Bushaltestellen

Grüne Dächer sollen gegen Erhitzung helfen

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Entlang der Talachse soll es deutlich grüner werden – nicht nur an Straßen, auch auf Dächern und an Fassaden. 

WUPPERTAL Stadt Wuppertal will Begrünung entlang der Talachse vorantreiben. Projekt aus Utrecht könnte als Vorbild dienen.

Von Michael Bosse

Als gebürtiger Aachener weiß Frank Meyer, dass der Blick gen Westen inspirierend sein kann. „Von den Freunden in den Niederlanden kann man immer etwas lernen“, sagt der städtische Dezernent für Stadtentwicklung, Bauen, Verkehr, Umwelt. Eines der jüngsten Beispiele ist unter anderem die Idee der Stadt Utrecht, die Dächer der Bushaltestellen zu begrünen, um etwas gegen das Artensterben und die Folgen des Klimawandels zu unternehmen.

Grundsätzlich sei das Thema „Grünflächen in der Stadt“ aber gerade im Zeichen des Klimawandels von besonderer Relevanz. Der unmittelbare Nutzen für die Tierwelt sei dabei eher überschaubar, wichtiger sei aus seiner Sicht, mit solchen Aktionen die Bürger auf das Thema aufmerksam zu machen. Denn Grünflächen seien ein wirksames Mittel, um etwas gegen die „Überhitzung in den Innenstädten“ zu tun. Eine Entwicklung, die gerade entlang der Wuppertaler Talachse immer wieder zu beobachten sei, betont Dezernent Frank Meyer. Wer da etwa von der Innenstadt auf die Südhöhen fahre, werde den Temperaturunterschied deutlich feststellen.

Von Form und Statik her nicht geeignet

HINTERGRUND

UTRECHT Die Stadt Utrecht hat die Flachdächer von mehr als 300 Bushaltestellen mit Pflanzen begrünt. Die Pflanzen sollen Insekten anziehen, zudem filtern sie Feinstaub aus der Luft und dienen als Regenwasserspeicher. Mit der Aktion will die Stadt die Bürger außerdem dazu animieren, ihre eigenen Dächer zu bepflanzen.

Die Verwaltung befürworte deshalb jedes Vorhaben, mit dem mehr Grün in die Städte gebracht werde, erklärt Meyer. Vor allem die Begrünung von Dächern und Fassaden sei dafür ein probates Mittel. Und um es nicht nur beim Appell zu belassen, möchte die Stadt nach der Sommerpause ein Konzept entwickeln und vorlegen, mit dem das Thema „Begrünte Dächer“ in die Bauleitplanung aufgenommen werden kann. „Schon 100 bis 150 Quadratmeter auf Neubauflächen können ökologisch etwas nutzen“, betont der Dezernent.

Bei den Wuppertaler Stadtwerken (WSW) sieht man das Vorbild aus den Niederlanden eher skeptisch. WSW-Sprecher Holger Stephan verweist zunächst einmal darauf, dass nur etwa die Hälfte der rund 600 Bushaltehäuschen in der Stadt von den Stadtwerken betrieben wird. Die andere Hälfte wird von dem Werbevermarkter Ströer bewirtschaftet. Nach Angaben von Holger Stephan sind die Wartehäuschen im übrigen sowohl von der Form wie der Statik her nicht für eine Begrünung ausgerichtet. Fazit: Eine Begrünung der Bushaltehäuschen sei „derzeit nicht machbar“, erklärt der WSW-Sprecher. Auf Interesse stoßen die Pläne aus Utrecht bei dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Kreisgruppe Wuppertal. Eine „große Hilfe für bedrohte Tierarten“ erwartet BUND-Vorstand Jörg Liesendahl aber nicht. Dagegen könnten häufige Insektenarten wie Bienen und Hummeln von den Grünflächen durchaus profitieren, weil vor allem Sedumpflanzen verwendet werden sollen, die von diesen Insekten gerne angeflogen werden. Jörg Liesendahl geht davon aus, dass eine Begrünung der Haltestellen den „optischen Anblick“ in der Stadt positiv verändern könnte. Allerdings sieht der BUND-Vorstand die Architektur der Bushaltehäuschen aus einem anderen Grund kritisch: Die an den Haltestellen errichteten Glasflächen seien für Vögel eine Gefahr, weil sie dagegenfliegen, sich verletzen und verenden könnten. Die bisweilen verwendeten Greifvögel-Silhouetten auf dem Glas nützten dagegen nichts, um die Vögel abzuschrecken. Gegebenenfalls sei es auch sinnvoller, diese Flächen mit Solarzellen auszustatten und für die Erzeugung von Ökostrom zu verwenden.

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