Schnäppchenjagd

Hunderttausende trödeln unter der Schwebebahn

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Sandra Schulz (r.) hatte beim Verkaufen sichtlich Spaß.

WUPPERTAL Bereits in der Nacht zu Sonntag begann die Schnäppchenjagd in Wuppertal-Vohwinkel. An den mehr als 300 Ständen konnten Trödelfans stöbern.

Von Eike Birkmeier

Da kommt die kleine Lilli ganz groß raus. Mit ihren neuen Stelzen hat die Siebenjährige gleich eine viel bessere Übersicht über die Trödelmeile. Auch das Balancieren klappt schon ganz gut, zumal Schwestern Paula (7) und Frida (5) beim Halten des Gleichgewichts assistieren. Mutter Martina Rüdel-Hahn freut sich darüber, dass die Neuerwerbung beim Nachwuchs so gut ankommt. „Das war ein echtes Schnäppchen“, berichtet die Vohwinkelerin. Nicht nur für sie und ihre Familie lohnte sich ein Bummel über die Wuppertaler Kaiserstraße.

Dort lockte der Vohwinkeler Flohmarkt mit einer riesigen Auswahl von Trödel aller Art. An den rund 300 Ständen gab es so manches Liebhaberstück zu entdecken. Kultige Analogverstärker und seltene Vinylplatten wurden neben der kompletten Skiausrüstung feilgeboten. Nicht weit entfernt warteten Omas Pelz und bunte Blumenvasen auf Käufer.

Komplettiert wurde die tolle Kulisse von einem wolkenlosen Himmel mit strahlendem Sonnenschein. Das sorgte für viel Betrieb auf der Festmeile zwischen Kaiserplatz und Hammerstein. Nach Schätzungen der Organisatoren waren hier über 200.000 Besucher unterwegs. Sie genossen die entspannte Stimmung.

„Der Flohmarkt ist einfach Pflichtprogramm“, findet Stammgast Thomas Tauscher. Früher war er auch selbst mit einem eigenen Stand dabei. Mittlerweile tragen seine Söhne Jannis (10) und Jonas (11) die Tradition weiter. Zusammen mit vielen anderen Kindern beteiligten sie sich beim Trödelspaß mit eigenen Auslagen an den Schwebebahnschürzen. Besonders die Produkte namhafter Markenhersteller waren hier gefragt. Kräftig gehandelt wurde beim Nachwuchs natürlich ebenfalls. Am Ende konnten sich die Kinder mit ihren alten Spielsachen und einigem Verkaufsgeschick das Taschengeld aufbessern. 

Temperaturen in der Nacht waren eine Herausforderung

Andere Besucher nutzten den Flohmarkt, um dem Stadtteil mal wieder einen Besuch abzustatten. „Ich bin hier aufgewachsen, wohne aber schon lange nicht mehr in Vohwinkel“, erzählt Birgit Rosentreter. Für sie ist das Trödelspektakel ein Stück Heimat. So geht es zahlreichen Besuchern und Ausstellern, die jedes Jahr wiederkommen. Schon in der Nacht von Samstag auf Sonntag war auf der Kaiserstraße jede Menge los. Im Schein der Taschenlampen wurden die Auslagen kritisch begutachtet. Gut vorbereitete Schnäppchenjäger hatten gleich einen Bollerwagen mitgebracht, um auch größere Stücke verstauen zu können.

POLIZEI

Nach Auskunft der Polizei gab es für die Ordnungskräfte in der Flohmarktnacht relativ wenig zu tun. Ein Wermutstropfen beim Festwochenende war auch wieder der Müll im Stationsgarten, den stark alkoholisierte Feiernde in der Nacht von Samstag auf Sonntag hinterließen.

Die Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt stellten in der Nacht aber gerade für die Standbesitzer eine Herausforderung dar. „Das war richtig kalt“, berichtet Thomas Schulz, der zusammen mit Ehefrau Sandra Schulz seit den frühen Morgenstunden ausharrte. Die Vohwinkeler Händler behalfen sich mit heißem Tee und Glühwein. Immerhin florierte das Geschäft und die Nachfrage an gut erhaltenen Haushaltswaren war groß. Nebenan hatte Boris Lüngen mit einer originalen Maske aus Thailand einen echten Blickfang zu bieten. „Die soll eigentlich böse Geister vertreiben, aber in erster Linie zieht sie viele Leute an“, erzählt er schmunzelnd. Später fand sich auch für das außergewöhnliche Stück ein Abnehmer.

Als die Sonne über der Trödelmeile aufging, waren alle Beteiligten müde, aber glücklich. An Schlaf war auch für Hauptorganisator Frank Varoquier nicht zu denken. Etwas mitgenommen von der langen Nacht, aber gut gelaunt eröffnete er am Vormittag offiziell den Flohmarkt. „Es ist wirklich sehr gut gelaufen“, berichtet er.

Oberbürgermeister Andreas Mucke (SPD) und Bezirksbürgermeister Heiner Fragemann (SPD) lobten den Einsatz der ehrenamtlichen Helfer und die gute Resonanz. „Trotz Internet haben die Leute nach wie vor Spaß am Stöbern und Handeln“, freut sich Mucke. „Die Kaiserstraße bei Kaiserwetter, besser geht es nicht“, findet Heiner Fragemann. 

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