Am Greuel

Häuser statt Wanderparkplatz: Die Stadt rückt immer näher

Idyllisch ist es am Greuel. „Noch“, sagen Anwohner.
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Idyllisch ist es am Greuel. „Noch“, sagen Anwohner.

Das Haus im Grünen: Traum oder Alptraum? Am Greuel in Wuppertal fürchten die Anwohner um ihren naturnahen Wohnraum.

Von Daniel Neukirchen

Wuppertal. In der Siedlung Greuel im Süden Cronenbergs gibt es keine Bürgersteige. Das kleine krumme Sträßchen wird durch Gärten, Hecken oder auch mal durch die in die Straße ragende Hauswand eines klassischen bergischen Fachwerkhauses begrenzt. Die Bewohner der nicht einmal 30 Häuser kennen sich alle. Auf der Straße wird nicht nur gegrüßt, sondern auch mal ausgiebiger „getöttert“ – hier ist die Welt noch in Ordnung.

Einige Menschen aus der Nachbarschaft würden an dieser Stelle das „noch“ betonen. Denn die Häuser am äußersten Rande der Wohnbebauung werden mehr und mehr zu Häusern innerhalb der Wohnbebauung.

Werner Eberhard wohnt seit 1972 am Greuel. Mitte der 1990er Jahre begann eine Entwicklung, die den Menschen vor Ort nicht behagt. „Mindestens elf Häuser wurden in den vergangenen 25 Jahren gebaut“, beklagt Eberhard. Damit hat sich die Zahl der Häuser fast verdoppelt.

Und dann ist da noch dieses potenzielle Baugebiet am oberen Ende der Siedlung. Zehn Häuser sollen hier nach dem Willen der Stadt entstehen. Eine Bürgerinitiative kämpft dagegen, doch der Stein ist schon ins Rollen gebracht. Ob er noch aufzuhalten sein wird, ist höchst fraglich. Zuletzt schlugen die engagierten Bürger eine Alternative vor: eine Grünfläche mit Wanderparkplatz an genau dieser Stelle. Oberbürgermeister Uwe Schneidewind war bei einem Ortstermin zugegen, lieh den Bürgern ein offenes Ohr. Es folgte indes die kühle Absage: „Die Wohnbaumaßnahme ,An der Museumsbahn’ gemäß des Bebauungsplanes 1229 lässt keinen wirtschaftlichen Spielraum, um auf vermarktbaren Wohnraum zu Gunsten eines Wanderparkplatzes zu verzichten“, heißt es in einer Vorlage der Stadt. Die Finanzierung und Unterhaltung sei nicht gesichert, der Bedarf fraglich.

Christoph Frielingsdorf, Vorsitzender der Bürgerinitiative, schüttelt den Kopf: „Als ob es keine anderen Flächen gäbe.“ Für ihn und seine Mitstreiter wird an dieser Stelle ein „Quell-Entstehungsgebiet“ versiegelt. Die Stadt hält entgegen, dass die Bebauung mit zehn Einfamilienhäusern „in Bezug auf die Hydrogeologie umweltverträglich realisiert werden kann“.

Doch das Wasser für das Kaltenbachtal ist nicht die einzige Sorge der Anwohner. Klaus Mühlenbeck (64), der in einem der urigen schwarz-weißen Fachwerkhäusern lebt, sagt: „Es muss auch mal genug sein.“ Er zeigt auf Gebäude, die früher einmal eine Obstwiese waren. Er fürchtet auch um die Infrastruktur im Greuel: „Da kommen doch 24 bis 30 Autos auf uns zu – plus Besucher. Aber gerechnet wird pro Haus doch nur mit einem Stellplatz.“

Die Quelle des Bachs plätschert vor sich hin. Die Menschen in der Hofschaft lieben das naturnahe Leben. Doch die Stadt rückt näher. Weil viele Menschen im Grünen wohnen wollen. Am Rande der Stadt, der sich aber immer weiter verschiebt. Klaus Mühlenbeck sieht das Problem auch in der Talachse: „Man muss die Innenstädte attraktiver gestalten. Dann würde es auch mehr Menschen dorthin ziehen.“

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