Geldtransporte: Fünf Millionen Euro sind verschwunden

Fünf Millionen Euro sind bei einem Wuppertaler Sicherheitsunternehmen verschwunden. Symbolfoto: dpa
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Fünf Millionen Euro sind bei einem Wuppertaler Sicherheitsunternehmen verschwunden. Symbolfoto: dpa

Im Mai wurde der erste Fall bei der Staatsanwaltschaft angezeigt – nun fehlt wieder Geld

Von Andreas Boller und Hannah Florian

Wuppertal Fünf Millionen Euro sind bei der Wuppertaler Wach- und Schließgesellschaft (WSG) im Mai spurlos verschwunden. Die Staatsanwaltschaft hat wegen des Vorfalls gegen Mitarbeiter und Verantwortliche des Unternehmens ermittelt, konnte die Hintergründe aber nicht aufklären. Daher wurden die Ermittlungen am 23. September eingestellt. Nun gibt es aber neue Arbeit für Polizei und Staatsanwaltschaft: Wieder ist eine höhere Summe nicht beim rechtmäßigen Besitzer angekommen. Das betroffene Unternehmen hat erneut Anzeige erstattet und sieht sich als Opfer krimineller Machenschaften.

„Durch das Unternehmen ist inzwischen erneut ein Bargeldverlust angezeigt worden, weshalb neue Ermittlungen erfolgen werden“, teilte Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert auf Anfrage mit, ohne den Namen des Unternehmens zu nennen. Der ist aber kein Geheimnis, denn die Kunden, zu denen die Stadtsparkasse und die Postbank gehören sollen, haben mit den Geldtransporten inzwischen andere Firmen beauftragt. Mitarbeiter der Firma mit Sitz am Deutschen Ring haben sich mit der Gewerkschaft Verdi in Verbindung gesetzt, da sie befürchten, dass in ihrer Firma Arbeitsplätze abgebaut werden, weil die Transporte nicht mehr versichert werden können. „Wir möchten nicht, dass am Ende die Arbeitnehmer die Zeche zahlen müssen“, sagt ein Sprecher von Verdi.

Auf Anfrage unserer Redaktion bezog die Stadtsparkasse Stellung. „Die WSG hat der Sparkasse Ende September kurzfristig mitgeteilt, dass sie die Bargeldlogistik nicht mehr unter den bisherigen Rahmenbedingungen durchführen kann. Daher hat die Sparkasse umgehend einen anderen Dienstleister mit der Bargeldlogistik beauftragt“, sagt Florian Baumhove, Sprecher der Stadtsparkasse. Ein finanzieller Schaden sei der Sparkasse nicht entstanden, es gab am 5. Oktober einen kurzfristigen Engpass an einigen Geldautomaten. Von der Postbank ist lediglich zu erfahren, dass ihr ebenfalls kein finanzieller Schaden entstanden ist.

Unserer Redaktion liegt ein Brief der Grambow & Sperling Assekuranz Vermittlungs GmbH vom 25. September an die WSG vor, dass „die von uns befragten Versicherer aufgrund der aktuellen Schadensituation nicht bereit sind, eine Anschlussdeckelung für den Geld- und Werttransport zur Verfügung zu stellen. Ein wesentlicher Grund ist, dass die Transportversicherer aufgrund der Pandemie mit erheblichen Schadenzahlungen belastet sind und Versicherungsdeckungen für exponierte Risiken nicht zu erhalten sind.“

Unternehmen sieht sich als Opfer krimineller Machenschaften

Auf Anfrage teilt die Wach- und Schließgesellschaft Wuppertal Nachf. Herkströter GmbH & Co. KG mit: „Zusätzlich zu den pandemiebedingten Belastungen ist die WSG in den letzten Monaten Opfer schädigender Handlungen geworden. Das Unternehmen hat hierzu Anzeige erstattet. Um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden, wird die WSG sich hierzu nicht äußern und bis zur vollständigen juristischen Aufarbeitung sich auch an keinerlei Spekulationen beteiligen.“

Die Coronapandemie habe das Kauf- und Bezahlverhalten verändert. Durch die vermehrte bargeld- und kontaktlose Zahlung im Einzelhandel seien die Geld- und Werttransporte deutlich zurückgegangen. Deshalb werde das Unternehmen sich aus dem Geschäftsfeld Geld- und Werttransporte vollständig zurückziehen und seinen Fokus auf das Kerngeschäft Sicherheitsdienste richten.

Um den Fall der verschwundenen Millionen in Wuppertal ranken sich viele Gerüchte. So berichtete ein Insider aus der Branche, dass die WSG viele Aufträge an sich gezogen habe und für diese Subunternehmer eingesetzt habe. Laut einer anderen Quelle soll es sich bei der Beute um Geldscheine und Münzgeld gehandelt haben. Eine weitere Quelle berichtet, die fünf Millionen Euro seien während der Wartung einiger Überwachungskameras verschwunden, was nur wenigen bekannt gewesen sein soll.

In Deutschland hat es bereits einige spektakuläre Fälle in Bezug auf Geldtransporte gegeben. 2006 wurde bekannt, dass Mitarbeiter des damaligen Marktführers, der Heros Unternehmensgruppe, rund 540 Millionen Euro unterschlagen beziehungsweise veruntreut haben. Die Täter zweigten Kundengeld ab und nutzten es für eigene Geldanlagen. Die Löcher wurden mit dem Kundengeld der Folgetage gestopft.

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