Landgericht

Hohe Haftstrafen nach Angriff mit schweren Fahrradschlössern

+
Das Landgericht in Wuppertal.

Motiv für die Tat der beiden Wuppertaler bleibt unklar.

Von Martin Lindner

Wuppertal. „Die Verletzungen lassen Gänsehaut entstehen“, erklärte der Vorsitzende Richter am Wuppertaler Landgericht bei der Urteilsverkündung: Das 36-jährige Opfer leidet noch heute unter den Folgen der brutalen Attacke zweier Männer, die am 19. Mai 2020 seinen Kopf immer wieder mit schweren, faltbaren Fahrradschlössern traktierten, auch als er schon zu Boden gegangen war.

Der Schädel war mehrfach zertrümmert. Der Anwalt des Opfers, das als Nebenkläger auftrat, sprach davon, dass sein Mandant nicht mehr richtig schmecken könne, ein Kribbeln im Kopf habe und unter psychischen Problemen seit der Tat leide. Die Narben am Kopf sind gut sichtbar.

In dem Verfahren wurde der 34-jährige Angeklagte wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt, der zweite, 21-jährige Angeklagte nach Jugendstrafrecht zu drei Jahren und neun Monaten.

Was war passiert? In der Nacht des 19. Mai 2020 trafen die beiden Täter, die in Wuppertal wohnen, auf einem Parkplatz einer Kleingartenanlage auf ihr Opfer sowie drei weitere Männer, und schlugen mit schweren faltbaren Fahrradschlössern auf dessen Kopf ein. Der ältere Angeklagte soll kurz vor dem Angriff gerufen haben: „Ey, wer hat auf uns geschossen?“ Was es mit dem vermeintlichen Schuss auf sich gehabt haben soll, konnte in dem Verfahren nicht festgestellt werden. Der jüngere Angeklagte, der mit dem Opfer entfernt verwandt ist, behauptete, von diesem gemobbt und terrorisiert worden zu sein. Am Tattag soll das Opfer sie angeleuchtet und mit einer Gaspistole auf sie geschossen haben.

Nachdem die Täter von ihrem Opfer abließen, ist der 36-Jährige zu einem Nachbarn gelaufen, der den Notarzt gerufen hat. Der Vorsitzende Richter erklärte, dass die Motivation für die Tat unklar bleibt, das Gericht vermutet aber eine „Denkzettel“-Geschichte dahinter. „Irgendwas mag vorher gewesen sein“, so der Richter, es ging darum, das Opfer für etwas „bluten zu lassen“. Zum Kerngeschehen aber gebe es keine durchgehenden Zweifel. Ein paar Tage nach der Tat haben sich die Täter der Polizei gestellt und die Tatwerkzeuge – die schweren Fahrradschlösser – mitgebracht. Weder der 21-Jährige noch der 34-Jährige waren zu dem Zeitpunkt vorbestraft.

Opfer wurde 10 000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen

Das 36-jährige Opfer lag 16 Tage im Krankenhaus, davon fünf Tage auf der Intensivstation. Der Anwalt des Opfers hob hervor, dass die Verletzung zum Tod geführt hätte, wenn sie nicht behandelt worden wäre. Er hatte Blutungen unterhalb der weichen Hirnhäute sowie Lufteinschlüsse im Schädelinneren, das Augenhöhlendach war gebrochen. Jedoch war auch er der Auffassung, dass sich der Tatbestand des versuchten Totschlags, der anfänglich angeklagt war, nicht erfüllt hat. Der 34-jährige Angeklagte wurde von der Großen Strafkammer zur Zahlung von Schmerzensgeld in Höhe von 10 000 Euro nebst Zinsen an den Geschädigten verurteilt. Zusätzlich trägt er die Kosten des Verfahrens. Die Kosten der Nebenklage müssen sich die beiden Angeklagten teilen.

Die Verteidiger der Angeklagten argumentierten unter anderem, dass die Verletzungen des Opfers nicht akut lebensgefährlich gewesen und die Schläge nicht gezielt in Richtung des Kopfes gegangen sein sollen. Außerdem habe der Sachverhalt nicht lückenlos aufgeklärt werden können. Es handelte sich um ein unkontrolliertes Geschehen, bei dem die Täter im Dunkeln schwer zu erkennen gewesen sein sollen, außerdem hätten sie selber vor dem Opfer Angst gehabt und „aus Panik“ zugeschlagen.

Der Anwalt des 21-Jährigen, der seit acht Monaten in U-Haft sitzt, beantragte eine Strafe von zwei Jahren auf Bewährung. Der Anwalt des 34-Jährigen bat um eine Strafe, die ebenso noch zur Bewährung ausgesetzt werden könnte, wobei er sich auf keine Strafdauer festlegen wollte.

Der Jugendgerichtshilfe hat der 21-Jährige, der zum Tatzeitpunkt ein Jahr jünger war, in der JVA erzählt, dass seine Mutter, bei der er lebt, „überrascht und traurig“ gewesen sei. Sie hätte ihn zu einem freundlichen Menschen erzogen.

Gegen das Urteil kann noch Revision eingelegt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Pipeline-Gegner nach Flut besorgt
Pipeline-Gegner nach Flut besorgt
Pipeline-Gegner nach Flut besorgt
Die Schwebebahn kehrt zurück
Die Schwebebahn kehrt zurück
Die Schwebebahn kehrt zurück
"Scheisse geparkt": Wenn Bürger mit Zetteln gegen schlechte Parker kämpfen
"Scheisse geparkt": Wenn Bürger mit Zetteln gegen schlechte Parker kämpfen
"Scheisse geparkt": Wenn Bürger mit Zetteln gegen schlechte Parker kämpfen
Nach einem Jahr: Schwebebahn soll ab Samstag wieder normal fahren
Nach einem Jahr: Schwebebahn soll ab Samstag wieder normal fahren
Nach einem Jahr: Schwebebahn soll ab Samstag wieder normal fahren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare