Fassade bröckelt

Gutachter zur Mauer am Döppersberg: Sie „hätte so nicht errichtet werden dürfen“

Von der rauen Seite der Mauersteine platzen immer wieder Stückchen ab.
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Von der rauen Seite der Mauersteine platzen immer wieder Stückchen ab.

Am Dienstag befasst sich die Döppersberg-Kommission mit dem Thema.

Von Katharina Rüth

Auf 103 Seiten befasst sich Dr. Johannes Tombers, Sachverständiger für Natursteine, mit der Mauer am Döppersberg. Er kommt zu einem vernichtenden Urteil: „Die Fassade hätte in der vorliegenden Form nicht errichtet werden dürfen.“

Gründe dafür gibt es seiner Darstellung nach mehrere: Die Steine stammen aus der falschen Lage im Steinbruch – andere Schichten wären stabiler – und sie sind falsch eingebaut, dass Wasser eindringen kann. Sie wurden wahrscheinlich auch zu spät im Jahr verbaut – hätten spätestens im Herbst eingebaut sein sollen, um die feuchtere Witterung zu vermeiden. Die Imprägnierung funktioniert nicht, weil das Wasser an den abgeplatzten Stellen eindringt. Zusätzliche Gefahr des Wassereindringens besteht, weil Regenwasser wegen zu geringer Neigung der Steine nicht abläuft.

Die Folge: Bröckchen und Scherben bis zu einer Größe von zehn Zentimetern platzen von den Steinen ab. Das könne zu einer „Gefahr für Leib und Leben“ führen. Bisher sei das zum Glück noch nicht der Fall. Denn die Stadt kontrolliert die Mauer mindestens alles 14 Tage. Dabei wurden bereits ein Kilo Bruchstücke gesammelt. Es sei „reiner Zufall, dass der Winter 2019/2020 quasi ausgefallen ist und alleine deswegen keine stärkeren Schäden an der Fassade entstanden sind“, schreibt der Gutachter. 

Kritik an der Tüv-Prüfung

Er zerpflückt auch das Tüv-Prüfzeugnis, das Hersteller-Firma und Stadt zunächst vorgelegt hatten, um die Eignung der Steine zu belegen. Bei der Prüfung seien falsche Steingrößen verwendet worden, die „Biegefestigkeit“ sei nur senkrecht zur Schichtung geprüft worden, hätte aber noch in zwei weiteren Richtungen geprüft werden müssen. Und die geprüften Steine seien nur 14 Frost-Tauwechsel-Zyklen statt 56 ausgesetzt worden. Tombers hat selbst Steinproben solche Zyklen durchlaufen lassen. Von den zwölf Probestücken aus dem Bereich der rauen Kruste haben sich sieben nach 56 Zyklen zerlegt, wie Fotos eindrucksvoll zeigen.

Der Experte verweist auch auf ein Merkblatt des Altmühltaler Kalksteine e.V., eines Zweckverbands von Steinbruchbesitzern, zur Verwendung von Kalksteinen im Gartenbau. Zum Schutz vor Feuchtigkeit sollten sie aus dafür geeigneten Lagen eines Steinbruchs kommen, entsprechend ihrer Schichtung, und spätestens im Oktober verbaut werden. Am Döppersberg sei aber „nahezu gegen jeden Warnhinweis und jede Empfehlung verstoßen“ worden.

Zusammenfassend bilanziert Tombers: Die Bauweise entspreche „nicht den allgemein anerkannten Regeln der Technik“, die Belastungsfähigkeit sei nicht ordentlich geprüft worden. „Die Fassade hätte in der hier vorliegenden Form nicht errichtet werden dürfen.“ Die Mauer brauche jetzt dauerhafte Überwachung und „umgehend“ Sicherungsmaßnahmen. 

Suche nach Verantwortlichen

Das Gutachten ist seit Donnerstag im Ratsinformationssystem lesbar, soll am Dienstag in der Döppersberg-Kommission diskutiert werden. Klaus Jürgen Reese (SPD), Vorsitzender der Kommission, ärgert sich: Er hätte sich gewünscht, dass der Umbau des Döppersbergs endlich abgeschlossen wird. Die Verantwortung sieht er bei dem beauftragten Unternehmen: „Ich wundere mich, dass eine Fachfirma so etwas macht.“ Er kann nachvollziehen, dass die Verwaltung sich auf die Expertise des Unternehmens verlassen hat, dann auch auf den vorgelegten Prüfbericht des Tüv: „Das ist ja eine anerkannte Prüf-Organisation.“

Michael Müller (CDU) findet die Angelegenheit „hochpeinlich“. Er will zumindest die Frage stellen, ob die Bauleitung der Stadt nicht auch hätte erkennen können, dass etwas falsch läuft. Auf jeden Fall müsse geklärt werden, wer verantwortlich ist. Für Alexander Schmidt (FDP) kommt das Gutachten zwei Jahre zu spät. Denn schon vor zwei Jahren habe die FDP Fragen zur Mauer gestellt hat. „Leider hat sich die Verwaltung auf den Tüv-Bericht verlassen, das ist super-ärgerlich.“

Chronologie

2004 stellt das Architekturbüro JSWD die Mauer im Wettbewerb vor. 2014 übernimmt die Arge Wittfeld/MBN den Auftrag. 2017 wird die Fassade abgenommen. 2018 stellt die FDP Fragen, die Stadt veweist auf den Tüv-Bericht. 2019: Steinmetz Lang erklärt gegenüber der WZ seine Bedenken, die Stadt zeigt die Mängel an, die Arge weist sie zurück, die Stadt beauftragt das neue Gutachten.

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