Mordprozess

Fünffache Kindstötung in der Hasseldelle: Staatsanwalt hält an Mutter als Täterin fest

Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt. Archivfoto: mis
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Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt. Archivfoto: mis

Verteidiger hat Vater als Drahtzieher eines „Auftragsmordes“ im Visier.

Solingen. Mittlerweile habe sein Mandant sich wieder gefangen, sagt Rechtsanwalt Jochen Ohliger, der im Prozess vor dem Landgericht Wuppertal um die fünf getöteten Kinder aus der Hasseldelle deren Vater in der Nebenklage vertritt. „Das hat allerdings gedauert und er hat äußerst betroffen reagiert.“ Hintergrund: Thomas Seifert, einer der drei Verteidiger der angeklagten Mutter, hatte kürzlich angekündigt, dass er bei Gericht einen Antrag auf die Beschlagnahmung der Kontoauszüge des Vaters stellen wolle.

Denn Seifert ziehe die Möglichkeit in Betracht, dass der getrennt lebende Vater sich seiner Unterhaltspflichten entledigen wollte und deshalb einen „Auftragsmörder“ angeheuert haben könnte, um die Kinder töten zu lassen. „Der Vater hat ein eindeutiges Motiv“, bekräftigte Seifert gegenüber dem Tageblatt. Den Antrag wolle er am Montag stellen, damit größere Abhebungen auf dem Konto des Solingers geprüft werden könnten.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft liegt die alleinige Täterschaft aber bei der 28-jährigen angeklagten Mutter der drei Mädchen und zwei Jungen zwischen einem und acht Jahren. Diese soll sie im September 2020 erstickt oder in der Badewanne ertränkt haben.

Fünffacher Kindsmord: Verteidiger behauptet, dass männliche DNA an den Körpern der Kinder festgestellt wurden

Seiferts Vorstoß ließ Nebenklage-Vertreter Jochen Ohliger erst einmal fassungslos zurück. „Ich habe meinem Mandanten gesagt, dass ich das für absoluten Mumpitz halte. Da wurde jetzt wirklich eine Grenze überschritten, zumal keinerlei Spuren meines Mandanten am Tatort festgestellt worden sind.“ Er ziehe deshalb in Erwägung, den Vorgang von der Staatsanwaltschaft auf strafrechtliche Relevanz prüfen zu lassen. „Hier steht durchaus der Anfangsverdacht der Verleumdung und falschen Verdächtigung im Raum. “ Zudem habe Seifert aus seiner Sicht keinen gültigen Beweisantrag gestellt, da dieser ein sogenanntes Beweisthema vermissen lasse: „Der Verteidiger hätte in dem Antrag die klare Aussage treffen müssen, dass mein Mandant die Ermordung der Kinder in Auftrag gegeben hat. Das geht aus dem Antrag aber nicht hervor. Somit handelt es sich um reine Stimmungsmache.“

Weiterhin hatte Seifert zuletzt mit der Behauptung für Schlagzeilen gesorgt, dass bei der Spurensicherung männliche DNA an den Körpern der Kinder festgestellt worden sei, die bislang nicht eindeutig zugeordnet werden konnte. Er beabsichtige deshalb, einen Freispruch für die Mutter zu beantragen. Die Angeklagte hatte gegenüber Gutachtern stets behauptet, dass ein maskierter Mann in die Wohnung der Familie eingedrungen sei und sie gewaltsam zu der Tat gezwungen habe.

Zu dem angeblichen DNA-Fund wolle Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt am Montag im Prozess eine Stellungnahme abgeben, zu den Details aber öffentlich noch keine Angaben machen. Schon jetzt lasse sich aber festhalten: „Es gab keinerlei Hinweise auf eine dritte Person.“ Am Montag werden auch die psychiatrischen Gutachten vorgetragen.

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