Erntehelfer gesucht

Wie kommt der Spargel aus der Erde?

Der Meerbuscher Landwirt Markus Frenken sucht Erntehelfer für seine vier Hektar großen Spargelfelder. Foto: Hans-Jürgen Bauer
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Der Meerbuscher Landwirt Markus Frenken sucht Erntehelfer für seine vier Hektar großen Spargelfelder. 

Kurz vor der Spargelernte ist unklar, ob langjährige Helfer nach Meerbusch kommen.

Von Sonja Schmitz und Verena Bretz

Meerbusch. Bis zur Spargelernte Anfang April ist es nicht mehr lange. Die Zeit bis dahin wird für die Landwirte in Meerbusch eine Nervenprobe. Sie wissen nicht, ob die Helfer, die jedes Jahr zur Ernte anreisen, ihnen auch diesmal wieder zur Seite stehen.

„Wir finden keine Busfahrer“, berichtet Landwirt Markus Frenken. Dass er selbst nach Polen fährt, um die Helfer abzuholen, sei auch keine Lösung. Denn wer aus Deutschland nach Polen reist, muss dort erst einmal für zwei Wochen in Quarantäne und das möchten auch die Busfahrer vermeiden. So wartet Frenken täglich auf den Anruf aus Polen, um zu erfahren, ob die Helfer einen Weg finden, nach Meerbusch zu kommen – und ob sie überhaupt dazu bereit sind.

Gastro-Mitarbeiter und Bürger wollen helfen

Erfreulicherweise haben sich spontan Mitarbeiter aus einem Düsseldorfer Gastronomiebetrieb bei ihm gemeldet und ihre Hilfe angeboten. Sie arbeiten normalerweise in der Küche und als Kellner. Weil ihr Lokal geschlossen hat, wollten sie nicht untätig herumsitzen und sich gerne etwas dazuverdienen. Es seien auch einige Leute vorbeigekommen und hätten gesagt: „Wenn ihr Hilfe benötigt, sagt Bescheid“, erzählt Frenken.

Doch die Lage ist derzeit verzwickt: Solange Frenken nicht weiß, was mit seinen langjährigen Helfern ist, kann er niemand anders engagieren. Und er ist auch darauf angewiesen, dass Menschen verbindlich und über längere Zeit einspringen. Schließlich braucht es auch Zeit, die Helfer anzuleiten. Wenn er aber ständig neue Leute anleitet, hat er keine Zeit mehr für die übrige Arbeit.

Doch das ist für die Landwirte nicht die einzige Schwierigkeit. Auch die Schließung der Restaurants ist ein Problem. Viele laden ihre Gäste jedes Jahr zum Spargelessen ein. Das entfällt nun. Für die Größenordnung der Restaurant-Bestellungen – etwa 50 Kilo Spargel – benötigen die Bauern 25 bis 40 private Kunden mehr.

Landwirt Andreas Hoppe kämpft auf seinem Hof mit den gleichen Problemen, der gleichen Ungewissheit, ob seine vier Erntehelfer kommen. „Ich warte noch auf Antwort.“ Wenn alle Stricke reißen, hat er sich vorgenommen, Helfer über Facebook zu suchen.

Von sonst 15 Saisonarbeiten sind aktuell nur acht vor Ort

„Spargelstechen ist keine einfache Arbeit“, sagt er. Wenn sich genug Menschen für eine verbindliche Zusage finden würden, könnte man die Zeit auch aufteilen, so dass die Helfer anders als sonst auch halbe Tage arbeiten könnten. Anfangs sei es ein bisschen kniffelig, den reifen Spargel zu brechen, ohne den umliegenden zu beschädigen. Aber das bekämen die Helfer bei der Einweisung vermittelt.

Und dann ist noch das Wetter ein einflussreicher Faktor. Ist es sehr warm, wächst der Spargel schneller und entsprechend mehr Personal wird für die Ernte benötigt. Kühlt es ab, verläuft die Ernte langsamer, was auch weniger Personaleinsatz gleichzeitig erforderlich macht. All das gilt es zu berücksichtigen. „Wenn es einfach wäre, würde es ja jeder machen“, sagt Landwirt Hoppe und lacht. Er findet es wichtig, den Humor zu bewahren und das Beste aus der Situation zu machen. Das habe er in seiner Zeit bei der Freiwilligen Feuerwehr in Osterath gelernt. „Da hat man von jetzt auf gleich eine Not-Situation und muss positiv nach vorne denken.“

Beim Unternehmen Garten Selders in Büderich gibt es ähnliche Probleme. „Normalerweise unterstützen uns ab Anfang März rund 15 Saisonarbeiter aus Polen für drei Monate“, sagt Geschäftsführer Robert Selders. Sie arbeiten in der Baumschule und einige im Bereich Garten- und Landschaftsbau. Aktuell sind aber nur acht von ihnen in Meerbusch. Mit den anderen hält Selders Kontakt. Einer von Selders Stamm-Arbeitern muss sich beispielsweise in Polen um seine Familie kümmern, ein anderer macht sich Sorgen, dass er nach Ende der Saison in Deutschland womöglich nicht wieder in sein Heimatland einreisen darf.

QUARANTÄNE

EINREISE Aktuell müssen polnische Staatsbürger, die von Deutschland zurück reisen, zwei Wochen in häusliche Quarantäne – ausgenommen sind Berufsgruppen wie Fernfahrer.

FAMILIE Ein weiteres Problem für die Arbeiter: „Den Kollegen, die jetzt schon hier bei uns sind, ist das Osterfest sehr wichtig. Das möchten sie in Polen bei ihren Familien verbringen“, erzählt Robert Selders. Normalerweise sei ein kurzer Heimaturlaub über die Feiertage kein Problem. „Aber aktuell ist die Situation wegen der Quarantänefristen unklar.“

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