Energiesparen

Freibad Neuenhof in Wuppertal muss wegen der Energiekrise den Winterbetrieb absagen

In großer Zahl waren enttäuschte Schwimmfans zum letzten Badetag in diesem Jahr im Freibad Neuenhof erschienen
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In großer Zahl waren enttäuschte Schwimmfans zum letzten Badetag in diesem Jahr im Freibad Neuenhof erschienen.

Der Heißdampf, der sonst das Freibad beheizte, wird ab sofort anderweitig genutzt. Der Verzicht fällt schwer.

Von Günter Hiege und Waltraut Rass

Wuppertal. Das Freibad Neuenhof ist geschlossen. Erstmalig wird es kein Winterschwimmen geben, da die Abfallwirtschaftsgesellschaft Wuppertal mbH (AWG) nunmehr den Heißdampf von der Müllverbrennungsanlage anderweitig nutzt: Sie will damit das Fernwärmenetz entlasten und den Dampf zur Stromerzeugung zu nutzen (die WZ berichtete). Am gestrigen Montag, 17. Oktober, war der letzte Badetag, aus diesem Anlass gab es ein Abschiedstreffen.

Ab 17 Uhr hatten engagierte Mitglieder des SV Wuppertal Neuenhof, der Inhaber des Bades ist, auf privater Basis die Mitglieder eingeladen. Der Vorstand war einverstanden. Die Schwimmer wollten zeigen, wie schwer ihnen der Verzicht aufs Winterschwimmen fällt. Privat gesponserte Krakauer-Würstchen mit Toastbrot stellte die Tauchertruppe den Schwimmern gegen eine Spende zur Verfügung. Der Andrang war groß.

Schwimmer sind traurig, wütend und verzweifelt

Ebenso groß, wenn nicht größer, war die Entrüstung über die Schließung. Immer wieder betonten die Vereinsmitglieder, dass die sozialen und gesundheitlichen Vorteile, die das Schwimmen im Freibad habe, so sehr überwiegen würden. Rainer Kerpen findet die Schließung unmöglich, weil Kinder dort Schwimmen lernten und Ältere etwas für ihre Gesundheit täten.

„Gerade Ältere sind hier sehr viel vertreten“, sagt auch Astrid Schmidt. „Ich habe einen Trümmerbruch im Bein. Ohne Arzt kriege ich das wieder hin.“ Für Menschen mit Arthrose sei die Schließung ebenso kontraproduktiv. Gegen die soziale Isolation helfe das Bad ebenfalls: „Es gibt hier alte Leute, die sprechen den ganzen Tag nicht. Hier haben sie die Gelegenheit dazu.“

Luise Meinschäfer ist begeistert von der schönen winterlichen Stimmung in dem Bad unter freiem Himmel, etwa im Dunkeln, wenn das Flutlicht scheine, oder bei Schnee. Sie selbst sei Trainerin für die Nichtschwimmer und die Jugendgruppe. Gerade durch die Coronakrise hätten viele Kinder nicht Schwimmen lernen können. Früher habe sie selbst Wasserball gespielt.

„Das ist traurig, beklagenswert“, sagt Jörn Dau zur Zwangspause. Das Bad sei wichtig für die Gesundheitsprävention. „Ältere Leute können das Schwimmen nicht einfach ersetzen durch Laufen oder Fahrradfahren“, erklärt der Sportwart.

Auch schriftliche Klagen gibt es: Viele Schwimmer seien „mehr als sauer und verzweifelt, weil ihnen das Wasser so fehlen wird“, hat Stammschwimmer Hajo Schwunk der WZ in einem Anschreiben mitgeteilt. Jeden Morgen um 6.30 Uhr schwamm er eine Stunde und oft auch abends nochmals eine Stunde, da das Bad bis 21.30 Uhr geöffnet war. „Nur dadurch konnte ich meine angeschlagene Wirbelsäule einschließlich der Schmerzen unter Kontrolle halten und eine Operation vermeiden.“ Er kenne viele, denen es gesundheitlich ähnlich geht. „Nicht zu vergessen: die vielen sozialen Kontakte und Hilfestellungen, die die Vereinsmitglieder nahezu täglich ehrenamtlich ausüben, und die den vielen Seelen im Wasser, und auch darüber hinaus, guttut“, erklärt der Schwimmfan.

Insgesamt gibt es in Deutschland nur eine Handvoll Bäder, die im Winter geöffnet sind. Eines davon ist das „Dantebad“ in München, das in diesem Winter aus Gründen des Energiesparens bereits seit September auf einen Betrieb des Außenbeckens verzichtet. Auch dort sind die Stammschwimmer enttäuscht, zeigen aber größtenteils Verständnis für die Maßnahmen, ist in der bayerischen Presse zu lesen.

Der Verein

Das Freibad Neuenhof wird vom Schwimmverein Wuppertal-Neuenhof 1930 e.V. betrieben. Im Winter nutzten bisher rund 1400 Schwimmer das ganzjährig 26 bis 28 Grad Celsius warme Bad, im Sommer mehr als 2000 Vereinsschwimmer plus öffentliche Badegäste. Die Anzahl der Vereinsmitglieder beträgt rund 2800.

Lesen Sie auch: Hundeschwimmen: Saison im Freibad Eschbachtal endet

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