Menschenrechtskampagne

Kirche prangert Arbeitsbedingungen an

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Sabine Ferenschild, Präses, Manfred Rekowski, Dina Septi Utami, Petra Bosse-Huber und Jochen Motte machten in der City-Kirche auf die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie aufmerksam. 

WUPPERTAL EKD und Vereinte Evangelische Mission starten Kampagne zu fairer Kleidung. Schau zeigt Alternativen zu Billigtextilien.

Von Michael Bosse

Eine Menschenrechtskampagne der evangelischen Kirche zu fairer und gerechter Kleidung in Wuppertal zu starten, macht nicht zuletzt vor der industriegeschichtlichen Vergangenheit der Stadt Sinn. Man habe in Wuppertal ja „viel Erfahrung und Erinnerung“ an die Textilindustrie, sagte die Bischöfin Petra Bosse-Huber, Leiterin der Hauptabteilung Ökumene und Auslandsarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), bei der Eröffnung der Kampagne in der evangelischen City-Kirche.

Zudem habe auch die Diskussion um die Eröffnung der Primark-Filiale am Döppersberg gezeigt, dass das Thema „Fair produzierte und gehandelte Textilien“ die Menschen bewege. Jedem Konsumenten müsse deshalb klar sein, dass er mit seiner Kaufentscheidung die Arbeitsbedingungen von Menschen in den Textilfabriken beeinflussen könne.

Die EKD und Vereinte Evangelische Mission (VEM), die in Wuppertal ihre Geschäftsstelle hat, haben deshalb jetzt ihre bundesweite Menschenrechtskampagne zu fairer und gerechter Kleidung gestartet.

Die „menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen“, unter denen Textilien im Ausland oft produziert würden, seien ein „dringendes und drängendes Thema“ für die Kirche, sagte Bosse-Huber. Mittlerweile werde 60 Prozent mehr Kleidung als noch vor 15 Jahren verkauft. Pro Jahr würden weltweit 8,4 Millionen Tonnen Textilabfälle „auf Deponien“ entsorgt. Deshalb sei es wichtig, über das Thema aufzuklären und für Transparenz bei den Arbeitsbedingungen zu sorgen.

Als Christ könne man die Bedingungen nicht akzeptieren

In der City-Kirche gab es zum Auftakt der Kampagne eine Diskussion und eine Modenschau mit fairen Alternativen für Mode und Arbeitskleidung. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, betonte, dass sich der Bürger seiner Macht „als Konsument“ bewusst sein und beim Einkauf auf fair produzierte und gehandelte Textilien achten sollte. Wer sich als Christ der „Kultur der Barmherzigkeit“ verpflichtet fühle, der könne die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken nicht gutheißen.

ENGAGEMENT

BROSCHÜRE Zu der Menschenrechtskampagne hat die VEM eine Broschüre mit dem Titel „Womit werden wir uns kleiden?“ veröffentlicht. Weitere Infos unter: www.vemission. org, www.ekd.de

Sabine Ferenschild vom Südwind-Institut für Ökonomie und Ökumene verwies darauf, dass es bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen um „glaubwürdige Schritte“ zur Anhebung des Mindestlohns in den Textilfabriken gehe, da dieser derzeit oft nicht ausreiche, eine Familie zu ernähren. Zudem sollten auch die Auftraggeber hierzulande gesetzlich dazu verpflichtet werden, für bestimmte Mindeststandards in der Produktion in den Zulieferbetrieben zu sorgen.

Zugleich widersprach die Expertin, dass es die Probleme vor allem bei Aufträgen für Textildiscounter gebe. Das seien Bedingungen, die für die gesamte Branche gelten. Gleichwohl seien Boykott-Aufrufe gegen Textilien, die zum Beispiel aus Asien stammten, nicht sinnvoll, da sie vor allem die Arbeiter vor Ort träfen, die oft keine andere Arbeitsmöglichkeit hätten.

Einen Einblick in die Arbeitsbedingungen von Textilarbeiterinnen – denn in der Regel sind es Frauen, die in den Fabriken arbeiten – gab die indonesische Aktivistin Dina Septi Utami. „Die Arbeitsbedingungen sind sehr schlecht“, sagte sie. Die Bezahlung sei nicht existenzsichernd, es fielen viele Überstunden an, und es herrsche ein „extremer Produktionsdruck“. Auch verbale Beschimpfungen und sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz kämen immer wieder vor. Produziert werde für internationale Textilmarken, „die auf der gesamten Welt konsumiert werden“.

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