Geschäftssterben in den Innenstädten

Wuppertaler Immobilien-Standort-Gemeinschaft: „,Mentalität der Kunden lässt Geschäfte sterben“

Die Schließung von McPaper am Werth wird im Schaufenster angekündigt. Ein Nachmieter könnte schon in den Startlöchern stehen.
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Die Schließung von McPaper am Werth wird im Schaufenster angekündigt. Ein Nachmieter könnte schon in den Startlöchern stehen.

Wuppertal. Die Immobilien-Standort-Gemeinschaft für Wuppertal-Barmen kritisiert das Konsumverhalten der Kunden.

Von Martin Lindner

Die Geschäftslandschaft am Werth in Wuppertal-Barmen wird ein Stück weit weniger vielfältig. Der Schreibwarenladen Mc Paper wird demnächst seine Pforten schließen. Laut Informationen unserer Redaktion könnte ein weiteres namhaftes Geschäft am Werth in naher Zukunft zumachen. Das Unternehmen äußerten sich nicht zu diesem Thema: „Zum jetzigen Zeitpunkt möchten wir hierzu keine Stellungnahme abgeben und bitten um Ihr Verständnis“, hieß es.

„Es ist zu befürchten, dass in kurzer oder späterer Zukunft weitere vertraute Geschäfte schließen.“

Hans-Hermann Lücke, Bezirksbürgermeister von Barmen

Thomas Helbig, Geschäftsführer der ISG (Immobilien-Standort-Gemeinschaft) Barmen-Werth, erklärte auf Nachfrage, dass seines Wissens nach das Gebäude, in dem Mc Paper seine Filiale hat, den Eigentümer gewechselt habe und der neue Vermieter das Objekt renovieren wolle – was möglicherweise zu höheren Mietforderungen führen könne. „Ich habe aber keine Bedenken, dass sich schnell ein Nachfolger finden wird“, sagt er. Die Lage gegenüber dem Extrablatt und in der Nähe des Rathauses sei „super“ und werde im Wert steigen, sobald die Neugestaltung des Werth abgeschlossen ist.

An der Stelle von Mc Paper könnte er sich sehr gut einen Textilhandel, beispielsweise mit Second-Hand-Kleidung vorstellen. Einen Gastronomiebetrieb würde er ausschließen, das passt seiner Ansicht nach nicht gut und würde eine Nutzungsänderung erfordern. Ihn stimmt zuversichtlich, dass der Objekteigentümer bisher kein Geld aus dem Soforthilfeprogramm des Landes NRW beantragt hat. Das ist für ihn ein Anzeichen, dass schon eine neue Vermietung anstehen könnte.

Helbig wirft der „Geiz-ist-geil-Mentalität“ vor, zum Geschäftssterben in den Innenstädten beizutragen. Ebenso mache die Pandemie Einzelhändlern das (Geschäfts-)Leben schwer, weil Kunden aufgrund von Kontaktbeschränkungen verunsichert sind. Bei Reisebüros sei die Lage besonders dramatisch, weiß Helbig. Die andauernde Ungewissheit treibe viele Betriebe finanziell an ihre Grenzen.

Hans-Hermann Lücke, Bezirksbürgermeister von Barmen, empfindet es als schade, dass Mc Paper die Fahnen streicht. „Es ist zu befürchten, dass in kurzer oder späterer Zukunft weitere der vertrauten Werth-Geschäfte schließen“, sorgt er sich. Den Grund dafür sieht er im Konsumverhalten. „Würden die Menschen bei Menschen, also im stationären Handel, einkaufen, dann blieben die Geschäfte und dann kämen sogar neue Geschäfte auf dem Werth hinzu“, wünscht er sich. „Gleiches gilt für die Gastronomie. Gäbe es am Werth mehr Interesse an Gastronomie, dann würden sich dort weitere Restaurants und Cafés ansiedeln.“

Lücke glaubt nicht, dass die aus seiner Sicht beklagenswerte Entwicklung des Einzelhandels unbedingt mit Corona zusammenhängt. „Sicher hat sie in vielen einzelnen Fällen dazu geführt, dass einzelne Geschäfte aufgeben mussten“, bestätigt er. Aber der Trend zu Leerständen in den Shopping-Meilen habe schon vor der Pandemie begonnen, da zu viele Einkäufe im Netz getätigt werden – oder sich in Einkaufsparks mit vielen Parkplätzen verlagert haben.

„Die Politik arbeitet daran, neue Profile für die Innenstädte zu entwickeln. Das gilt insbesondere auch für Barmen und für den Werth“, sagt Lücke. Er verweist auf ein Sofortprogramm, bei dem Fachleute aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung über innovative Nutzungsideen für leerstehende Geschäftslokale beraten.

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