Ungewöhnlich

In Burg gibt es Weihnachten im Mai

Die Bläsergruppe „Göt net“ kommt aus Venray in den Niederlanden spielte in weihnachtlichen Kostümen.
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Die Bläsergruppe „Göt net“ kommt aus Venray in den Niederlanden spielte in weihnachtlichen Kostümen.

Solingen. Die ungewöhnliche Veranstaltung sollte ein kleiner Ersatz für die Händler nach der Corona-Zeit sein.

Von Andreas Römer

Weihnachten im Mai – gibt’s nicht! Gibt’s doch! Und zwar in Solingen-Burg. Alleine die Ankündigung hatte für einige Aufmerksamkeit auch in überregionalen Medien gesorgt. Oberhalb von Schloss Burg auf dem Sportplatz an der Talsperrenstraße hatten Organisator Helmut Steinbock und der Schlossbauverein tatsächlich einen Weihnachtsmarkt aufgebaut. „Wir als Händler brauchen dringend Feste“, sagte Steinbock.

Er selbst sieht mit seinen weißen Haaren und dem weißen Vollbart selbst ein bisschen wie der Weihnachtsmann aus. Den wollte er aber auf dem Markt gar nicht sehen. „Hier kommen ja die Kinder – und ein Weihnachtsmann im Sommer geht gar nicht. Weihnachten ist immer noch Weihnachten.“

Auch die rund 100 Tannenbäume hatten als Schmuck maximal eine Weihnachtsmütze auf der Spitze. Übertreiben wollte Steinbock es eben auch nicht. Außerdem kommen die Bäume gleich am Montag ins Elefantenhaus im Wuppertaler Zoo und dann darf da auf keinen Fall etwas dran sein.

Aber sonst fand man vieles, was man auf einem Weihnachtsmarkt erwartet: Kettenkarussell, Schlittschuh- und Eisstockschießbahn – auf Kunststoffplatten statt auf Eis – Glühweinstand, gebrannte Mandeln, Waffeln oder Bratwurst. Daneben jede Menge Verkaufsstände mit Marmeladen oder Likören, mit Tüchern, handgefertigten Lampen, Schmuck, Taschen, Deko-Artikeln, Holzfiguren und tatsächlich auch Weihnachtstassen. Ein Schild wies darauf hin: noch 217 Tage bis Weihnachten.

Glühwein gab es auchin der kalten Variante

Der Weihnachtsmarkt im Mai konnte erst Samstag starten, da wegen des Unwetters der Freitag abgesagt werden musste. „Die Sicherheit unserer Kunden und Besucher geht immer vor“, sagte Helmut Steinbock, auch wenn es natürlich ein Tag weniger Umsatz war, den die Händler so dringend brauchen. Dafür war es am Samstag gut besucht, ohne nervig voll zu sein. Das Gedränge, wie wir es von vielen Weihnachtsmärkten im Dezember kennen, gab es nicht.

Die meisten Besucher fanden es großartig. Da schmeckte auch der Glühwein – man konnte ja auch auf die kalte Variante ausweichen. Einige waren sich nicht so ganz darüber im Klaren, was sie davon halten sollen. Da war die Band aus den Niederlanden, die im Weihnachtsmannkostüm spielte – aber keine Weihnachtslieder. Vom Kettenkarussell dagegen dröhnte „Let it snow“.

65 Händler waren dem Ruf der Organisatoren gefolgt und präsentierten sich auf dem Weihnachtsmarkt im Mai. Nicht alle waren nur glücklich. Zwar freuten sie sich über die Chance, mal wieder etwas verkaufen zu können, schließlich seien so viele Veranstaltungen zuvor ausgefallen. Aber man hätte das lieber auf Schloss Burg gemacht, dort wäre die Atmosphäre sicher noch besser gewesen. Und schließlich war wohl auch nicht jedem klar, dass die Besucher, um überhaupt an den Stand kommen zu können, am Eingang 10 Euro Eintritt berappen müssen. Der eine oder andere war dazu auch nicht bereit und ging wieder.

Trösten konnten sich die Händler aber mit den Hardcore-Weihnachtsmarktfans. Kai mit Frau Sabine sowie die Freundinnen Sandra und Melanie waren mit Weihnachtsbaumhüten, Weihnachtsmützen und großen Weihnachtsbrillen aus dem Ruhrgebiet angereist, um das echte Weihnachtsmarktgefühl mit Glühwein zu erleben.

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