Wohnungen für Obdachlose

Housing First: Wohnen ist ein Menschenrecht

Ein neues Konzept sieht vor, Obdachlosen eine Wohnung zu vermitteln.
+
Ein neues Konzept sieht vor, Obdachlosen eine Wohnung zu vermitteln.

Wuppertal stellt ein Konzept für ein Modellprojekt für Obdachlose mit zwölf Wohnungen nach neuem Ansatz vor.

Von Katharina Rüth

Wuppertal. Mit großer Zustimmung hat der Sozialausschuss das „Housing-First-Konzept“ der Verwaltung zur Kenntnis genommen. Das sieht vor, in einem Modellprojekt zwölf obdachlosen Menschen erst eine Wohnung zu vermitteln und dann weitere Unterstützung anzubieten. Bisher werden zunächst psychische Probleme, Sucht oder Schulden bearbeitet, erst dann eine Wohnung vermittelt. 162 000 Euro pro Jahr würde die Umsetzung des Konzepts kosten. Die Politik muss entscheiden, ob sie im nächsten Haushalt Geld dafür bereitstellt.

Im Frühjahr 2022 hatten Sozialausschuss und Rat die Entwicklung des Konzepts in Auftrag gegeben. Ziel ist, die Zahl obdachloser Menschen in Wuppertal zu senken. Juliane Steinhard, Sozialplanerin für den Bereich Wohnungslosigkeit bei der Stadt, stellte das mit der Diakonie und der Wohnungsbaugesellschaft GWG erarbeitete Konzept vor. Danach soll die Betreuung der Menschen in den Wohnungen nach zwei Modellen erfolgen: eine niedrigschwellige Begleitung durch einen Sozialarbeiter, der die Betroffenen regelmäßig besucht, auf Beachtung der Mieterpflichten achtet und weitere Unterstützung anbietet. Für die Betreuung von zwölf Klienten ist dafür eine Stelle eingeplant. Wird eine Betreuung in Form von „Ambulant betreutes Wohnen“ eingerichtet, wird diese über den Landschaftsverband Rheinland finanziert.

„Wir wollen möglichst wenige Kriterien für die Mieter aufstellen.“

Juliane Steinhard, Sozialplanerin

Wichtiger Baustein des Konzepts ist das Finden geeigneter Wohnungen. Denn den obdachlosen Menschen sollen normale Wohnungen vermittelt werden, für die sie einen normalen Mietvertrag unterschreiben. Aus dem Projekt „WOW – Wohnungsvermittlung für wohnungslose Wuppertaler“ der Diakonie kennt man den Aufwand für die Akquise. Zudem bräuchten Vermieter auch nach Abschluss des Mietvertrags dauerhaft einen Ansprechpartner. Das Konzept sieht eine halbe Stelle dafür vor. Insgesamt werden die Personalkosten mit rund 102 000 Euro pro Jahr beziffert. Zudem ist vorgeschlagen, einen Ausfallfonds von 60 000 Euro für zwölf Wohnungen einzurichten, um Mietausfälle, mögliche Schäden an den Wohnungen oder Räumungskosten zu übernehmen. Das soll potenziellen Vermietern mehr Sicherheit geben.

Mit dem Verein „chance! Wuppertal – vision:teilen“ hat ein erster Verein zwei Wohnungen für das Projekt zur Verfügung gestellt. Das nimmt Juliane Steinhard als gutes Zeichen. Sozialdezernent Stefan Kühn berichtete, dass es bei der GWG Überlegungen gebe, bis zu zehn Wohnungen bereitzustellen – abhängig von den Bedingungen. „Das Signal ist: ,Wir sind dabei‘“, so Kühn.

Janine Weegmann (CDU) fragte nach zusätzlichen Möglichkeiten der Finanzierung: „Inwieweit wird Fundraising berücksichtigt?“ Juliane Steinhard erklärte, das Einwerben von Spenden, könne auch die Person übernehmen, die die Wohnungsakquise betreibe.

Ioannis Stergiopoulus (SPD) fragte nach den Kriterien für die Vergabe der Wohnungen. Juliane Steinhard nannte als einen Faktor die Finanzierbarkeit, wofür die Betroffenen Anspruch auf staatliche Leistungen haben müssten. Damit seien etwa 30 bis 40 Prozent der Wohnungslosen nicht erfasst, weil sie aus dem Ausland kommen und ohne Arbeit keinen Anspruch auf staatliche Leistung haben. „Wir wollen möglichst wenige Kriterien aufstellen“, erklärte Steinhard. „Die Grundannahme ist: Wohnen ist ein Menschenrecht.“

Hintergrund

Historie: Der Ansatz „Housing First“ wurde in den 90er-Jahren in den USA entwickelt und finde in Deutschland immer mehr Beachtung, heißt es im Konzept.

Erfolgsmodell: Auswertungen zeigten Erfolgsquoten von 80 bis 97 Prozent.

Vermieter: Wer Wohnungen an Wohnungslose vermieten will, kann Diakonie und das Projekt WoW telefonisch unter 264 774 29 kontaktieren oder per Mail an: wow@diakonie-wuppertal.de

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Rúrik Gíslason klagt am Wuppertaler Gericht für sein „Let’s Dance“-Honorar
Rúrik Gíslason klagt am Wuppertaler Gericht für sein „Let’s Dance“-Honorar
Rúrik Gíslason klagt am Wuppertaler Gericht für sein „Let’s Dance“-Honorar
Schaurig schön: Die Halloween-Party in der Alten Schlossfabrik
Schaurig schön: Die Halloween-Party in der Alten Schlossfabrik
Schaurig schön: Die Halloween-Party in der Alten Schlossfabrik
Eine Schwebebahn aus Klemmbausteinen
Eine Schwebebahn aus Klemmbausteinen
Eine Schwebebahn aus Klemmbausteinen
A46 nach Unfall in Baustelle blockiert
A46 nach Unfall in Baustelle blockiert
A46 nach Unfall in Baustelle blockiert

Kommentare