Kaugummis sollen an die Tafel

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Andreas Maltig und Kemal Erdem befestigten die neuen Kaugummi-Wände. Foto: Andreas Fischer

In Wuppertal sollen Passanten die klebrigen Reste an Schilder pappen statt auszuspucken.

Von Michael Bosse

Wuppertal. Wie groß die Nachfrage nach den neuen Kaugummi-Wänden in Elberfeld auch ausfällt – für eine ästhetische Aufwertung sorgen die DIN-A3 großen Tafeln auf jeden Fall: Sie bringen Farbe in die Innenstadt, erinnern zwei der drei Motive doch in ihrer comic-artigen Buntheit an Werke von Roy Lichtenstein. Sie zeigen einen Superman, der den Passanten zuruft: „Echt super, wenn das Kaugummi im Mülleimer landet!“, oder eine an Marilyn Monroe erinnernde Frau, die rät: „Bleib sauber. Das Kaugummi gehört in den Mülleimer!“

Zwischen dem Hauptbahnhof am Döppersberg und der Elberfelder Innenstadt montierten Mitarbeiter des Eigenbetriebs Straßenreinigung Wuppertal (ESW) und der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) nun die ersten Tafeln, mit denen die Stadt einem penetranten und ekligen Phänomen zu Leibe rücken: der Verdreckung des Asphalts in den Fußgängerzonen durch plattgetretenen und sich ins Pflaster fressende Kaugummis.

In den kommenden Tagen sollten „40 bis 50 Tafeln“ aufgestellt werden, sagte der Sprecher von ESW/AWG, Andreas Spiegelhauer, bei der Montage der ersten Tafeln.

Die Tafeln sind an einer Metallstange befestigt, an der wiederum ein Abfalleimer installiert ist. Die benutzten Kaugummis können von den Konsumenten direkt auf die Tafel geklebt oder am besten einfach direkt in den darunter befindlichen Mülleimer geworfen werden. „Hauptsache, die Kaugummis kommen nicht auf den Boden“, betonte der Teamleiter Straßenreinigung beim ESW, Carsten Melech.

Kaugummis werden einfach mitsamt Folie abgezogen

Auf den Tafeln befinden sich die bunten Folien, die nach einer bestimmten Zeit abzogen und erneuert werden können. Die alten Folien mitsamt Kaugummis werden dann thermisch entsorgt.

Dass die Aufbauarbeiten nun auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof starteten, hatte einen einfachen Grund: Das Areal wird täglich von mehreren zehntausend Menschen frequentiert, am Döppersberg müssen die Reinigungskräfte des ESW pro Schicht an die 100 festgepappte Kaugummis entfernen. Das sei sehr aufwendig und arbeitsintensiv, sagte Melech. Zudem sei die Arbeit nicht sehr angenehm. Wegen der offenen Fugen können am Döppersberg keine Hochdruckreiniger eingesetzt werden. Kehrmaschinen könnten das Problem auch nicht beseitigen. Und die Verwendung von beschichtetem Pflaster, auf dem die Rückstände nicht so stark haften bleiben, sei aus Kostengründen nicht erfolgt, bedauerte Melech.

Etwa 50 Euro kostet die Anschaffung eines Ensembles aus Kaugummi-Wand, Metallpfosten und Mülleimer. Nach dem Auftakt in Elberfeld solle nun auch bald die Barmer Innenstadt folgen, sagte Sprecher Spiegelhauer. „Sinnvolle Stellen für eine Kaugummi-Wand gibt es genug in der Stadt“, betonte Melech.

Mit der Aktion wolle man auf das Problem der verdreckten Innenstädte aufmerksam machen, sagte er. Neben den Kaugummis gibt es ja schließlich auch noch „Problemfälle“ wie Plastikbecher, Hundehaufen oder Zigarettenkippen, mit denen sich die ESW-Mitarbeiter rumschlagen müssen.

Der Andrang auf die Kaugummi-Wände hielt sich am ersten Tag in Grenzen, die meisten Bürger gingen achtlos an den Tafeln vorbei. Wer allerdings erwischt wird, wie er sein Kaugummi einfach auf den Boden spuckt, muss mit einem Bußgeld rechnen – 55 Euro sind es in Wuppertal.

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