ist, werde dem Gebäude an diesem Standort nicht gerecht. Thomas Kring wünscht sich deshalb, „dass das an dieser Stelle stadtbildprägende Gebäude fertiggestellt wird“.

Hintergrund

Seit 2003 steht das Marienheim leer: Die Kliniken St. Antonius räumten damals die Immobilie und verlegten das medizinische Angebot auf die Standorte Petrus-Krankenhaus und die Klinik an der Vogelsangstraße.

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