Finanzielle Schwierigkeiten

Kaufhof-Zukunft bereitet Wuppertalern Sorge

Die Wuppertaler Filiale der Galeria Kaufhof ist ein wichtiger Anziehungspunkt in der Elberfelder Innenstadt.
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Die Wuppertaler Filiale der Galeria Kaufhof ist ein wichtiger Anziehungspunkt in der Elberfelder Innenstadt.

Warenhaus ist ein Magnet in der Elberfelder Innenstadt.

Von Katharina Rüth

Wuppertal. Die erneuten Schwierigkeiten beim Konzern Galeria Kaufhof Karstadt wecken auch wieder Sorgen, ob der Wuppertaler Standort bestehen bleibt. Das Unternehmen hat am Montag Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, ein Insolvenzverwalter hat harte Einschnitte angekündigt: Nach Medienberichten soll von den derzeit 131 Kaufhäusern mindestens ein Drittel geschlossen werden. Welche, darüber gibt es noch keine Angaben.

Das Unternehmen erklärte auf Anfrage die Ursachen der Schieflage: Die Pandemie, die „auf Rekordniveau gestiegene Inflation“ und die Energiepreise hätten „zu erneut hohen Frequenzverlusten“ und „einer historisch negativen Konsumstimmung“ geführt. Die gerade eingeführte neue Strategie des Unternehmens zeige zwar Erfolge, doch um sie wirtschaftlich fortsetzen zu können, „wird sich von Häusern zu trennen sein, die inzwischen aufgrund dieser neuen Bedingungen nicht mehr profitabel zu betreiben sind“. Über einzelne Standorte könnten sie aber noch keine Aussagen treffen. Diese seien „jetzt Gegenstand einer sehr sorgfältigen Einzelfallbetrachtung und Analyse“. Insgesamt gibt sich das Unternehmen optimistisch: „Galeria ist zukunftsfähig, das Geschäftsmodell mit den notwendigen Modernisierungen der Filialen tragfähig.“

Eric Swehla, Vorstand der Wuppertaler Wirtschaftsförderung, verweist auf die Bedeutung des Warenhauses für die Elberfelder Innenstadt: „Das ist einer der größten Frequenzbringer.“ Das spricht auch Ralf Engel, Geschäftsführer des Handelsverbandes Rheinland für die Bergische Region, an: Eine Schließung würde „alle unmittelbaren Nachbarn betreffen“, denen dann die Kundenströme fehlen würden.

Marco Trienes, stellvertretender Vorstand der Wirtschaftsförderung, nennt Argumente für den Erhalt des Wuppertaler Hauses: „Das ist ein Stammhaus und eine etablierte Adresse. Schon in der Vergangenheit wurden hier Doppelstrukturen aufgelöst“ – das Haus in Barmen geschlossen. Die Wuppertaler Filiale habe einen großen Einzugsbereich, die nächsten Warenhäuser seien erst im Ruhrgebiet, in Düsseldorf und Köln zu finden.

„Es wäre schade, wenn es den Kaufhof nicht mehr gäbe“, findet Passantin Ursula Hoffmann (69). Ihr Mann Klaus Hoffmann (69) sagt: „Für Elberfeld wäre das ein großer Verlust.“ Er schätzt den Kaufhof als ein „Haus, in dem man alles bekommt“. Auch für eine weitere Passantin (50) wäre eine Schließung „ein Verlust“. „Ich kaufe hier regelmäßig“, sagt sie. Es seien schon viele große Geschäfte aus Elberfeld verschwunden. Nach einer Kaufhof-Schließung „würde ich wohl im Internet einkaufen“.

Wenig interessiert ist ein Familienvater (60): „Ab und zu“ sei er in der Galeria Kaufhof. „Aber man muss auch auf den Preis gucken.“ Wenn er Ware anderswo billiger finde, kaufe er dort. Ein Passant (57) kritisiert das Vorgehen des Unternehmens: „Wenn deren Rechnung nicht aufgeht, stellen sie die Interessen der Mitarbeiter hinten an.“ Ihn würde eine Schließung nicht treffen, dann kaufe er im Internet.

Großer Fan des Kaufhauses ist Edwin Markert (85): „Ich bin dafür, dass es bleibt. Weil es so vielfältig ist.“ Er hält nichts von Internetanbietern: „Die machen doch solche Geschäfte kaputt.“ Bei einem Warenhaus bleibe das Geld in der Stadt, wo es für Schulen und Straßen gebraucht werde. Er genießt den Bummel: „Hier ist doch mehr los, hier trifft man Menschen.“

Ralf Engel vom Handelsverband äußert Kritik an Verdi

Die Wirtschaftsexperten betonen die Wichtigkeit eines entsprechenden Umfelds. Marco Trienes sagt: „Das Haus ist darauf angewiesen, dass das Umfeld gut funktioniert. Dazu kann die Stadt einen Beitrag leisten.“ Daher sei es gut, dass der Kaufhof in die „Qualitätsoffensive Innenstadt“ involviert sei. Das neue Pflaster, die Neugestaltung des Von-der-Heydt-Platzes und die anstehende Gestaltung der Poststraße seien wichtige Signale.

Kritik äußert Ralf Engel vom Handelsverband: „Der Kaufhof ist schon seit Jahren daran interessiert, dass der Neumarkt entwickelt wird.“ Das dauere zu lange. Auch bei der Diskussion über mögliche Verkehrsberuhigungen müssten die Interessen des Kaufhauses berücksichtigt werden. Und er wirft der Gewerkschaft Verdi vor, durch ihren Widerstand gegen verkaufsoffene Sonntage dem Einzelhandel geschadet zu haben.

Verdi

Die Gewerkschaft Verdi erklärt, um „jeden Arbeitsplatz“ kämpfen zu wollen. Das bekräftigt Robert Puleski, Gewerkschaftssekretär im Bezirk Düssel-Rhein-Wupper: „Wir setzen alles daran, die Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen.“ Nach seinen Angaben arbeiten rund 100 Beschäftigte in der Galeria Kaufhof Wuppertal.

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