Wohnraum

In Wuppertal stehen 10.000 Wohnungen leer

Während private Wohnungseigentümer klagen, häufig lange nach geeigneten Mietern suchen zu müssen, gibt es in Hochhäusern – hier am Rehsiepen – oftmals Leerstand.
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Während private Wohnungseigentümer klagen, häufig lange nach geeigneten Mietern suchen zu müssen, gibt es in Hochhäusern – hier am Rehsiepen – oftmals Leerstand.

Wuppertal. Der Immobilien-Boom sorgt unterdessen für mehr Sanierungen.

Von Claudia Kasemann

Klingelschilder ohne Namen, dunkle Räume ohne Möbel, verwaiste Häuserfronten: Viele unbewohnte Wohnungen gab es in Wuppertal über die Jahrzehnte. Das hat sich geändert. Der Leerstand im Stadtgebiet ist deutlich weniger geworden. Waren es zu Spitzenzeiten 2015 noch rund 13 600 leerstehende Wohnungen, so ist seitdem ein spürbarer Rückgang zu verzeichnen, teilt das zuständige städtische Ressort Bauen und Wohnen des Beigeordneten Arno Minas mit. Trotzdem sind es noch etwa 10 500 leerstehende Wohnungen, die man dort 2020 registrierte.

Die Gründe, warum Wohnungen leer stehen, sind vielfältig. Es kann um vermeintlich gute oder schlechte Lagen gehen, um Ausstattungsmängel oder Renovierungsstau. Doch es gibt noch andere Faktoren als bauliche Unzulänglichkeiten. Oftmals kommen in einer Stadt wie Wuppertal trotz signifikanten Leerstands schlicht Angebot und Nachfrage nicht zusammen. Etliche, vor allem private Wohnungseigentümer suchen lange, bis sie geeignete Mieter finden.

„Es ist nicht einfach, verlässliche Mieter zu finden.“

Katja Hoffmann (anonymisiert), Wohnungseigentümerin

Eine von ihnen ist Katja Hoffmann, (Name von der Redaktion geändert), die am beliebten Elberfelder Ölberg zwei Wohnungen mit je zwei Zimmern vermieten könnte.„Aber es ist nicht einfach, verlässliche Mieter zu finden“, sagt sie und berichtet von Interessenten, die sich nach erfolgreichem Besichtigungstermin und sogar einer Zusage einfach nicht mehr meldeten oder solchen, die falsche Angaben über sich und ihre berufliche Situation machten. So könne eine Wohnung teils über Wochen leer stehen.

Das andere Apartment will sie verkaufen, doch der Kaufinteressent will erst Anfang des kommenden Jahres zuschlagen. Bis dahin lohnt sich keine Neuvermietung.

Auf der anderen Seite gibt es genügend potenzielle Mieter, die nicht fündig werden. So wie die Buschkamps: Lange hat die junge Familie mit zwei kleinen Kindern nach einer mindestens vier Zimmer großen Wohnung in Elberfeld gesucht und nichts für sie Passendes gefunden. Da waren Kompromisse nötig, sagt Hendrik Buschkamp. „Es gibt auch große freie Wohnungen. Aber Zustand und Lage sind dann nicht immer das, was man sich vorstellt. Vor Kurzem waren wir am Rott, fünf Zimmer, bezahlbar. Vor Ort sah die Wohnung dann aber ziemlich heruntergekommen aus.“

Der Immobilien-Boom macht indes auch vor Wuppertal nicht halt. „Die Leerstandsquote sinkt kontinuierlich und lag im vergangenen Jahr bei 5,3 Prozent“, teilt das Ressort Minas mit. „Laut Wohnungsmarktforschung ist eine Quote von etwa drei bis fünf Prozent angemessen.“

Doch was sind das für Wohnungen, die leer stehen, und wo befinden sie sich? „Aus unserer Erfahrung handelt es sich in Wuppertal am häufigsten um Leerstände in unsanierten Geschosswohnungsbauten beziehungsweise Mehrfamilienhäusern, besonders in Altbauten mit einem Baujahr bis 1918“, so Minas. Das bestätigt auch Hermann Josef Richter, Vorsitzender von Haus und Grund Wuppertal und Umgebung: Bis 1959 gebaute Wohnungen seien ebenfalls betroffen. „Eine starke Zunahme verzeichnen wir aber auch bei Hochhäusern mit 40 und mehr Einheiten“, so Richter: „Hier liegt die Quote bei 8,5 Prozent, Beispiel Rehsiepen.“ Räumlich konzentriert sich der Leerstand laut Stadt einerseits auf Gebiete entlang der Talachse, in Teilen Elberfelds und des Wuppertaler Ostens, so Minas.

Mit Leerstandsquoten von mehr als sieben Prozent waren 2020 insbesondere Gründerzeit- und Altbauviertel in Bereichen Wichlinghausens, des Arrenbergs, im Rauental und von Elberfeld-Mitte betroffen, so das Fachressort. Ferner Bereiche Berghausens, Herbringhausens und Beyenburg in peripherer Lage sowie gewerblich geprägte Quartiere wie Industriestraße oder auch Buchenhofen.

Aufenthalts- und Freizeitwert muss in den Quartieren steigen

„Städtebauliche Aufwertungen in den Quartieren durch Stadterneuerungsprogramme tragen ganz sicher zur Steigerung der Attraktivität bei“, schlägt das Ressort vor, „auch das soziokulturelle Umfeld spielt häufig eine Rolle. Gerade wenn sich in Stadtteilen der Aufenthalts- und Freizeitwert erhöht, steigt auch das Interesse an Wohnungen.“ Eigentümern empfehle sich gezielte Beratung zu Modernisierung und energetischer Sanierung. Daneben sei eine gute Integrationspolitik wichtig, die Wuppertal mit bezahlbaren Wohnungen für Migranten interessant mache.

Das betont auch Sozialdezernent Stefan Kühn, der bei der Unterbringung insbesondere auch auf private Wohnungseigentümer setzt. Hermann Josef Richter gibt zu bedenken, dass sich in sozial schwierigen Wohngebieten eine kostendeckende Vermietung oftmals schwierig gestalte: „Der notwendige Renovierungsaufwand rechnet sich mittelfristig nicht, vielfach sind Wohnungen nach dem Auszug von Mietern extrem renovierungsbedürftig.“ Einseitige Strukturen verhinderten Integration: „Die Stadt sollte diesem Thema mehr Aufmerksamkeit schenken.“

Hintergrund

Erfassung: Festgestellt wird ein Leerstand in Wuppertal nach der Stromzählermethode, bei der als Indikator für eine leerstehende Wohnung ein jährlicher Stromverbrauch von unter 200 kWh pro Jahr festgelegt wird. Im Jahr 2021 dürfte der Wert auch aufgrund des anhaltenden Booms zurückgegangen sein, Angaben fehlen indes bislang.

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