Wohnen

Nachhaltig auf 14 Quadratmetern - Glücklich im winzigen Eigenheim

Die Cronenbergerin Christine Nordmann in ihrem kleinen Haus. Foto: Stefan Fries
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Die Cronenbergerin Christine Nordmann in ihrem kleinen Haus.

Wuppertal. Christine Nordmann lebt bewusst und nachhaltig auf 14 Quadratmetern.

Von Anne Palka

Brot und Salz stehen auf einer kleinen Küchentheke. Ein typisches Geschenk zum Einzug. Untypisch ist jedoch das Haus in der Cronenberger Altstadt, in dem Christine Nordmann seit drei Monaten wohnt. Das Geschenk hat ihr eine Freundin mitgebracht – bei einem ersten Besuch in den 14 Quadratmetern, die jetzt ihr Zuhause sind. Dort ist nicht nur die Küchentheke klein, sondern auch das Sofa, der Kühlschrank, das Waschbecken – genau wie das ganze Tiny House, so der englische Begriff für das „winzige Haus“.

Nordmann habe sich gut eingelebt: „Ich fühle mich, als sei ich angekommen. Das Haus verkörpert meine Ideale, meine Träume.“ Es ist der erste Neubau für die 76-jährige ehemalige Architektin, in ihrem Berufsleben hat sie immer restauriert, vor allem Denkmäler im Bergischen Land. Die vergangenen 35 Jahre lebte sie im Fachwerkhaus direkt nebenan. „Als alle Kinder flügge waren, war das alleine viel zu groß.“

Jetzt wohnt dort ihre Tochter mit Familie, dazu gehören auch zwei Enkelkinder von Christine Nordmann. Ihr Tiny House steht auf einem ehemaligen Stück Wiese daneben. Vier weitere Häuser stehen auf dem Grundstück, deren Bewohner Gemeinschaft leben. Nordmann bekomme viel Unterstützung. Sie hat keine Waschmaschine und kann die ihrer Nachbarn nutzen. Eine Herdplatte gibt es noch nicht, es werde mit einer Kochstelle oder Essen ausgeholfen. „Ich will da auch reinwachsen, was ist mein Bedarf, was braucht das Haus.“

„Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich eine ausgesprochene Ruhe empfinde.“

Christine Nordmann

Die Gemeinschaft sei ein wichtiger Grund gewesen, kein mobiles Tiny House zu bauen, mit dem man von Grundstück zu Grundstück ziehen kann. Nordmann genießt es, dass drei Generationen vor Ort sind.

Das Tiny House ist aus Holz, einem nachwachsenden Rohstoff, gebaut ohne Klebstoffe. Eine Heizung gibt es nicht, die 30 Zentimeter dicken Wände isolieren. Der Holzgeruch ist nicht nur wahrnehmbar, wenn man das Haus betritt, er gehe auch auf sie über: „In geschlossenen Räumen sagt mein Gegenüber manchmal: ‚Du riechst nach Holz.‘“ Es gibt einen Kleiderschrank und Raum zum Meditieren. „Ich bin mit ein paar Kartons hier eingezogen und musste mich von vielen Dingen verabschieden. Das macht das Leben leichter.“

Der Aufbau des Tiny House sei jedoch aufregend gewesen. An einem verschneiten Tag Ende Januar habe ein großes Fahrzeug das Holz in die engen Straßen Cronenbergs gebracht, ein Kran habe das Haus auf das Fundament gebaut. Dann folgte der Innenausbau. Es war Nordmann wichtig, Handwerker zu engagieren, die aus der Region kommen und die „ein Gefühl dafür haben, die ihre Arbeit mit Liebe tun.“ Ein Mitarbeiter im Bauamt habe damals mit Blick auf die ersten Pläne geschmunzelt und gesagt, dass es so etwas in Wuppertal noch nicht gebe. Nordmann habe von der Stadt viel Unterstützung erfahren. Auch die Genehmigung des Denkmalamts sei unproblematisch gewesen. „Wir haben darauf geachtet, dass sich der Neubau gut in die Umgebung einfügt.“ Das Dach ist begrünt, blühende Kräuter sollen dort wachsen.

Wenn Nordmann auf der kleinen Bank dem Haus sitzt, sieht sie hinter der Hecke manchmal Köpfe, die das Bauwerk begutachten. Viele Menschen würden sich selbst für ein Leben in einem Tiny House interessieren. Sie kämen ins Gespräch und würden gemeinsam durch das kleine Gebäude gehen, „das ist ja schnell besichtigt“. Sogar Probewohnen möchte sie möglich machen.

Kleine Details wolle sie noch verändern, zum Beispiel eine Hütte für ihr Fahrrad aufstellen. Weitere Pläne macht sie aktuell nicht. „Wir sind immer getrieben, von einem Projekt zum nächsten. Nun ist es das erste Mal in meinem Leben, dass ich eine ausgesprochene Ruhe empfinde.“ Sie lebt nun in der Mitte Cronenbergs im Einklang – mit sich, mit der Natur, mit der Nachbarschaft.

Baurecht

Beim Bau eines Tiny House müssen dieselben Vorschriften beachtet werden wie bei einem normalen Haus, sagt Ulrike Schmidt-Keßler, Sprecherin der Stadt. Dazu zählt vor allem die Bauordnung des Landes. Die Stadt prüft, ob sie eine Baugenehmigung erteilt. In Bebauungsplänen ist festgelegt, auf welchen Grundstücken gewohnt werden darf.

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