Straßensozialarbeit

„Die Gucci-Bande gibt es nicht mehr“

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Die Sozialarbeiter laufen täglich eine feste Strecke vom Giesenberg über die Trasse zum Berliner Platz und zur Rosenau. 

WUPPERTAL Sozialarbeitern gelingt es, Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen aufzunehmen.

Von Katharina Rüth

Das Projekt „Mobile Jugendsozialarbeit in Oberbarmen/Wichlinghausen“ trägt Früchte. Es gelingt den Sozialarbeitern, Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen aufzunehmen, die unser anderem als „Gucci-Bande“ bekannt waren und durch Straftaten auffielen. Zuletzt verursachten sie traurige Schlagzeilen, weil zwei von ihnen einen Rentner (70) attackierten und lebensgefährlich verletzten.

Seit Anfang des Jahres sind zwei Straßensozialarbeiter gezielt auf diese Kinder und Jugendlichen zugegangen, die über andere Hilfsangebote nicht erreichbar waren. Die Diakonie und die Stadt Wuppertal hatten das Projekt „Mobile Jugendsozialarbeit“ damals gemeinsam ins Leben gerufen. Die Streetworker sind Mitarbeiter der Diakonie. Sie suchten die Jugendlichen an ihren Treffpunkten auf, knüpften Kontakte. Bereits vor der folgenschweren Attacke auf den Rentner war es ihnen nach Angaben der Stadt gelungen, zwei bis drei Jugendliche aus der Gruppe zu lösen.

Pflaster, Kekse und Bustickets helfen Kontakt zu knüpfen

Seit 1. September sind es insgesamt drei Streetworker. „Sie haben in kurzer Zeit guten Zugang zu den Mitgliedern der Gucci-Gang bekommen“, berichtete Koordinatorin Tina Müller. Jugendamtsleiterin Christine Roddewig-Oudnia sagte: „Dass wir in wenigen Monaten schon Erfolge hatten, hat mich auch überrascht.“

HINTERGRUND UND STATISTIK

GUCCI-BANDE Seit Ende 2017 fiel den Behörden die Gruppe auf, über deren Größe unterschiedliche Angaben existieren. Sie reichten von „acht bis 15“ bis zu „35 bis 45“. Auch Mädchen gehörten zu der Gruppe. Die Mitglieder der Gucci-Bande sollen in unterschiedlicher Zusammensetzung Straftaten begangen haben, vor allem Diebstähle, aber auch Körperverletzung. Einzelne hatten bis zu 100 Taten in den Akten, bevor sie strafmündig wurden.

FINANZIERUNG Zum Start des Projekts Mobile Jugendsozialarbeit hat die Stadt zwei halbe Sozialarbeiterstellen finanziert, die bei der Diakonie angesiedelt sind. Die Koordination leisten Stadt und Diakonie mit Bestandspersonal. Dank einer Spende ist eine Aufstockung des Personals möglich.

KRIMINALITÄT Laut der polizeilichen Kriminalstatistik wurden 2018 von insgesamt 12 157 Straftaten in Wuppertal 534 von Kindern unter 14 Jahren begangen. Diese Zahl liegt zwar höher als in den Vorjahren (2017: 489, 2016: 469, 2015: 488), aber niedriger als zum Beispiel 2008 (664) oder 2009 (739).

Die Streetworker laufen täglich eine feste Strecke vom Giesenberg über die Trasse zum Berliner Platz und zur Rosenau, auch das Haus der Jugend in Elberfeld suchen sie auf. Im Rucksack haben sie Hilfsmittel vom Pflaster über Kekse bis zu Bustickets. Ihre Zielgruppe, die etwa zehn- bis 16-jährigen Mitglieder der Gucci-Bande, wissen inzwischen, wo sie die Sozialarbeiter treffen, so Tina Müller. Zudem verteilten die Streetworker Visitenkarten mit ihrer Dienst-Handy-Nummer. Tina Müller berichtet, dass die Kinder und Jugendlichen zahlreiche Probleme haben: von Drogen über befürchtete Schwangerschaften und Schulden bis zu Straftaten. „Und“, so Tina Müller, „auch unheimlich viele Ängste.“ Die Sozialarbeiter nutzten ihr Netzwerk, um zu helfen, etwa zum Projekt „Kurve kriegen“, der Schuldnerberatung, der Drogenberatung und dem Bezirkssozialdienst. Manche Kinder bäten auch für ihre Eltern um Hilfe, die beispielsweise hoch verschuldet seien.

Inzwischen habe sich die Struktur verändert: „Die Gucci-Gang aus Kindern unterschiedlicher Kulturen gibt es so nicht mehr“, sagt Tina Müller. Das sei auch Auswirkung der Attacke auf den Rentner und ihrer Folgen. Diese hätten auch die Gruppe erschreckt. Wenig später sei die Zahl der Kontakte stark angestiegen.

Eine großzügige Spende erlaubt die Ausweitung des Programms

Die beiden 14-jährigen mutmaßlichen Schläger sind in Untersuchungshaft beziehungsweise in einer geschlossenen Jugendeinrichtung. Die Mädchen hätten sich aus der Gruppe gelöst, seien froh, jetzt „frei“ zu sein. Einige hätten sich prostituiert. Mit dieser Mädchengruppe versuchten sie nun zu arbeiten, aber auch die Jungen blieben sie im Blick.

Als Beispiele für positive Ansätze nannte Tina Müller die Vermittlung einer flexiblen Erziehungshilfe in eine Familie, in einem anderen Fall wolle jemand wieder zur Schule gehen – wisse aber nach einem halben Jahr nicht, wie. Und ein Jugendlicher werde möglicherweise seine Rugby-Kenntnisse in einem Sportprojekt weitergeben.

Durch städtische Mittel ist das Projekt bis Mitte 2020 gesichert, dank einer Spende von mehreren 100 000 Euro können weitere Streetworker-Kräfte eingestellt werden. Zudem ist an Treffpunkte, etwa einen Bauwagen, gedacht.

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