Kameras und Zäune sollen Kapelle schützen

Aufgrund vieler Sachbeschädigungen haben Regine Widmayer-Wagner und Ingolf Tebert die abendliche Schließung beschlossen. Foto: Anna Schwartz
+
Aufgrund vieler Sachbeschädigungen haben Regine Widmayer-Wagner und Ingolf Tebert die abendliche Schließung beschlossen. Foto: Anna Schwartz

Hoher Schaden: An der Wuppertaler Nordbahntrasse häufen sich die Fälle von Farbschmierereien und Sachbeschädigungen

Von Andreas Boller

Wuppertal Diese Entscheidung ist Regine Widmayer-Wagner, Geschäftsführerin der Wichernhaus Wuppertal gGmbH, und Ingolf Tebert, Vorsitzender des Wichernhausvereins, sehr schwer gefallen: Ab Mitte Januar wird die Wichernkapelle an der Nordbahntrasse, die bisher rund um die Uhr allen Nutzern der Trasse offen gestanden hat, in den Abendstunden und nachts nicht mehr frei zugänglich sein. Eine Überwachungskamera wird installiert. Sachbeschädigungen und Farb-Schmierereien im Innern der Kapelle haben laut Ingolf Tebert in den vergangenen Jahren Reparaturkosten von insgesamt fünfstelliger Höhe verursacht.

Im März 2015 wurde die Kapelle eröffnet. 80 Prozent der Arbeiten wurden von Langzeitarbeitslosen ausgeführt, wobei die Konstruktion des Holzdaches die größte Herausforderung gewesen ist. „Die Wichernkapelle ist ein heiliger Ort und spiritueller Platz“, heißt es auf einem Hinweisschild. „Die Diakonie und die Wichernhaus gGmbH bitten alle Besucher, sich an diesem Ort respektvoll zu verhalten, keinen Lärm zu verursachen und auf den Konsum von Alkohol und anderer Rauschmittel zu verzichten.“

„Doch es hat immer wieder Fälle von Vandalismus gegeben“, berichtet Regine Widmayer-Wagner. „Im vergangenen Jahr haben wir – vermutlich coronabedingt – eine deutliche Häufung der Sachbeschädigungen verzeichnen müssen.“ Als vor einigen Wochen die Scheiben der rückwärtigen Seitenwand eingetreten wurden, beschloss der Vorstand, die Wichernkapelle vorläufig zu schließen.

2020 beliefen sich die Schäden auf rund 4000 Euro

„Die anfallenden Reparaturen lassen sich auf Dauer nicht von einem Verein finanzieren, der allein auf Spenden angewiesen sind“, sagt Ingolf Tebert. Die Reparaturkosten wären über die Jahre noch deutlich höher ausfallen, hätten nicht die Trassenmeisterei und die jungen Mitarbeiter des Wichernhauses regelmäßig Spuren von nächtlichen Gelagen beseitigt und Schäden an den Wänden und an der Bestuhlung behoben. Rund 4000 Euro mussten 2020 allein an Materialkosten aufgebracht werden.

In gut anderthalb Wochen sollen Zäune und Tore an den beiden Eingängen aufgebaut werden. Erst dann soll die Kapelle grundlegend renoviert werden. „Mit dem Aufbau der Zäune schaffen wir einen umgrenzten, abschließbaren Bereich, in dem sich abends und nachts niemand aufhalten darf. Damit ist die rechtliche Voraussetzung geschaffen, das Innere der Kapelle mit einer Videokamera zu überwachen“, so Regine Widmayer-Wagner. Ein vergleichbares Konzept zum Schutz vor Vandalismus hat die Wuppertalbewegung für den Aussichtspunkt Belvedere gewählt.

Zahlreiche Strafanzeigen wurden bereits gestellt

Von der Überwachungskamera erhofft sie sich eine abschreckende Wirkung. Bis 2017 sorgte eine Kamera-Attrappe für den erwünschten Effekt, aber als diese als „Dummy“ erkannt und zerstört wurde, nahm die Zahl der Sachbeschädigungen jedoch enorm zu. „Wir haben immer wieder Strafanzeigen gestellt und die Polizei alarmiert, aber ohne Erfolg, da die Beweise fehlten“, sagt die Geschäftsführerin der gemeinnützigen Gesellschaft bedauernd.

175 000 Euro hatte der Bau der Wichernkapelle gekostet. Nahezu die Hälfte der Kosten wurde über Spenden finanziert. In den Wuppertaler Moscheen wurde zudem Geld gespendet, um an der Kapelle sieben Blutpflaumen als Zeichen der Freundschaft zu pflanzen. Ingolf Tebert und Regine Widmayer-Wagner bedauern ausdrücklich, „dass der offene Charakter der Kapelle durch die baulichen Maßnahmen beschädigt wird“.

Bis auf die Abendstunden sollen die Tore an beiden Eingängen aber auch künftig weiter für alle offen stehen, die dort einkehren und zur Ruhe kommen wollen.

Wichernkapelle

Die Wichernkapelle soll alle Menschen einladen – Menschen mit oder ohne Glauben, Schulen, Kindergärten, Gemeinden aller Kirchen – für Andachten, Religionsunterricht oder eine kurze Auszeit. Sie befindet sich an der Nordbahntrasse. Bauherr ist der Verein Wichernhaus Wuppertal, Kooperationspartner die Vereinigte Evangelische Mission. Baubeginn war im Oktober 2014, Einweihung am 8. März 2015. Umgesetzt wurde ein Entwurf des Architekten Ulrich Severitt. Rote, blaue und gelbe Scheiben symbolisieren Feuer, Himmel, Wüstensand.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Keine Impfstoffproduktion mehr in Wuppertal
Keine Impfstoffproduktion mehr in Wuppertal
Keine Impfstoffproduktion mehr in Wuppertal
Nach dem Feuer: Ehemalige Waldschänke Wiesenkotten erhält Schutzzaun
Nach dem Feuer: Ehemalige Waldschänke Wiesenkotten erhält Schutzzaun
Nach dem Feuer: Ehemalige Waldschänke Wiesenkotten erhält Schutzzaun

Kommentare