Wuppertal

Klinikneubau in Barmen startet - Helios investiert 120 Millionen Euro

Prof. Dr. Rudolf Leuwer, Bürgermeister Heiner Fragemann und Klinikgeschäftsführer Dr. Holger Raphael (v. l.) legten den Grundstein. Foto: Stefan Fries
+
Prof. Dr. Rudolf Leuwer, Bürgermeister Heiner Fragemann und Klinikgeschäftsführer Dr. Holger Raphael (v. l.) legten den Grundstein.

Helios investiert in Neubau für Intensivmedizin, Zentrum für Onkologie, Labor, Herzzentrum, HNO, Gefäßchirurgie. Ab Herbst 2024 sollen die ersten Patienten versorgt werden.

Von Jonas Meister

Wuppertal Der nächste Meilenstein beim Umbau des Helios Klinikums in Barmen ist erreicht: Nun wurde in der großen Baugrube auf dem Krankenhausgelände feierlich der Grundstein für den zentralen Neubau gelegt. „Mit den ersten Planungen haben wir im Jahr 2011 begonnen. Deshalb ist es für uns auch ein langgehegter Traum, der hier jetzt nach und nach in Erfüllung geht“, freute sich Klinikgeschäftsführer Dr. Holger Raphael.

Insgesamt investiert der Konzern 120 Millionen Euro in das Großprojekt. Für das neue, viergeschossige Gebäude, in dem ab Herbst 2024 die ersten Patienten versorgt werden sollen, mussten in den letzten Jahren die historischen Häuser 6 und 7 sowie der Mittelgarten weichen.

Die Investitionen von Helios in den Klinikstandort Barmen kommen auch bei der Stadt gut an. „Das Klinikum ist in Wuppertal ein institutionelles Urgestein und heute einer der größten Arbeitgeber. Die Entscheidung, mit einer Schwerstverletzungsartenverfahrenklinik hier langfristig überregionale Spitzenmedizin zu etablieren, ist für die Stadt ein wichtiges Signal“, erklärte Bürgermeister Heiner Fragemann (SPD) im Grußwort, das er an der Baugrube hielt.

Auf einer Grundfläche von insgesamt 5500 Quadratmetern entsteht dabei ein Klinikneubau, der mit modernster Hochtechnologie ausgestattet wird. „Herzstück wird der neue Zentral-OP mit 16 einzelnen Operationssälen sein. Daran angebunden wird es Dutzende Intensivbetten geben. Der Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach wird es uns dazu auch noch ermöglichen, schwerstverletzte Patienten noch schneller zu behandeln“, skizziert Dr. Raphael die Pläne für die neue Infrastruktur.

Neben der Intensivmedizin wird in den Neubau auch ein Zentrum für Onkologie und ein neues Labor integriert. Dazu wird auch das Herzzentrum wieder von Elberfeld nach Barmen ziehen, sehr zur Freude des neuen Chefarztes der Herzchirurgie, Prof. Dr. David Holzhey, der 2020 von der Universität Leipzig kam. Dieser neue Standort wird auch Auswirkungen auf den Rettungsdienst haben, der in Wuppertal dann bei kardiologischen Notfällen nur noch Barmen anzufahren braucht. Und auch die Abteilungen für HNO und Gefäßchirurgie werden im zentralen Neubau untergebracht.

Dass der Umbau während des laufenden Klinikbetriebs und damit effektiv „am offenen Herzen“ geschieht, ohne das die Versorgung der Patienten dadurch beeinträchtigt wird, darauf ist man bei den Verantwortlichen besonders stolz. Raphael: „Zu sehen, wie Woche für Woche neue Decken im Rohbau gegossen und dann neue Wände hochgezogen werden, ist einfach toll.“

Auf der Baustelle weiterhin unübersehbar ist Baukran „Wotan“, seit März 2021 mit einer Höhe von 52,8 Metern das mit Abstand größte Werkzeug am Helios. Die Konstruktion steht heute in der metertiefen Baugrube, wo bis Mitte Januar 2020 die Häuser 6 und 7 standen. Ihr Abriss fungierte als Startschuss die Baumaßnahmen des zentralen Neubaus.

