Ruhestand

Er ist 38 Jahre lang für andere Menschen durchs Feuer gegangen

Das Ende einer Ära: Peter Schneider war 38 Jahre bei der Solinger Berufsfeuerwehr aktiv. Foto: Tim Oelbermann
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Das Ende einer Ära: Peter Schneider war 38 Jahre bei der Solinger Berufsfeuerwehr aktiv.

SOLINGEN Peter Schneider ist ein Urgestein der Solinger Feuerwehr und bildete unter anderem den Nachwuchs aus. Nun geht er in Ruhestand.

Von Kristin Dowe

Ein wenig liegt die Feuerwehr bei Peter Schneider wohl in den Genen. Schon sein Vater war bei der Berufsfeuerwehr Solingen tätig, sein Großvater in Wuppertal. „Ursprünglich wollte ich gar nicht zur Feuerwehr“, sagt Schneider offen. Wie so oft im Leben kam es anders. Kürzlich wurde er nach 38 Jahren Dienstzeit, in denen er unter anderem als Wachabteilungsleiter und im Bereich der Ausbildung tätig war, von seinen Kameraden in den Ruhestand verabschiedet.

Zur Feuerwehr gelangte der Walder auf Umwegen. Bei seinem Start ins Berufsleben absolvierte er zunächst eine Ausbildung als Werkzeugmacher und Berufsmechaniker bei Krups. Nachdem er später zwischenzeitlich als Zeitsoldat gearbeitet hatte, musste er sich Anfang der 80er Jahre beruflich neu orientieren.

Schon als Kind ging er auf der Wache ein und aus

Schließlich bewarb er sich doch bei der Feuerwehr in seiner Heimatstadt – und bestand prompt den Eignungstest. Sein neues berufliches Umfeld war für ihn vertrautes Terrain. „Wir haben früher am Schimmelbuschweg gewohnt und ich bin als Kind auf der Wache ein und aus gegangen. Das waren quasi alles meine Väter“, sagt Schneider, der selbst Vater von zwei Töchtern ist. Die Entscheidung für die Feuerwehr habe er nie bereut. „Ich möchte gerne Werbung für die Feuerwehr machen. Es ist ein faszinierender und hoch interessanter Beruf.“ Wenn auch einer, der ihm über die Jahre viel abverlangt hat. So viele Einsätze, bei denen es um Leben und Tod ging, bei denen er verzweifelte Angehörige nach einer schlimmen Nachricht trösten musste.

„Ich hätte gut noch ein paar Jahre weiterarbeiten können.“
Peter Schneider über seinen Ruhestand

Ein Fall ging ihm dabei besonders unter die Haut: 2017 wurde er an Heiligabend zu einem Einsatzort gerufen, wo sich eine junge Frau in einer medizinischen Notlage befand und plötzlich verstarb. „Ich habe dann erfahren, dass es sich um die beste Freundin meiner Tochter handelte. Da überlegt man schon, wie man mit einer solchen Sache umgeht.“ Schließlich habe seine Frau der Tochter die traurige Neuigkeit überbracht. „Es gibt Feuerwehrleute, die nicht an ihrem Wohnort tätig sein möchten. Es hat aber auch Vorteile, die Leute in der Stadt zu kennen.“

Nie vergessen wird er auch den 29. Mai 1993, als er als Notarztfahrer zu einem Einsatz an der Unteren Wernerstraße ausrücken musste. Der rechtsextrem motivierte Brandanschlag auf ein Wohnhaus forderte das Leben von zwei türkischen Frauen und drei Mädchen – nach der Tat kam die Stadt jahrelang nicht wirklich zur Ruhe. „Ich habe die Kinder schreien hören“, sagt Schneider. Die Ereignisse hätten sich tief in seine Seele gebrannt.

Sorge, dass er sich im Ruhestand langweilen könnte, hat er unterdes nicht. So engagiert er sich etwa bei der Solinger Freiwilligenagentur (SoFrei) als Berater und treibt gerne Sport. „Ich hätte gut noch ein paar Jahre weiterarbeiten können. Aber es ist auch mal ganz schön, wenn nachts der Melder nicht geht.“

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