Pflegemesse

Jetzt fahren Rollstühle auch Treppen hoch

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Der Rollstuhl Scewo kann auch Treppen steigen.

DÜSSELDORF Immer ausgefeilter werden die Angebote der Hersteller für alte und behinderte Menschen.

Ein Rollstuhl auf Augenhöhe mit Nichtbehinderten, intelligente Bälle mit Ratespielen für demente Menschen und ein Roboterarm zum Festmachen unter der Rollstuhllehne – bei der Pflegemesse Rehacare gibt es wieder zahlreiche Neuerungen, die behinderten und pflegebedürftigen Menschen das Leben leichter machen sollen. Die internationale Pflegemesse findet noch bis Samstag in Düsseldorf statt. Zehntausende Besucher werden erwartet, 751 Aussteller zeigen ihre Produkte.

Koch Peter Lammer hat ein Schwebe-System für seine Küche entwickelt.

Pflege und Rehabilitation sind ein Milliardenmarkt: Allein die gesetzlichen Krankenkassen gaben im vergangenen Jahr gut 8,4 Milliarden Euro für Hilfsmittel aus. Hinzu kamen zahlreiche privat finanzierte Produkte. Ziel ist es, dass Menschen mit Einschränkungen so lange wie möglich in der eigenen Wohnung bleiben können. Fast jeder zehnte Deutsche ist schwerbehindert, rund 3,4 Millionen Menschen waren Ende 2017 pflegebedürftig.

Ein Roboter-Arm kann nach einem Lutscher greifen: Solche Neuentwicklungen zeigt die Messe Reha-Care. 

Mobilität ist traditionell das Kernthema der Messe. Neben relativ schweren, komplett elektrischen Rollstühlen kämen zunehmend leichte Zuggeräte in Mode, die sich schnell vor manuelle Rollstühle spannen lassen, sagte Messesprecherin Manuela Preinbergs. Der italienische Hersteller Triride etwa bietet für um die 5000 Euro solche Zuggeräte mit 30 bis 50 Kilometern Rollstuhl-Reichweite an. Das Schweizer Universitäts-Gründerprojekt Scewo hat einen weißen Elektro-Rollstuhl entwickelt, der mit einem Raupensystem Treppen hochfährt und den Einstieg in die Bahn bewältigt. Um die 30 000 Euro ohne Steuern soll das Gerät kosten, wenn es Mitte 2020 auf den Markt kommt.

Digitale Helfer sind ein Trend. So alarmierten Sensoren in Matten oder Böden die Helfer, wenn ein Mensch stürzt. Aus einem Studentenprojekt an der Düsseldorfer Hochschule ist ein Ball hervorgegangen, der im Inneren mit Technik vollgestopft wurde. Der Ball wechselt die Farbe oder spielt Musik, um demente Menschen zu erreichen und zu Bewegungen zu ermuntern. „Alle guten Dinge sind...“, tönt es aus dem Ball. Wenn der Nutzer „drei“ ergänzt, geht das Ratespiel weiter – mit einem Erfolgsgefühl für den Menschen. Die Technik zeichnet auch auf, wie die Nutzer mit dem Ball umgehen. So können Pfleger einen Überblick über deren Fähigkeiten gewinnen.

Koch schwebt nach Motorradunfall per Bügelsitz zu den Töpfen

Menschen mit Querschnittslähmung oder Muskelerkrankungen soll ein Roboterarm aus Bayreuth helfen, sich wieder selbst ein Glas Wasser einzuschütten – gesteuert mit dem Kinn, dem Kopf oder dem Mund. Für die Erstattung des Kaufpreises von 40 000 Euro durch die Krankenkasse gebe es gute Aussichten, sagen die Entwickler. Aber natürlich seien das Einzelentscheidungen.

KRITIK

FINANZIERUNG Nicht alles, was möglich und hilfreich ist, wird auch von der Krankenkasse bezahlt. Das beklagte Manuela Anacker vom Sozialverband VdK NRW. So würden etwa moderne Hilfsmittel wie „intelligente Matratzen“ mit Bewegungsaufzeichnung oder Herdplatten mit Überhitzungsschutz von den Kassen vielfach nicht übernommen. Sie müssten privat bezahlt werden – das bedeute intelligente Hilfe für manche, für weniger finanzstarke dagegen nicht, kritisiert der Sozialverband.

Ein weiteres Hilfssystem Koch Peter Lammer nach seinem Motorradunfall mit Freund Bernhard Tichy entwickelt. „Standing Ovation“ ist ein über Kopf montiertes Schienen-Sytem, in das ein Bügel-Sitz eingehakt wird. Es erlaubt Peter Lammer, zu allen Töpfen und Pfannen in der Küche seines Lokals zu schweben. Peter Lammer: „Ich dachte mir nach dem Unfall einfach: Bevor ich mich aufhänge, hänge ich mich auf.“ In Halle 6 präsentiert er das 30 000 Euro teure System. red/CS

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