Zuwächse auf dem Buchmarkt

Hammer-Verlag: Kinderbücher retten die Corona-Bilanz

Claudia Putz vom Peter-Hammer-Verlag stellt die neuen Kinderbücher vor. Foto: Stefan Fries
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Claudia Putz vom Peter-Hammer-Verlag stellt die neuen Kinderbücher vor.

Der Umsatz des Wuppertaler Verlages liegt für 2020 sogar leicht über dem von 2019.

Von Monika Werner-Staude

Wuppertal. Die erfreuliche Nachricht lautet: Kinderbücher boomen – gerade im Corona-Lockdown. Das weiß und spürt auch der Wuppertaler Peter-Hammer-Verlag, Experte in Sachen hochwertiger Kinderbücher. Gerade bringt er sein Frühjahrsprogramm heraus. Schon jetzt wurden zwei Titel darauf für die Empfehlungsliste „Die besten sieben Bücher für junge Leser“ des Deutschlandfunks für den Monat April ausgesucht.

4,7 Prozent betragen die Zuwächse auf dem Buchmarkt, hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels festgestellt. Fast ein Viertel (24,7 Prozent) des Umsatzes entfiel auf Bilderbücher, 26,6 Prozent des Umsatzes wurde mit Büchern für Kinder unter elf Jahren erreicht.

„Alle lesen mehr, auch Erwachsene, gerne auch Klassiker wie Albert Camus’ Pest“, erzählt Claudia Putz, die beim Hammer-Verlag die Presse betreut. Eltern kümmern sich im Lockdown verstärkt ums Lesen und Vorlesen, um Sprachförderung und Wissensvermittlung, wollen Bildungslücken auffangen. „Beim Vorlesen können sich Kinder auf eine Sache konzentrieren. Untersuchungen haben bewiesen, dass sie so viel mehr erfassen als beim Blick auf den Bildschirm mit seinen schnellen, nervösen Abfolgen“, weiß Putz. Nicht zu vergessen: Bücher unterhalten und beschäftigen, verhindern Langeweile im Lockdown.

Der Hammer Verlag sei so auch bislang mit einem blauen Auge durch die Corona-Krise gekommen. Der Umsatz in 2020 liege sogar leicht über dem von 2019. Bei den Buchhandlungen haben diejenigen die Nase vorn, die in den Onlinehandel gegangen seien. Mit Kreativität immer wieder ihre Schaufenster bespielen, Service anbieten. Online-Bestellungen aber ersetzen das Beratungsgespräch nicht. Neuerscheinungen fallen so unter den Tisch. „Wir suchen deshalb die Aufmerksamkeit viel im Netz, aber der aktuelle Lockdown ist schon ein Problem“, erklärt Putz. Außerdem reduziert der Verlag die Neuerscheinungsrate, verschiebt Projekte, setzt auf stabile Klassiker wie „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ oder Wolf Erlbruchs Postkarten, auf Auszeichnungen wie den Deutschen Jugend- und Literatur-Preis“, den „Freibad. Ein ganzer Sommer unter dem Himmel “ von Will Gmehling 2020 erhalten hat, die Treue der Fans - und „die Hoffnung, dass die Buchläden bald wieder dauerhaft öffnen können“.

„Rückwärts“ von Henning Wagenbreth soll eine erfolgreiche Serie des Illustrators und Autors beim Wuppertaler Verlag fortsetzen. Menschen ab acht Jahren erleben in dem ein wenig schrillen comicartigen Band alles von hinten. In Fabriken wird alles zerlegt, Fußballspiele enden 0:0, alte Menschen werden wieder zu Babys. Dieses „auffälligste“ Buch, „unser Aufmacher“, ist das eine, vom Deutschlandfunk empfohlene. Das andere ist „Mein Bruder und ich und die Katze im Wald“ von Jürg Schubiger (Text) und Eva Muggentahler (Bilder). Ein zartes, märchenhaftes Buch für Kinder ab fünf Jahren über zwei Brüder, die eine Katze suchen, sich dabei in verschiedene Tiere verwandeln. Die Illustratorin zeichne kulissenhafte wie ideenreiche Bilder, schwärmt Putz.

Hanna Jansens „Hasen in der Nase“ ist textlastiger, erzählt für Kinder ab sieben Jahren die Geschichte eines Achtjährigen, der mit seiner Mutter aufs Land verpflanzt wird und sich dort zurechtfinden muss. Leonard Erlbruch liefert Bilder zur Geschichte einer Patchworkfamilie.

Die Titelheldin von „Sterne im Kopf“ wandelt zwischen den Kulturen. Lamas Mutter verlässt die Familie, um nach Marokko zurückzukehren. Die Elfjährige fühlt sich verlassen, wird zudem aus dem Klassenverbund ausgestoßen. Ihre Rettung liegt in einem Buch, das sie auf der Straße findet. Putz: „Dabei geht es um die Kraft der Bücher, das Lesen als Motor für die eigene Entscheidungsfindung.“ Ein wertvolles Angebot für junge Leser ab zehn Jahren.

Neuheit

Im März ist ein neuer Afrika-Roman im Hammer-Verlag erschienen: „Spur der Krabbe“ von Patrice Nganang erzählt - aufgehängt an einer Vater-Sohn-Geschichte - von der Befreiungsbewegung in Kamerun. Von diesen Ereignissen der 1950er und 60er Jahre weiß man recht wenig.

peter-hammer-verlag.de

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