Nach dem Hochwasser

In Solingen-Unterburg türmt sich der zerstörte Hausrat

Fahrzeuge der Technischen Betriebe Solingen (TBS) und von freiwilligen Helfern auf der Wupperbrücke – sie zeigen die Dimension, was an Technik gebraucht wird. Fotos: Michael Schütz
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Fahrzeuge der Technischen Betriebe Solingen (TBS) und von freiwilligen Helfern auf der Wupperbrücke – sie zeigen die Dimension, was an Technik gebraucht wird.

Anwohner sind von der Hilfsbereitschaft überwältig und retten, was noch zu retten ist.

Von Philipp Müller

Solingen. Krasser konnte der Gegensatz gestern in Unterburg kaum sein. Über die Müngstener Straße flanierte ein Pärchen in blütenweißen Schuhen entlang der Trümmer. Schräg gegenüber tropfte den Mitarbeitern der Technischen Betriebe Solingen (TBS) Schweiß von der Stirn ins durchnässte Hemd. Von den Schaulustigen sind alle Anwohner genervt. Sie wuchteten mit Familienangehörigen und freiwilligen Helfern Teile ihres Lebens aus den nassen Kellern – das verschwand im eisernen Schlund der Sperrgutfahrzeuge.

So wie hier an der Müngstener Straße sah es an sehr vielen Stellen aus.

Das ganze Ausmaß des verlorenen Hausrats wurde am Sonntag nochmals deutlich. Von der Hasencleverstraße über die Eschbachstraße, die Müngstener Straße, Wupperinsel und Mühlendamm standen die Überreste der Flutnacht meterhoch am Straßenrand. Nicht nur normaler Hausrat, auch zerstörte Gartenhäuser waren zu sehen. Tresen aus der Kellerbar, Regale, kaputte Fenster, zersplitterte Möbel gehörten dazu.

„Montagnachmittag sind wir nach der Arbeit wieder da.“

Ein Mitarbeiter der TBS

In der Müngstener Straße stauten sich immer wieder Lkw der TBS – manchmal auch von einem radelnden Hochwassertouristen aufgehalten, der sich mit dem Satz „Ich muss da mal eben durch“ vordrängelte. Bis 17 Uhr waren die Männer gestern mit allem im Einsatz, was die TBS zu bieten hatten. Dann freuten sie sich auf den Feierabend – einfach mal schlafen, denn schon heute wird im gesamten Stadtgebiet wieder der Hausmüll und das Sperrgut abgefahren. „Montagnachmittag sind wir nach der Arbeit wieder da, das ist Ehrensache“, erzählte einer aus der Sperrgut-Kolonne.

Doch nicht nur Einrichtungsgegenstände sind kaputt, nass und nicht mehr zu gebrauchen. Am Mühlendamm wird ein Haus eventuell abgerissen werden müssen, der Eschbach hatte das halbe Kellergeschoss mitgenommen. Die Straße Mühlendamm ist für Autos nicht mehr passierbar in diesem Bereich – mehr als ein Meter Eschbach-Böschung fehlen dort. Und an der Müngstener Straße ist ziemlich am Ende eine kleine Siedlung mit fünf Häusern betroffen, die eingeschossigen Bauten standen fast bis zur Dachkante unter Wasser.

Für die Crews der TBS war gestern und Samstag Arbeit weit über dem Anschlag angesagt.

Die Hilfsbereitschaft, so etwas wie erste Ordnung in das Chaos zu bringen drückte sich nicht nur durch helfende Hände aus. Die Crew vom „Burgnarr“ aus Oberburg brachte gestern Spaghetti Bolognese für die Helfer. Auch belegte Brötchen und Kuchen kamen als Spende immer wieder an, berichten viele Anwohner mehr als dankbar.

Heute wird das Aufräumen fortgesetzt. Noch immer sind nicht alle Keller und Gebäude ausgeräumt. Wenn die große TBS-Crew heute um 16 Uhr wieder vor Ort ist, dann wird es erneut Tonnen an zu entsorgenden Gütern geben. Aber sie machen das gerne, weil es eben „Ehrensache“ ist.

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