Zukunft der Kirche

Kirchenmorgen sorgt für Aufbruchstimmung - Mit Fotos und Video

Solingen war Gastgeber eines intensiven Wochenendes.

Superintendentin Dr. Ilka Werner und der zu lösende Knoten beim Gottesdienst im Walder Stadion.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Das Motto des Kirchenmorgens, zu dem der Evangelische Kirchenkreis Solingen eingeladen hatte, hallte am Sonntagabend als berührender Song nachdrücklich durch das Walder Stadion: „Damit es aufgeht“, geschrieben von Jo Römelt, Pfarrer in der Gemeinde Dorp, und Kreiskantorin Stephanie Schlüter. Der Song beschreibt die Aufgabe, der sich knapp 500 Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Open-Air-Gottesdienstes zum Abschluss der Pfingstwerkstatt stellen wollen: den oder die Knoten, die sich im Konstrukt Kirche gebildet haben, zu entwirren und zu lösen.

Das war das starke Fazit zweier intensiver, kommunikativer Tage in verschiedenen „Denk-Werkstätten“: Gemeinsam dafür zu sorgen, dass Kirche wieder dichter an den Menschen ist. Kirche solle mehr Inhalte und weniger Formalismen bedienen. Sie solle Basis sein und Halt geben und dafür unter anderem endlich ihre – wenn auch nur latenten oder unbewussten – rassistischen und diskriminierenden Tendenzen ausmerzen. Sie solle Christen Lebensfreude geben und Teil der Lebenswirklichkeit sein, mit allem, was zum heutigen Alltag gehört. Das waren nur einige der Forderungen beim Abschlussgottesdienst und den Veranstaltungen am Freitag- und Samstagabend in der Stadtkirche und auf dem Fronhof (). Digitale Formate wurden ebenso gefordert wie ansprechende Gottesdienst-Formen.

Reichlich Selbstkritik statt gewohnter Einsichten

„Damit es aufgeht“ war nicht der einzige Song, der am Sonntag unter der überdachten Tribüne mit Gästen und Partnern anderer Kirchenkreisen und der Pop-Akademie Witten gesungen und gefeiert wurde. Die Musik sorgte für die passende atmosphärische Begleitung für den Festgottesdienst, der das Pfingstfest als Geburtstag der Kirche mit der Aufbruchstimmung des Kirchenmorgens zukunftsweisend verknüpfte.

Die Solinger Superintendentin Dr. Ilka Werner, ihre Lenneper Kollegin Antje Menn und Pfarrer Thomas Förster als Gottesdienst-Leitung hatten nicht nur eigene Worte in Begrüßung, Lesung und gepredigter Botschaft dabei, sondern gaben einer eindrucksvollen Tanz-Performance sowie zwei Statements von Teilnehmenden zum Stichwort „Knoten lösen“ Raum und Zeit. Eifrig Applaus wurde gespendet für Erkenntnisse des Kirchenmorgens. „Mehr Gemeinsamkeiten sehen, als Unterschiede herausstellen“, zum Beispiel. Oder der Wunsch nach einer Kirche, die in Gesellschaft und Politik hineinspricht, sich nicht einigelt, sondern ins „echte“ Leben hinein handelt.

Wie sich Struktur, Form und Ansprache der Kirche verändern sollen, wurde in neun Werkstätten mit bis zu 250 Teilnehmenden erarbeitet. Dafür wurden ungewöhnliche Methoden angewandt. Statt im Gemeindehaus zu bleiben, ging „mobile Kirche“ in die Ohligser Fußgängerzone – oder die „Reise“ mit Alpaka-Begleitung durch die Ohligser Heide. Statt gewohnter Einsichten und Wahrnehmungen gab es ungewöhnliche Zugänge und reichlich Selbstkritik.

Die Kirche und ihre Gäste: Angebot von Begegnung, Gemeinschaft und Austausch

-Neben den Werkstätten kam den Abenden als Angebot von Begegnung, Gemeinschaft und Austausch viel Bedeutung zu. Musik spielte eine große Rolle, sei es durch das Chor-Ensemble „Klangvoll“, Stephanie Schlüter am Piano oder die Musiker Judy Bailey und Patrick Depuhl, die es schafften, den Teilnehmern des „Klangraums“ und der samstäglichen „Jam-Session“ rhythmisch einzuheizen. Bailey und Depuhl waren auch Teil der Werkstatt „Dear white church, Dear colorful church!“, in der sie gemeinsam mit Autorin Sarah Vecera viele Impulse gaben, um rassistische Verhaltensweisen in der Kirche Vergangenheit werden zu lassen.

Grußworte von Präses Dr. Thorsten Latzel und Oberbürgermeister Tim Kurzbach am Freitagabend, moderiert von Superintendentin Dr. Ilka Werner als Gastgeberin, hatten den Kirchenmorgen an den Start geschickt und das Ansinnen gelobt, mit Vielen reflektiert über die Zukunft von Kirche nachzudenken. „Nimm Platz“ hieß es auch dafür auf dem Fronhof: Ein Angebot, bei Fingerfood im Kirchenmorgen anzukommen, Kontakte zu knüpfen, ins Gespräch zu kommen. Neben dem großen Pfingstgottesdienst im Walder Stadion als gemeinsamem Abschluss gab es an den anderen beiden Tagen jeweils geistliche Abendimpulse in der Stadtkirche.

Partner

Neben dem Evangelischen Kirchenkreis Solingen als Veranstalter gab es viele Kooperationspartner: Die Kirchenkreise Lennep und Wuppertal, die Jugendbildungsstätte Hackhauser Hof, die Stadt Solingen, Evangelische Jugend sowie Evangelische Akademie im Rheinland, Landjugendakademie Altenkirchen, Zentrum Gemeinde und Kirchenentwicklung und Vereinte Evangelische Mission. Solinger Tageblatt und Remscheider General-Anzeiger waren Medienpartner.

Rubriklistenbild: © Christian Beier

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