Kriminalität

Hildener ist Kunstfälschern auf der Spur

Werner Scholzen aus Hilden ist Erfinder, Kunsthändler, Sachverständiger und Unternehmer. Foto: Stephan Köhlen
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Werner Scholzen aus Hilden ist Erfinder, Kunsthändler, Sachverständiger und Unternehmer.

Computersoftware des Kunst-Sachverständigen Werner Scholzen entlarvt auch meisterliche Fälschungen.

Von Bernd Schuknecht

Hilden. „Null Chance“ hätte der Fälscher gehabt, sagt Werner Scholzen selbstbewusst. Der Hildener Kunst-Sachverständige und -Sammler ist sich sicher, dass seine neu entwickelte Computer-Software auch meisterliche Fälschungen eines Wolfgang Beltracchi, der selbst renommierte Kunstfachleute täuschen konnte, sicher entlarvt hätte.

Negative Erfahrungen mit Fälschungen brachten den Kunstsachverständigen Scholzen 2007 dazu, den Versuch zu unternehmen, mit innovativen Ideen und digitaler Technik den lukrativen Sumpf der Kunstfälschung trockenzulegen. Die bislang angewandten Methoden der Echtheitsanalyse eines Kunstwerks bieten keine 100-prozentige Sicherheit. Die erreicht angeblich die Software von Scholzen, die wie bei einem Fingerabdruck mit einem digitalen Scan-Abgleich funktioniert, für den extrem hoch aufgelöste Fotografien die Basis bilden.

„Schätze, dass auf dem Kunstmarkt zu rund 40 Prozent Fälschungen zu finden sind.“

Werner Scholzen

Mittels einer so genannten computer-berechneten Kreuzvalidierung zwischen dem zweifelhaften Werk und einem eindeutigen Original schafft es die Künstliche Intelligenz zweifelsfrei Fälschungen zu identifizieren. Über 1000 Parameter helfen dabei, etwa Malduktus, Pastosität oder Beschaffenheit der Farben.

Da der Hildener Daniel Düsentrieb kein Computer-Nerd ist, wurde für die digitale Umsetzung auf ein auf Bildverarbeitung spezialisiertes Unternehmen in Jena beauftragt. Rund 500 000 Euro sind in das Herzensprojekt von Scholzen geflossen. „Die automatische Echtheitsprüfung in eine Maschine zu integrieren ist hier erstmals gelungen“, sagt Christoph Angerhausen, Patentanwalt der Sozietät Boehmert & Boehmert in Düsseldorf: „Und erste Nachahmer sind auch schon aufgetaucht.“

Scholzen sagt, er sei bereits massiv bedroht worden

„Die Möglichkeiten sind doch einfach fantastisch“, schwärmt Klaus Hansen, der Scholzen in kaufmännischer Hinsicht zur Seite steht: „Eine Handyaufnahme von einem Bild auf einer Versteigerung in Buenos Aires reicht und ich bekomme sofort eine Echtheitsbestätigung.“

Doch die Euphorie angesichts der Möglichkeiten für Käufer ist nur eine Seite der Erfindungsmedaille. Auf der anderen Seite grassiert bei den Eigentümern die Angst. Denn gleich ob Museen oder Banken, die in Kunst investiert haben, alle müssen fürchten, dass sie auf Fälschungen sitzen. „Ich schätze mal, dass auf dem Kunstmarkt zu rund 40 Prozent Fälschungen zu finden sind“, sagt Werner Scholzen. Er sei bereits wegen seiner Erfindung massiv bedroht worden – wegen der zu erwartenden erdrutschartigen Verwerfungen auf dem Kunstmarkt.

Es gibt noch kein Vermarktungskonzept, da verschiedene Modalitäten denkbar sind. „Ich will nur mein investiertes Geld wieder heraushaben, und natürlich noch erleben, welche Wirkung meine Software hat“, sagt Werner Scholzen.

Der Hildener hat über 400 Bilder und 100 Druckplatten gesammelt – „einfach weil sie mir gefielen“. Der Sammler stellt sie auch aus – bei Youtube. Seine Eltern hatten einen Bauernhof an der belgischen Grenze. Dort machte der bekannte Maler Fritz von Wille häufig Urlaub – und zahlte mit Bildern. „Als meine Eltern starben, hatten wir mehr als 50 Wille-Bilder“, erinnert sich Werner Scholzen. Hufschmied habe er gelernt – und sich 1970 selbstständig gemacht. Der erfolgreiche Unternehmer liebt offenbar das Understatement. Er hat eine ganze Reihe von Erfindungen auch zu Geld gemacht.

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