Die Entscheidung für den Neubau und dem damit verbundenen Ende der alten Bausubstanz, fiel den Entscheidern beim Helios-Konzern trotz aller Nostalgie und jahrelangem Hin und Her schließlich nicht schwer. „So schön die teilweise über 100 Jahre alten Pavillons der Häuser 6 und 7 waren, aber die Tatsache war, dass sie einfach nicht mehr für einen modernen Klinikbetrieb geeignet waren“, erklärte Klinikgeschäftsführer Dr. Holger Raphael jetzt ehrlich.

Der morbide Charme erinnerte mich an meine Operationen in Vietnam.

Prof. Dr. Rudolf Leuwer, Helios-Geschäftsführer, über den Abriss

Etwas drastischer drückte dagegen noch der Regionalgeschäftsführer von Helios, Prof. Dr. Rudolf Leuwer, seine Erfahrungen in den historischen Barmer Altbauten aus. „Der morbide Charme in den Gebäuden aus dem vorvergangenen Jahrhundert erinnerte mich irgendwie an meine Operationen in Vietnam. So kann das kubanisch-vietnamesische Krankenhaus in Hanoi in etwa widerspiegeln, wie es hier zuletzt auf den Fluren aussah. Aber auch dort habe ich gerne operiert.“

Mit dem Abschluss des Großprojekts und der Inbetriebnahme im Herbst 2024, die laut den ursprünglichen Planungen eigentlich zunächst für das Jahr 2021 und später dann für 2022 geplant war, sieht das medizinische Szenario am Klinikstandort Barmen dann aber wieder ganz anders aus.

Hintergrund

Historie: Das erste städtische Krankenhaus der Stadt Barmen wurde im Jahr 1841 mit 60 Betten am Kleinen Werth eröffnet. Im April 1907 wurde dann auf dem Gelände des ehemaligen Gutshofes in der Schönebeck und damit an der heutigen Heusnerstraße mit Erdarbeiten begonnen. Hier wurden insgesamt 140 000 Kubikmeter Erde und Felsen bewegt, um Platz für die Fundamente der „Städtischen Krankenanstalten Barmen“ zu schaffen. Knapp vier Jahre später, am 27. Juli 1911, wurde an dieser Stelle dann das neue Krankenhaus mit 556 Betten eingeweiht. Darunter waren auch 27 Betten der Kinderstation, die 1923 zunächst geschlossen wurde, nur um sie drei Jahre später wiederzueröffnen.

Umbenennung: Nach einem Ratsbeschluss für eine zentrale Kinderklinik Anfang der 1950er-Jahre wurde 1956 schließlich eines der ersten Hochhäuser in Wuppertal mit 200 Kinderkrankenbetten eröffnet. Und nachdem das Krankenhaus 1976 erstmals umbenannt wurde, übernahm am 1. Januar 2003 die Helios GmbH das Klinikum.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Tunnel der Nordbahntrasse wird zeitweise gesperrt
Tunnel der Nordbahntrasse wird zeitweise gesperrt
Tunnel der Nordbahntrasse wird zeitweise gesperrt
Wuppertaler Stadthalle ist auf dem Weg zur Normalität
Wuppertaler Stadthalle ist auf dem Weg zur Normalität
Wuppertaler Stadthalle ist auf dem Weg zur Normalität
Von Kabul ins Küllenhahner Lädchen
Von Kabul ins Küllenhahner Lädchen
Von Kabul ins Küllenhahner Lädchen
Elberfeld: Ideen für die Neugestaltung
Elberfeld: Ideen für die Neugestaltung
Elberfeld: Ideen für die Neugestaltung

Kommentare