Schließung

Gespenstische Ruhe in der Jugendherberge in Oberburg

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Im Dezember soll entschieden werden, wie das Gebäude beziehungsweise das Grundstück weiter genutzt werden soll. 

OBERBURG Anwohner sind geteilter Meinung über die Schließung des Betriebes.

Von Anna Steinhaus

Friedlich und ein wenig verschlafen erscheint die Jugendherberge Oberburg in der warmen Herbstsonne. Äußerlich deutet wenig daraufhin, dass das Gebäude seit zwei Wochen leer steht. Die Mülleimer sind mit Müllbeuteln bestückt, ein kleines Gartentor rechts vom Haupteingang steht sperrangelweit offen. Auch die Gardinen sind nicht zugezogen.

Nach jahrelangem Tauziehen zwischen der Stadt Solingen, die die Herberge erhalten wollte, und dem Deutschen Jugendherbergswerk Rheinland als Betreiber steht nun alles still in Oberburg. Dass die Jugendherberge am 30. September den Betrieb eingestellt hat, war im Juni dieses Jahres beschlossen worden.

„Schade“, findet das Sarah Elsen, die mit ihrer Familie seit vier Jahren in unmittelbarer Nähe wohnt. Die Herberge habe für Leben im Stadtteil gesorgt. Tatsächlich geht eine Ära zu Ende: Fast neun Jahrzehnte lang empfing die Herberge an der Stadtgrenze zu Wermelskirchen ihre Gäste. „So geht jede Tradition einmal vorbei“, erinnert sich Adelheid Gomille. Sie und ihr Ehemann leben seit mehr als 41 Jahren in ihrem Haus, wenige Schritte von der Jugendherberge entfernt. Die beiden können die Entscheidung des DJH Rheinland, den Standort zu schließen, nicht verstehen.

Tatsächlich hatte bereits Ende 2017 Schluss sein sollen. Zahlreiche Vorausbuchungen bewegten die Verantwortlichen jedoch dazu, den Termin noch einmal zu verschieben. Veraltet sei die Ausstattung in Oberburg gewesen und entspreche nicht mehr den heutigen Standards.

Sanierung ist dem Jugendherbergswerk zu teuer

Für das Jugendherbergswerk war die Einrichtung nicht mehr zeitgemäß: Aus 118 Betten sollten 60 werden, weg mit dem Waschsaal, jedes Zimmer mit eigenem Bad, so lautete zunächst der Plan. Zwei Millionen Euro war der Verband bereit zu investieren. Als die berechneten Kosten auf 3,5 Millionen Euro anstiegen, wurde die geplante Sanierung abgesagt. Umbau und Modernisierung sei „betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll“, so der damalige Geschäftsführer Friedhelm Kamps.

Dass das Kapitel „Herberge Oberburg“ vorerst geschlossen bleibt, sorgt jedoch nicht bei allen für Wehmut.

„Lärmbelästigung“, dutzende Pkw und Busse, die die Garagen der Bewohner zuparkten, all das sei immer wieder ein Problem gewesen – und habe die zuständigen Herbergseltern nicht gekümmert. „Wir Anwohner weinen der Herberge keine Träne nach.“

Im Dezember soll die Entscheidung fallen, wie es mit dem Grundstück weitergeht.

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