Obdachlosigkeit

Kälte-Hotline: Mehr als 80 Einsätze

Der Mann am Wupperufer lebt in einem Zelt. Er habe Decken, versichert er. Wünsche habe er nicht – nur einen: eine Wohnung. Foto: Anna Schwartz
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Der Mann am Wupperufer lebt in einem Zelt. Er habe Decken, versichert er. Wünsche habe er nicht – nur einen: eine Wohnung.

Wuppertal kümmert sich um Obdachlose – Mehr Übernachtungen in Notunterkünften

Von Katharina Rüth

Wuppertal. Die aktuell eisigen Temperaturen sind eine Gefahr für die Menschen, die auf der Straße leben. Deshalb sind Streetworker verstärkt unterwegs, um Obdachlose anzusprechen und sie zu überzeugen, Unterkünfte auszusuchen. Die Stadt Wuppertal hat auch wieder eine Kälte-Hotline eingerichtet, über die Wuppertaler sich melden können, wenn sie sich Sorgen um Obdachlose im Freien machen. In diesem Winter sind daraus schon mehr als 80 Einsätze geworden.

Anrufe bei der Hotline landen tagsüber beim Ordnungsamt, nachts bei Polizei oder Feuerwehr. Deren Mitarbeiter sprechen dann die Menschen an, versuchen sie zu motivieren, die Schlafstellen in der Stadt zu nutzen. Einige der Obdachlosen mussten auch ins Krankenhaus gebracht werden. Bei Einsätzen werden auch Sozialarbeiter der Diakonie und die städtische Fachstelle Wohnungsnotfälle werden informiert, damit sie weitere Hilfen einleiten können.

Wuppertal: 160 Anrufe hat es allein im Januar gegeben

Viele Wuppertaler sorgen sich um die Menschen ohne Obdach. Im Januar seien 160 Anrufe bei der Hotline eingegangen, berichtete Sozialarbeiterin Juliane Steinhard aus dem Bereich Sozialplanung der Stadt Wuppertal. Zum Vergleich nannte sie die Zahl aller Anrufe im Jahr 2020: Da waren es 260. Auch in den Sozialen Medien wird die Situation der Obdachlosen immer wieder thematisiert. So wurde kürzlich in der Facebook-Gruppe „Nettwerk“ über den Mann gesprochen, der seit einigen Monaten am Islandufer campiert. Hilfsangebote habe er aber abgelehnt, hieß es dort.

Der 57-Jährige hat sich auf dem Gehweg am Wupperufer in einem grünen Zelt häuslich eingerichtet, weitere Habseligkeiten unter einer abgespannten Plane verstaut. Auch als unsere Redaktion ihn anspricht, hat er keine Wünsche – nur: „eine Wohnung!“ Denn: „Hier kann man nicht wohnen.“ Da wärmt er sich gerade etwas Flüssigkeit auf einer Kerze. Und nennt als Rezept gegen die Kälte: Bewegen und Atmen – Atmen verbinde Körper und Seele. Decken habe er, versichert er.

Es gebe immer wieder Menschen, die trotz der Kälte nicht in die Übernachtungsstellen wollen, erklärt Juliane Steinhard. Diese hätten sie auch im Blick. Die Streetworker der Diakonie seien aktuell verstärkt im Einsatz, suchten immer wieder Plätze auf, an denen sich Obdachlose aufhalten, in den Fallkonferenzen verschiedener Fachstellen werde über diese Personen gesprochen.„Schlafstellen gibt es in Wuppertal genug“, so die Sozialarbeiterin. Für Männer gibt es sie an der Friedrich-Ebert-Straße, für Frauen im Hopster-Fiala-Haus an der Deweerthstraße und für beide Geschlechter an der Hermannstraße.

Schon durch die Corona-Pandemie nähmen mehr Personen diese Angebote wahr. Im Januar waren die Übernachtungszahlen im Vergleich zum Vorjahr fast doppelt so hoch. Die Stadt hat die Unterkünfte erweitert und bietet jetzt an der Hermannstraße mehr Einzelzimmer an, um Infektionsrisiken mit dem Coronavirus zu verringern.

Michael Lehnen, Leiter des Wuppertaler Sozialamts, kündigte daher an, dass die Unterkunft an der Friedrich-Ebert-Straße ebenfalls deutlich verbessert werden soll. Die Situation dort, unter anderem mit Schlafsälen und nicht barrierefrei, sei „unbefriedigend“. Um das Ziel zu erreichen, „brauchen wir ganz viel Rückenwind“, sagte er. Wuppertals Sozialdezernent Stefan Kühn betonte, einen Ersatz zu finden, werde nicht leicht sein. Eine Übernachtungsstelle müsse gut erreichbar sein, die baulichen Voraussetzungen müssen stimmen.

Aktuell gibt es in allen Unterkünften Hygiene-Konzepte, es werden medizinische Masken ausgegeben und wöchentlich freiwillige Schnelltests angeboten. Bisher sei dabei keine Infektion entdeckt worden, sagt Juliane Steinhard. Bei den Impfungen gehören Menschen in Obdachlosen-Einrichtungen in die Gruppe 2 – wie Senioren ab 70 Jahren. An einem Konzept zur Impfung der Menschen auf der Straße arbeiteten sie gerade, berichtete Bärbel Mittelmann, Leiterin der Abteilung Sozialplanung in Wuppertal. Dabei setzten sie auf einen Impfstoff, bei dem eine einmalige Dosis zur Immunisierung ausreiche.

Zahlen

Wuppertal: Auf der Straße übernachten in Wuppertal nach Auskunft der Stadt zehn bis 15 Personen. Rund 50 obdachlose Personen sind in Einrichtungen untergebracht. Mehrere Initiativen verteilen derzeit Lebensmittel und Mahlzeiten an Obdachlose. Auch das Sozialmobil der Tafel fährt Obdachlosen-Treffpunkte an.

Remscheid: In Remscheid gibt es eine Notschlafstelle, betrieben von der Caritas an der Schüttendelle. Geöffnet ist sie täglich von 19 bis 8 Uhr.

Solingen: In Solingen gibt es unter anderem die Notübernachtung Bahnstraße in Ohligs und die Notschlafstelle Hermannstraße 10. In allen Städten berät die Wohnungsnotfallhilfe der Kommunen.

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