Geschäft mit Fertighäusern boomt

Das Ehepaar Juxhin und Elsa Ganellari informierte sich bei Dagmar Kopp (Okal). Foto: Anna Schwartz
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Das Ehepaar Juxhin und Elsa Ganellari informierte sich bei Dagmar Kopp (Okal).

Fertighauswelt Wuppertal: Große Nachfrage – Anlage geschlossen, Einzeltermine möglich

Von Anke Strotmann

Wuppertal Die Tore der Fertighauswelt Wuppertal bleiben in diesem Jahr zu Ostern dicht. „Das sind normalerweise die stärksten Tage der Saison“, sagt Christoph Windscheif, Pressesprecher vom Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF). „Der Ausflug in die Fertighauswelt fällt dieses Mal aus.“

Viele Menschen nutzten die freien Tage, um sich Gedanken um das Bauen zu machen. „Der Besuch in einem Musterhaus-Park steht am Anfang einer langen Reise“, sagt er. Viele Bauherren müssten erst einmal für sich klären, ob ein Fertighaus etwas für sie ist. „Ein Musterhauspark bietet einen idealen Einstieg“, sagt Windscheif. Dort könne man sich von der Qualität der Bauweise überzeugen und zwei bis drei Anbieter miteinander vergleichen. Derzeit ist es nur möglich, Einzeltermine mit einem der 19 Fertighaushersteller in Wuppertal zu vereinbaren. „Wir orientieren uns an den Stufen wie im Einzelhandel“, sagt der Sprecher. Hygieneauflagen wie das Tragen einer Maske sowie Trennscheiben an den Schreibtischen gehörten dazu. Der Kunde hat Zutritt zu einem Musterhaus, kann aber nicht von Haus zu Haus gehen. „Der persönliche und direkte Kontakt fehlt. Das hat Auswirkungen auf die Neukundschaft“, glaubt Windscheif.

Es laufe gerade gut für die Fertighausbranche, sagt er dennoch. Im vergangenen Jahr waren 22,2 Prozent der neugenehmigten Ein- und Zweifamilienhäuser Fertighäuser. „Die Branche ist noch bis Ende 2021 ausgelastet“, sagt er. „Das macht uns optimistisch, dass der Marktanteil weiterwächst.“

Menschen nehmen sich jetzt mehr Zeit bei der Suche

Wie sich die Pandemie auf den Auftragseingang auswirkt, könne man jetzt noch nicht sagen.„Wir haben nicht weniger Kunden, das kann man sagen“, sagt Dagmar Kopp, Gebietsverkaufsleiterin von Okal. Der Anteil der Interessenten an Fertighäuser wächst nach ihren Beobachtungen, obwohl die Fertighauswelt nicht regulär geöffnet hat. „Durch die gezieltere Beratung kommt Qualität rein“, beobachtet Kopp. Vorher habe der Besuch in der Fertighauswelt an die Wuppertaler Festwochen erinnert. Da sei es höchstens möglich gewesen, einen Termin für eine Beratung zu vereinbaren. „Jetzt schauen sich Interessenten im Internet alles an und entscheiden dann, zu welchem Anbieter sie sich hingezogen fühlen“, sagt Kopp. „Die Republik ist entschleunigt.“ Die Menschen nähmen sich mehr Zeit für die Suche.

Die Anfragen sind auch bei Fingerhut Haus hoch. „Alle Verkäufer haben viel zu tun“, sagt Verkaufsleiter Niko Henrich. Die Auftragslage sei nach wie vor gut. „Wir glauben, dass das eine Folge der Pandemie ist“, sagt er. Die Menschen wollten aus der Stadt raus, außerdem gebe es „sehr viele hochpreisige Anfragen“ wie Mehrfamilienhäuser, in denen Menschen ihr Geld anlegen wollten.

Gefragt sind Gegenden mit guter Internetverbindung

„Die Nachfrage in der Pandemie ist extrem hoch“, bestätigt auch Björn Beckers, Verkaufsleiter von Schwörer Haus. „Alle wollen raus auf‘s Land.“ Viele Menschen hätten in der Pandemie gemerkt, dass gutes Wohnen total wichtig ist, sagt Beckers: „Die Menschen wollen sich frei bewegen können.“ Da falle immer häufiger die Entscheidung, lieber weit raus auf das Land zu ziehen – sogar in Bereiche, wo man früher nicht hinwollte. Diese Entwicklung sei durch die Corona-Pandemie ausgelöst worden. „Vor der Krise war Homeoffice nicht anerkannt“, sagt Beckers. Jetzt sei hingegen unklar, ob die Firmen wieder komplett in die Büros zurückkehren werden.

Ziel sind Orte mit guter Internetverbindung. „Kölner ziehen in Richtung Nettetal, während für Frankfurter plötzlich der Hunsrück und die Eifel attraktiv sind“, sagt Beckers. Wenn man nur einmal in der Woche ins Büro fahren müsse, nehme man auch eine Stunde Fahrtzeit in Kauf. Vor allem, wenn die Grundstücke auf dem Land „total erschwinglich“ sind. Die Anfragen sind laut Schwörer-Haus um 100 Prozent nach oben gegangen. Beckers wertet das zum Teil als Vorzugseffekt, auch weil man nicht reisen kann. „Die Leute, die vielleicht in drei Jahren darüber nachgedacht hätten zu bauen, machen das jetzt.“

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