Mobilität

In Wuppertal bleiben viele Busse stehen

Der Busbahnhof am Döppersberg: Die WSW wollen weiterhin vermeiden, ganze Linien zu streichen.
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Der Busbahnhof am Döppersberg: Die WSW wollen weiterhin vermeiden, ganze Linien zu streichen.

Wuppertal. Hoher Krankenstand und Nachwuchssorgen bereiten der Nachbarstadt Probleme.

Von Anne Palka

Weil nicht genug Busfahrer einsetzbar sind, um den ganzen Fahrplan abzudecken, lassen die Wuppertaler Stadtwerke gezielt Fahrten ausfallen. Zunächst war dies bis Herbst vorgesehen – doch weil keine Entspannung in Sicht ist, werden derzeit die nächsten Ausfälle geplant. „Wir hatten gehofft, dass sich die Situation in den Herbstferien bessert, aber das wird sie nicht“, sagt Sabine Schnake von den WSW. Auch nach den Ferien werde sie angespannt bleiben. „Das ist keine schöne Situation, für die Kunden und auch für uns.“

Die Ausfälle werden bereits Tage vorher geplant, damit die Fahrgäste sich im Internet informieren können, ob ihre Verbindung betroffen ist. In den Handy-Apps von WSW, VRR und Bahn, in der Fahrplanauskunft und auf dem Abfahrtsmonitor werden nur die Fahrten angezeigt, die tatsächlich stattfinden. „Wir wollen über die Kommunikation noch mal nachdenken“, sagt Sabine Schnake. Es sollen Wege gefunden werden, um die Fahrgäste besser zu informieren.

„Das bekommen wir nicht mehr ausgeglichen.“

Sabine Schnake (WSW) betont, dass man kein Personal findet

Die Liste der Fahrten, die ausfallen, ist komplex – denn die Stadtwerke wollen vermeiden, ganze Linien zu streichen. „Deshalb nehmen wir einzelne Fahrten raus, wo der Takt dichter ist und wo es Parallelverbindungen gibt“, erklärt Sabine Schnake. „Wir versuchen, den Schaden so gering wie möglich zu halten.“ Weil Busse nicht den ganzen Tag auf einer einzigen Linie unterwegs sind, kann es trotzdem  passieren, dass ungünstige Verbindungen betroffen sind, zum Beispiel Schülerfahrten.

Für Schüler werden seit Montag sogar zusätzliche Fahrten angeboten. Dafür nutzen die Stadtwerke Fördergeld des Landes. Schnake zum Entlastungsangebot: „Wir müssen uns aber ernsthaft fragen, ob wir dieses zusätzliche Angebot so fahren können.“

Die planbaren Ausfälle hält Sedat Ugurmann (SPD), Vorsitzender des Verkehrsausschusses, „in dieser Situation doch für recht klug.“ Er sagt aber auch: „Es sind extreme Eingriffe in die Lebenswirklichkeit, wenn Menschen beispielsweise nicht pünktlich zur Arbeit kommen, weil der Bus ausfällt.“ Er habe „absolut nicht den Eindruck, dass die Stadtwerke nicht willens sind, dieses Problem zu lösen.“

Als „sehr betrüblich“ bezeichnet Axel Sindram, Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn im Bergischen Land, die Situation. „Der Personalstamm wurde zu klein geplant, es gibt zu geringe Reserven.“

Nun würde er eine Lösung bevorzugen, die für die Fahrgäste eine gewisse Regelmäßigkeit hat, dass beispielsweise jede dritte Fahrt auf bestimmten Linien ausfällt. Außerdem schlägt er vor, regelmäßig nach Samstagsfahrplan zu fahren, bei dem die Anschlüsse passen, statt einen „Stolper-Takt“ zu haben – obwohl Verbindungen alle 30 Minuten in einer Stadt der Größenordnung von Wuppertal zu wenig seien. „Das müsste man alles mal durchrechnen.“

Um ausfallende Fahrten ein wenig auszugleichen, könne man überlegen, die CE-Busse an mehr Haltestellen stoppen zu lassen, schlug Ortspolitikerin Andrea Knorr (CDU) vor. „Das haben wir diskutiert, aber ich werde das noch mal mitnehmen“, sagte Sabine Schnake. „Wir wollen das System der Schnellbusse nicht verwässern.“ Man könne sich kein Personal aus den Rippen schneiden, so Knorr – aber es sei „Zeit, das noch anders zu überbrücken und kreativ zu werden“.

Christina Stausberg (SPD) fragte, ob die WSW mit privaten Busunternehmen zusammenarbeiten könnten. „Wir wollen die Verkehrswende. Da versteht keiner, dass die öffentlichen Verkehrsmittel wegbrechen.“ Das Problem betreffe die ganze Branche, antwortete Schnake. Auch der Verband deutscher Verkehrsunternehmen befasse sich damit. Die Stadtwerke hätten 15 zusätzliche Stellen geschaffen, jedoch kein Personal dafür gefunden. Auch die Fluktuation nehme zu. „Das bekommen wir nicht mehr ausgeglichen.“ Deshalb versuchten die WSW nun, Quereinsteiger anzuwerben; sie finanzieren den Führerschein, der vier bis sechs Monate benötigt. Die WSW wollen Lastwagenfahrer oder Alleinerziehende in Teilzeit gewinnen.

Bis sich die Situation normalisiert hat, könne es dauern, sagt Schnake. So müssten auch viele einsatzbereite Fahrer  Überstunden abbauen und angesammelten Urlaub nehmen.

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