Neugestaltung des Alten Kirchplatzes

Archäologen finden Gräber mitten in Haan

Der Alte Kirchplatz aus der Luft: So weit waren die Arbeiten bereits Anfang Juni fortgeschritten. Inzwischen ist ein Ende der Maßnahmen absehbar. Foto: Stephan Köhlen
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Der Alte Kirchplatz aus der Luft: So weit waren die Arbeiten bereits Anfang Juni fortgeschritten. Inzwischen ist ein Ende der Maßnahmen absehbar.

Haan. Mit der Fülle der historischen Fundstücke hat bei der Umgestaltung des Alten Kirchplatzes keiner gerechnet.

Von Peter Clement

Es hatte eine Anmutung von Indiana Jones – nur ohne spektakuläre Verfolgungsjagden mit Grabräubern. Ansonsten stimmte vieles mit dem Klischee von Archäologie überein: Knochenfunde, die Stück für Stück teils mit Pinseln freigelegt wurden, die Baustelle immer wieder mit Planen abgedeckt – Nachbarn, die die Szenerie am Alten Kirchplatz in den vergangenen Monaten von höheren Stockwerken aus beobachten konnten, bekamen offenbar einiges geboten.

Dass die Umgestaltung des Platzes wegen möglicher historischer Funde deutlich komplizierter werden könnte, als eine normale Baustelle, hatte Thorsten Fischer, Leiter des städtischen Projekts, vor Beginn der Arbeiten geahnt. Schließlich ist dort nicht zum ersten Mal Unvorhergesehenes aufgetaucht. Damit dass es am Ende so viele Funde werden würden, hatte er aber nicht gerechnet. „In der Hauptsache waren es menschliche Knochen, teils in völliger Auflösung begriffen, teils aber bestens erhaltene Skelette, auf die wir gestoßen sind“, berichtet er. Auch eine intakte Grabkammer sei dabei gewesen. Die Zahl der gefundenen Knochen ginge in die Hunderte.

Die Experten des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege, die von Anfang an in die Arbeiten eingebunden waren, gehen davon aus, dass das Gräberfeld der Friedhof der 1972 beim Bau des Haaner Hallenbades entdeckten Kirche war.

Die Funde wurden spät öffentlich, um Baustellentourismus zu vermeiden

Im Jahr 935 war dort die erste Haaner Kirche gebaut und 1863 abgerissen worden. Bei der Identifizierung hatte der 1989 gestorbene Harro Vollmar, Heimatforscher und Vorsitzender des Bergischen Geschichtsvereins Haan, eine wichtige Rolle gespielt. Viele Jahre konnten Passanten die ehemaligen Umrisse des Gotteshauses erkennen: Natursteine markierten die Position des Bodendenkmals.

Die Umgestaltung des Alten Kirchplatzes ist Teil des Integrierten Handlungskonzeptes für die Innenstadt. „Er wurde von Grund auf erneuert“, so Fischer. Neue Schotterschichten, Pflaster aus Naturstein, Hochbeete an den Bäumen, Pflanzinseln und Sitzgelegenheiten. Dass sich die Baumaßnahme am Bodendenkmal verzögerte, hatte natürlich auch mit der Begleitung durch die Archäologen zu tun. Dass die Funde nicht schon früher öffentlich thematisiert worden seien, habe damit zu tun, dass man keinen Baustellen-Tourismus habe auslösen wollen: „Wir hatten auch so schon einige Arbeit mit Leuten, die uns über die Baustelle laufen wollten, weil sie angeblich immer dort entlang gingen“, berichtet Fischer.

Bürgermeisterin Bettina Warnecke kündigte an, dass die bei den Arbeiten gefundenen Knochen ordnungsgemäß auf dem Haaner Waldfriedhof beerdigt werden sollen.

Hintergrund

Um die Spuren der Geschichte besser sehen zu können, wird in den Boden um den Grundriss der alten Kirche ein Lichtband eingelassen. Damit werde der historische Ort deutlich aufgewertet. Mit feierlichem Rahmen soll dann die Eröffnung des frisch renovierten Alten Kirchplatzes selbst gefeiert werden. Dafür sowie die Fertigstellung an sich gibt es noch keinen festen Termin.

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