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Gräfrather Marktplatz ist ein sommerlicher Treffpunkt

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Der Marktplatz im historischen Ortskern von Gräfrath ist idyllisch. 

Viele Lokale und Galerien rund um den alten Brunnen laden ein in die „gute Stube“ von Solingen.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Das Traditionslokal „Kaffeehaus“ von Peter von der Heiden ist seit über 30 Jahren eine feste Größe im Ortskern. 

Es ist eine Bilderbuchidylle: Ein Brunnen, in dessen steinernes Achteck aus einem bronzenen Metallhahn Wasser plätschert, lädt zum Verweilen ein. Man möchte in die Sonne blinzeln, die zwischen den schieferverkleideten, bergischen Fachwerkhäusern hindurch auf das Kopfsteinpflaster scheint, und zumindest kurz mal die Zeit anhalten. Als Blickfang rahmen die Häuser den Platz ein und locken zudem mit Kunst, Geschmeide, Antiquitäten, Eis oder einer leckeren Mahlzeit.

Der Gräfrather Marktplatz ist die „gute Stube“ Solingens und das Herz des Stadtteils Gräfrath, das munter und oft lebhaft pulsiert: Viele Feiern wie etwa das Marktfest im Frühling oder der Lichterzauber im September stehen für geselligen Trubel und eine gute Nachbarschaft. Schmuck grüßen Blumenkästen von den weißgerahmten, zum Teil mit grünen Schlagläden ausgestatteten Fenstern, lauschig laden Ahorn-Bäume bei sommerlicher Hitze ein, sich in ihren Schatten zu setzen und durchzuatmen.

Galerist Dirk Balke gehört zu denen, die in Gräfrath für künstlerische Impulse sorgen. 

Mit der kleinen evangelischen Kirche inmitten des Häuserensembles und der großen Freitreppe hinauf zur Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt, die Blicke in kleine „Puppenstubengärten“ erlaubt, in denen im Sommer Stockrosen und Geranien blühen, wirkt die Szenerie rund um den Brunnen wie von einem fantasievollen Kind beim Spielen aufgestellt. Nachmittags ein großes Stück Stachelbeertorte im „Kaffeehaus“ essen und an den gemütlichen Holztischen sitzend das Treiben auf dem Marktplatz beobachten? Oder lieber etwas Herzhaftes von der ansprechenden Speisekarte bestellen? Das Traditionslokal von Peter von der Heiden ist seit über 30 Jahren eine feste Größe im Ortskern und nicht mehr wegzudenken. Bis zur Ecke Gerberstraße geht der Blick von dort aus, direkt zum großen „Gräfrather Hof“ mit dem netten Café Florian hinunter zur „Alten Post“ vis à vis. Im Eiscafé „Primavera“ einen Eisbecher genießen und mit Bekannten plaudern?

Besondere Atmosphäre lockt viele Künstler an

Vielleicht bei Galerist Dirk Balke im „Art Eck“ vorbeischauen und sich in seine jüngste Ausstellung hineinstaunen und -fühlen? Oder sich bei seinen Nachbarn, den Künstlern um Ulle Huth und Hans Brunne von deren Werken berühren lassen? Vielleicht einen kurzen Schlenker ins Atelier Bukolei von Heike Buschkotte-Leichsenring machen, um dort Schönes zu „inhalieren“?

Die besondere Atmosphäre des geschlossenen alten Ortskerns hat zahllose Künstler dazu animiert, sich hier ihre Werkstätten und Ausstellungsräume zu suchen. Ein paar Schritte weiter, von der Straße „In der Freiheit“ abgehend, lebt und arbeitet Bildhauerin Christina Köster. Ein ehemals eisenverarbeitender Betrieb in zweiter Reihe bietet einen originellen Rahmen für ihre Kunst: Mit viel Liebe zu Details hat sie aus dem Fabrik-Hof eine zauberhaft blühende Bauerngarten-Oase gemacht. Nach der Pause auf dem Marktplatz macht es Spaß, durch die kleinen Gässchen und Winkelchen von Alt-Gräfrath zu schlendern, die sich wie ein Gespinst um den Marktplatz drapieren.

Rote Ziegelmauern mit daran rankende Glockenblumen in Hinterhöfen, weiß lackierte Gartenzäune, hinter denen späte Pfingstrosen und Rosensträucher ihre bunte Farbenpracht entfalten. Wie zufällig steht man etwa plötzlich vor dem alten Fabrikgebäude in dem Sabine Danielzig ihr „Skriptorium“ unterhält. Wer Lust an schönen Handschriften und edler Feder hat, ist hier richtig: In Kursen und Workshops bildet sie aus.

Die Klosterkirche gehört unbedingt dazu, wenn man in Gräfrath ist: Ursprünglich im 12. Jahrhundert entstanden, ist die heutige Kirche der vierte Bau an der gleichen Stelle, der 1727 abgeschlossen wurde. Zwar wurden die gotischen Außenmauern beibehalten, die Innenausstattung präsentiert sich allerdings in klassischem Hoch-Barock.

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Gräfrath liegt verkehrstechnisch günstig für auswärtige Besucher: Die Anschlussstelle der Autobahn 46 befindet sich sozusagen gleich „um die Ecke“ und mündet auf die Wuppertaler Straße, der Gräfrather Hauptachse. Parken kann man etwa auf dem großen Parkplatz am Brandteich oder auf einem kleineren an der Gerberstraße.

GRÄFRATH

HISTORIE Die ursprüngliche Bebauung der „Freiheit“ wurde bei Bränden 1686 und 1698 vernichtet. Rund um den Markt standen die Wohnhäuser der führenden Familien. Die Schieferhäuser wurden im 19. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Erdgeschossen vorwiegend als Läden genutzt. Die Holzgesimse, die vielfach noch aus dem Schiefer herausschauen, zeugen davon. Das einzige Massivwohnhaus an der Ecke zum Küllersberg erhielt seine abgerundete Eckform, weil die Straßenbahn durch Gräfrath verlegt wurde.

EVANGELISCHE KIRCHE Sie wurde nach dem großen Brand von 1686 erbaut, und prägt architektonisch das Aussehen des Platzes. An die Kirche anstoßend: das alte evangelische Pastorat, ein Winkelbau aus dem 18. Jahrhundert.

BRUNNEN Er wurde von Bürgermeister Peter Schnitzler 1730 gestiftet. Die Säule zeigt das seit 1483 überlieferte Gräfrather Schöffensiegel.

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